Steffen Baumgart kehrt zurück ins Volksparkstadion – erstmals seit seinem Rauswurf beim Hamburger SV. Für den Trainer des 1. FC Union Berlin ist es mehr als ein Auswärtsspiel. Es ist eine Reise zur alten Liebe, zu einem geplatzten Traum. Und vielleicht die Chance auf Erlösung.
Rückkehr ins Volksparkstadion: Baumgarts geplatzter Traum
Manche Fußball-Geschichten werden künstlich aufgeblasen. Diese nicht. Wenn Steffen Baumgart mit Union beim HSV antritt, prallen Vergangenheit und Gegenwart frontal aufeinander.

Baumgart, geboren in Rostock, ist seit Kindheitstagen Fan des Hamburger SV. Als er im Februar 2024 Cheftrainer im Volkspark wurde, erfüllte sich für ihn ein Traum. Der Dino, die große Bühne, das Flutlicht. Doch die Liebe zerbrach schnell. Im November 2024 zog der HSV die Reißleine. Zu wenig Punkte, zu wenig Konstanz. Nach nur neun Monaten war Schluss.
Der Stachel sitzt tief.
Der tiefe Stachel: Wie der HSV-Rauswurf nachwirkt
Denn was folgte, schmerzte brutal: Co-Trainer Merlin Polzin übernahm – und führte den HSV wenige Monate später zurück in die Bundesliga. Baumgart ist bis heute überzeugt, dass er selbst den Aufstieg geschafft hätte. Stattdessen musste er zusehen, wie andere seinen Traum vollendeten.

Zusätzliche Schärfe bekam die Trennung durch Aussagen von HSV-Sportdirektor Claus Costa, der im Nachhinein von einem „Missverständnis“ sprach. Worte, die in Berlin-Köpenick für Kopfschütteln sorgten und das Kapitel weiter anheizten.
Dazu kommt: Auch sportlich liest sich Baumgarts Bilanz gegen den HSV ernüchternd. Sieben Spiele als gegnerischer Trainer, fünf Niederlagen. Nur mit dem SC Paderborn gelang ihm ein Sieg gegen die Hanseaten. Auch das Hinspiel mit Union endete enttäuschend: 0:0 an der Alten Försterei – Baumgart musste wegen einer Roten Karte von der Tribüne aus zuschauen.
Für Union Berlin zählt jeder Punkt im Abstiegskampf
Diesmal steht er an der Seitenlinie. Im Volkspark. Im Stadion seiner Sehnsucht.
„Ich freue mich auf die Stadt und das Stadion. Ich freue mich darauf, viele Leute wiederzusehen“, sagt Baumgart betont gelassen. Von Wut keine Spur. Zumindest nach außen.
Revanche-Gefühl: Warum dieses Spiel für Baumgart mehr ist
Doch wer den 54-Jährigen kennt, weiß: Seine Emotionen kochen schnell hoch. Und diesmal wird es eine Achterbahnfahrt. Zwischen Erinnerung und Revanche, zwischen Dankbarkeit und Trotz.
Für Union geht es zudem um mehr als Romantik. Sechs Spiele ohne Sieg drücken auf die Stimmung. Die Tabelle der Bundesliga zieht sich gefährlich zusammen. Jeder Punkt zählt im Rennen um Stabilität und Selbstvertrauen.
Ein Union-Sieg beendet Baumgarts HSV-Trauma
Baumgart macht deshalb klar, worum es wirklich geht: „Es geht mit offenem Visier dahin. Wir wollen dort gewinnen.“ Keine Geschenke an die alte Liebe. Keine Sentimentalität auf dem Rasen.




