Alte Liebe rostet nicht

Union-Trainer Steffen Baumgart reißt sich für den HSV zusammen

Der Cheftrainer der Köpenicker hält sich beim 1. FC Union Berlin zurück – um beim emotionalen HSV‑Duell nicht erneut gesperrt zu fehlen.

Author - Sebastian Schmitt
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Union-Trainer Steffen Baumgart benahm sich zuletzt extra gut, um nicht wieder gegen den Hamburger SV gesperrt zu fehlen.
Union-Trainer Steffen Baumgart benahm sich zuletzt extra gut, um nicht wieder gegen den Hamburger SV gesperrt zu fehlen.O.Behrendt/imago

Steffen Baumgart kann anders. Zumindest für diesen Moment. Beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt bleibt der Trainer des 1. FC Union Berlin erstaunlich ruhig, schluckt Emotionen runter, vermeidet den großen Knall. Auch weil er weiß, was kommt: die Rückkehr nach Hamburg. Ein Spiel, das für Baumgart mehr ist als nur 90 Minuten Bundesliga.

Warum Baumgart gegen Frankfurt ruhig blieb

Steffen Baumgart ohne Feuer? Kaum vorstellbar. Der Union-Trainer lebt an der Seitenlinie, leidet, schreit, gestikuliert. Seine Art elektrisiert Spieler und Fans – und treibt Schiedsrichter regelmäßig an den Rand. Verwarnungen gehören bei ihm fast zum Inventar. In der Hinrunde verpasste Baumgart deswegen das Duell gegen seinen Ex-Klub Hamburger SV. Auslöser: eine Papierkugel und eine Rote Karte beim 4:3-Spektakel in Frankfurt.

Trainer Steffen Baumgart begrüßt gegen Frankfurt während der Unterbrechnung wegen des Feuerwerks Schiedsrichter  Sören Storks.
Trainer Steffen Baumgart begrüßt gegen Frankfurt während der Unterbrechnung wegen des Feuerwerks Schiedsrichter Sören Storks.Matthias Koch/imago

Auffällig unauffällig ist sein Auftritt beim Rückspiel gegen Eintracht Frankfurt. Beim 1:1 an der Alten Försterei bleibt Baumgart kontrolliert. Keine Eskalation, keine Gelbe Karte, vor allem kein Platzverweis. Vielmehr sucht er während der verrückten Pyro-Pause und der Spielunterbrechung das Gespräch mit dem Schiedsrichter. Zufall ist das nicht.

Die Rückkehr nach Hamburg: Ex-Klub, Emotionen, Druck

Denn am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) wartet auf Union das Auswärtsspiel beim HSV. Volksparkstadion. Alte Weggefährten. Alte Gefühle. „Erst mal bin ich froh, dass ich dabei sein werde“, sagt Baumgart bei Sky und grinst. „Ich habe mich heute emotional nicht hinreißen lassen. Dass ich im Hinspiel nicht dabei war, hat mich geärgert.“

Das erste Duell mit seinem Ex-Klub Hamburger SV verpasste Baumgart im Herbst wegen einer Sperre nach einer Roten Karte in Frankfurt.
Das erste Duell mit seinem Ex-Klub Hamburger SV verpasste Baumgart im Herbst wegen einer Sperre nach einer Roten Karte in Frankfurt.imago/HMB Media/Claus

Der Hamburger SV ist für ihn mehr als nur ein Gegner. Es ist Baumgarts Lieblingsklub – und seine alte Bühne. Von Februar 2024 bis November 2024 arbeitete er dort, ehe er gehen musste. Jetzt kehrt er erstmals seit seinem Rauswurf zurück in den Volkspark. „Ich freue mich auf die Stadt und das Stadion. Ich freue mich darauf, viele Leute wiederzusehen“, sagt Baumgart. Wehmütig klingt das nicht. Eher gespannt.

Union sechs Spiele ohne Sieg – jetzt zählt jeder Impuls

Denn Geschenke will er nicht verteilen. Ganz im Gegenteil. „Wir wollen dort gewinnen und werden dafür intensiv unter der Woche arbeiten“, stellt Baumgart klar. Der Fokus liegt auf dem Sportlichen. Union sehnt sich nach sechs Spielen ohne Sieg nach dem ersten Erfolg 2026.

Baumgart weiß, wie schnell Emotionen kippen können. Gerade in Hamburg. Gerade für ihn. Diesmal will er die Kontrolle behalten – über sich selbst und über sein Team.