Er brüllt, er leidet, er lebt jedes Spiel. Steffen Baumgart hat beim 1. FC Union Berlin etwas wieder entfacht, das verloren ging. Manch ein Fan spricht sogar von einem ganz besonderen Zauber. Doch der wahre Kern seines Erfolgs ist kein Zaubertrick – sondern radikale Einfachheit. Und genau die passt perfekt zu Union.
Baumgarts Energie – und warum sie Union neu entfacht
Steffen Baumgart ist in Köpenick mehr als ein Trainer. Der frühere Stürmer genießt Kultstatus – und auch als Coach ist er wieder Identifikationsfigur beim 1. FC Union Berlin. Ob in Paderborn, beim 1. FC Köln oder beim Hamburger SV: Baumgart steht für Emotion, Energie und klare Ansagen.

Seine Art polarisiert – und wirkt. Als habe der Rostocker Union nach seiner Rückkehr an die Alte Försterei einen Spiegel vorgehalten. Doch seine „Magie“ ist kein Hokuspokus. Sie ist simpel.
„Ich bin Ossi“: Die Herkunft, die seine Arbeit prägt
Baumgart betont seine Herkunft: „Ich bin Ossi durch und durch“. Er steht für Ehrlichkeit, Bodenständigkeit, harte Arbeit. Keine Show, kein Theater. Er kann mit Philosophie-Gequatsche wenig anfangen. Für ihn zählt kein Taktik-Seminar, sondern das Ergebnis am Sonnabend. Spiele gewinnen. Punkte holen. Arbeiten.
Genau das trifft den Nerv bei Union.
Wie Baumgart junge Spieler wie Ansah überzeugt
Neuzugang Ilyas Ansah entschied sich trotz Interesse von Werder Bremen, vom Hamburger SV und des kommenden Gegners Borussia Mönchengladbach (Sonnabend, 15.30 Uhr, Sky) früh für Union – wegen Baumgart.

Ansah erklärt: „Für einen jungen Spieler ist der Trainer eine der wichtigsten Personen im Verein. Er erklärte mir deutlich, welche Rolle ich einnehmen könne – dass ich dafür die nötige Zeit bekomme und auch Fehler machen darf. Das ist das, was man hören will: Vertrauen. Deshalb habe ich mich früh für Union entschieden und will dieses Vertrauen zurückzahlen.“
Ehrlich, direkt, fordernd – aber immer schützend
Baumgart fordert Leistung, aber er schützt seine Mannschaft nach außen. Intern kann er laut werden, nach Niederlagen ist er selbstkritisch, nimmt die Spieler in die Pflicht. Ausreden akzeptiert er nicht. Gleichzeitig stellt er sich vor sein Team, wenn es von außen kracht. Ansah sagt: „Er ist sehr klar in dem, was er von einem fordert. Wenn du es nicht machst, spielst du nicht. Und er sagt dir auch, warum.“
Diese Ehrlichkeit trägt auch in schwierigen Phasen. Nach vier Toren in den ersten vier Spielen traf Ansah zuletzt beim 3:1 gegen RB Leipzig. Seit Mitte Dezember kämpft er mit einer Durststrecke. Doch statt Druck aufzubauen, bleibt Baumgart stabil.
Auch Rani Khedira lobt Baumgarts Arbeit bei Union
„Er weiß, dass solche Phasen vorkommen. Man bekommt nicht das Gefühl, keine Fehler machen zu dürfen. Dadurch, dass er normal bleibt, hilft er einem“, sagt Ansah.
Dazu kommt Baumgarts Anpassungsfähigkeit. Vize-Kapitän Rani Khedira, eisernes Mentalitätsmonster und zuletzt Matchwinner: „Er kam mit der Idee, auf Viererkette umzustellen. Aber aufgrund unseres Kaders hat er wieder auf Dreier- beziehungsweise Fünferkette geswitcht.“




