Ort des Schmerzes

Endlich! Union kann Steffen Baumgart vom HSV-Trauma erlösen

Nach seinem Rauswurf kehrt der Trainer des 1. FC Union Berlin zum Hamburger SV zurück. Für die Eisernen geht es um Punkte, für ihn um viel mehr.

Author - Sebastian Schmitt
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Ein Sieg beim HSV würde Union-Trainer Steffen Baumgart bei seiner Rückkehr nach Hamburg besonders viel bedeuten.
Ein Sieg beim HSV würde Union-Trainer Steffen Baumgart bei seiner Rückkehr nach Hamburg besonders viel bedeuten.imago/Marco Steinbrenner/DeFodi Images

Steffen Baumgart kehrt zurück ins Volksparkstadion – erstmals seit seinem Rauswurf beim Hamburger SV. Für den Trainer des 1. FC Union Berlin ist es mehr als ein Auswärtsspiel. Es ist eine Reise zur alten Liebe, zu einem geplatzten Traum. Und vielleicht die Chance auf Erlösung.

Rückkehr ins Volksparkstadion: Baumgarts geplatzter Traum

Manche Fußball-Geschichten werden künstlich aufgeblasen. Diese nicht. Wenn Steffen Baumgart mit Union beim HSV antritt, prallen Vergangenheit und Gegenwart frontal aufeinander.

Nach dem 2:2 gegen Schalke wurde Steffen Baumgart Ende November 2024 beim Hamburger SV entlassen. Sein Co-Trainer Merlin Polzin (M.) führte den HSV danach in die Bundesliga.
Nach dem 2:2 gegen Schalke wurde Steffen Baumgart Ende November 2024 beim Hamburger SV entlassen. Sein Co-Trainer Merlin Polzin (M.) führte den HSV danach in die Bundesliga.Oliver Ruhnke/imago

Baumgart, geboren in Rostock, ist seit Kindheitstagen Fan des Hamburger SV. Als er im Februar 2024 Cheftrainer im Volkspark wurde, erfüllte sich für ihn ein Traum. Der Dino, die große Bühne, das Flutlicht. Doch die Liebe zerbrach schnell. Im November 2024 zog der HSV die Reißleine. Zu wenig Punkte, zu wenig Konstanz. Nach nur neun Monaten war Schluss.

Der Stachel sitzt tief.

Der tiefe Stachel: Wie der HSV-Rauswurf nachwirkt

Denn was folgte, schmerzte brutal: Co-Trainer Merlin Polzin übernahm – und führte den HSV wenige Monate später zurück in die Bundesliga. Baumgart ist bis heute überzeugt, dass er selbst den Aufstieg geschafft hätte. Stattdessen musste er zusehen, wie andere seinen Traum vollendeten.

Im Hinspiel gegen den HSV fehlte Trainer Steffen Baumgart gesperrt und verfolgte das Duell gegen seinen Ex-Klub aus einem Container neben dem Gästeblock im Stadion An der Alten Försterei.
Im Hinspiel gegen den HSV fehlte Trainer Steffen Baumgart gesperrt und verfolgte das Duell gegen seinen Ex-Klub aus einem Container neben dem Gästeblock im Stadion An der Alten Försterei.Matthias Koch/imago

Zusätzliche Schärfe bekam die Trennung durch Aussagen von HSV-Sportdirektor Claus Costa, der im Nachhinein von einem „Missverständnis“ sprach. Worte, die in Berlin-Köpenick für Kopfschütteln sorgten und das Kapitel weiter anheizten.

Dazu kommt: Auch sportlich liest sich Baumgarts Bilanz gegen den HSV ernüchternd. Sieben Spiele als gegnerischer Trainer, fünf Niederlagen. Nur mit dem SC Paderborn gelang ihm ein Sieg gegen die Hanseaten. Auch das Hinspiel mit Union endete enttäuschend: 0:0 an der Alten Försterei – Baumgart musste wegen einer Roten Karte von der Tribüne aus zuschauen.

Für Union Berlin zählt jeder Punkt im Abstiegskampf

Diesmal steht er an der Seitenlinie. Im Volkspark. Im Stadion seiner Sehnsucht.

„Ich freue mich auf die Stadt und das Stadion. Ich freue mich darauf, viele Leute wiederzusehen“, sagt Baumgart betont gelassen. Von Wut keine Spur. Zumindest nach außen.

Revanche-Gefühl: Warum dieses Spiel für Baumgart mehr ist

Doch wer den 54-Jährigen kennt, weiß: Seine Emotionen kochen schnell hoch. Und diesmal wird es eine Achterbahnfahrt. Zwischen Erinnerung und Revanche, zwischen Dankbarkeit und Trotz.

Für Union geht es zudem um mehr als Romantik. Sechs Spiele ohne Sieg drücken auf die Stimmung. Die Tabelle der Bundesliga zieht sich gefährlich zusammen. Jeder Punkt zählt im Rennen um Stabilität und Selbstvertrauen.

Ein Union-Sieg beendet Baumgarts HSV-Trauma

Baumgart macht deshalb klar, worum es wirklich geht: „Es geht mit offenem Visier dahin. Wir wollen dort gewinnen.“ Keine Geschenke an die alte Liebe. Keine Sentimentalität auf dem Rasen.

Vielleicht liegt genau darin die Chance. Wenn Union im Volkspark dreifach punktet, könnte Baumgart ein Kapitel schließen, das ihn seit Herbst 2024 begleitet. Und dem 1. FC Union in der Bundesliga wieder Luft verschaffen.