„Einfach scheiße“

Union beim HSV ohne Sieg: Baumgart übt scharfe Kritik am VAR und DFB-Entscheidungen

Die Eisernen werden beim 2:3 in Hamburg um einen Elfmeter gebracht. Trainer Steffen Baumgart attackiert den DFB wegen des Videobeweises scharf.

Author - Sebastian Schmitt
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Union-Trainer Steffen Baumgart schimpft auf den DFB und die Schiedsrichter wegen des Videobeweises.
Union-Trainer Steffen Baumgart schimpft auf den DFB und die Schiedsrichter wegen des Videobeweises.IMAGO/Stefan Trocha

Das wilde 2:3 beim Hamburger SV schmerzt doppelt. Der 1. FC Union Berlin verpasst nicht nur den ersten Sieg 2026, sondern fühlt sich auch um einen Elfmeter gebracht. Trainer Steffen Baumgart wütet wegen des Videobeweises gegen den DFB und die Schiedsrichter und spricht damit Fußball-Deutschland aus der Seele.

Der Elfer-Schock: Ilic wird gefoult– doch der VAR schweigt

Der 1. FC Union Berlin taumelt weiter durch das neue Jahr. Doch nach nun sieben Spielen ohne Sieg sucht in Köpenick niemand mehr billige Ausreden. Stattdessen wird der Ton rauer. Intern, aber auch gegenüber dem Aufreger-Thema schlechthin: dem VAR.

Es war der erste von vielen Aufregern während der 90 Minuten im Volkspark. Und einer, der das gesamte Spiel wohl von Anfang an in eine andere Richtung gelenkt hätte.

Baumgart wütet: „Wir sind einfach scheiße in der Sache!“

Worum es geht? In der 19. Minute wird Union-Stürmer Andrej Ilic von Ex-Herthaner Jordan Torunarigha per Kopfnuss zu Boden gestreckt. Absicht kann man dem HSV-Verteidiger nicht vorwerfen. Aber Torunarigha kommt schlichtweg zu spät ins Kopfballduell und räumt Ilic, ohne den Ball nur annähernd zu berühren, ab. Ein klares Foul, ein klarer Elfmeter – eigentlich.

HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha foult Union-Stürmer Andrej Ilic im Strafraum. Einen Elfmeter gab es in Hamburg nicht.
HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha foult Union-Stürmer Andrej Ilic im Strafraum. Einen Elfmeter gab es in Hamburg nicht.IMAGO/Matthias Koch

Doch Schiedsrichter Florian Badstübner winkt sofort ab. Und auch der VAR in Köln bleibt stumm. Baumgart diskutiert schon während des Spiels wild an der Seitenlinie. Nach Abpfiff platzt ihm der Kragen. Und wie.

„Das liegt nicht am VAR, das liegt an den Entscheidungen, die dann getroffen werden oder eben nicht getroffen werden“, sagt der Union-Trainer. Dann wird er grundsätzlich: „Wir diskutieren über die Sache, die wir haben. Ich finde, wir sind einfach scheiße in der Sache, nicht die Sache selbst!“

Heldt fassungslos: „Noch klarer kann ein Elfmeter nicht sein“

Eine klare Breitseite gegen die Umsetzung des Videobeweises in der Bundesliga. Nicht gegen die Technik – sondern gegen die Linie. Oder das, was davon übrig ist.

Union-Trainer Steffen Baumgart schimpft nach der Pleite beim HSV nicht über den Videobeweis in der Bundesliga, sondern um die unterschiedliche Auslegung des Regelwerks.
Union-Trainer Steffen Baumgart schimpft nach der Pleite beim HSV nicht über den Videobeweis in der Bundesliga, sondern um die unterschiedliche Auslegung des Regelwerks.IMAGO/Matthias Koch

Seit der Einführung des VAR in der Saison 2017/18 sollte alles gerechter werden. Stattdessen knallt es fast jedes Wochenende. Vereine schäumen, Trainer verzweifeln, Fans pfeifen. Selbst Experten, die den Video-Schiedsrichter lange verteidigt haben, zweifeln inzwischen weniger an der Idee als an der Ausführung.

DFB in der Kritik: Fehlende Linie beim Videobeweis

Pikant: Auch unter Schiedsrichtern wächst intern der Frust. Hinter vorgehaltener Hand heißt es, es fehle eine klare, einheitliche Linie. Je nach Besetzung im Kölner Kontrollraum werde unterschiedlich bewertet. Wann greift der VAR ein? Wann nicht? Eine verlässliche Antwort gibt es nicht.

Dazu kommt: Der Torjubel ist mit dem VAR im Eimer. Fans reißen die Arme hoch – und erstarren sofort wieder. Denn jeder Treffer wird inzwischen meist minutenlang zerfleddert und am Ende doch noch aberkannt werden. Pure Freude? Fehlanzeige! Der VAR hat den Torjubel zerstört.

Das Schlimmste: Trotz all der Kameras, Linien, Kalibrierungen und Hightech passieren immer noch haarsträubende Fehlentscheidungen. Situationen, die jeder im Stadion sieht – nur der VAR nicht. Von „mehr Gerechtigkeit“ bleibt oft nur ein bitterer Nachgeschmack.

Union-Manager Horst Heldt rang nach der Szene in Hamburg ebenfalls um Fassung. „Für mich war das ein klarer Elfmeter, sogar noch klarer als der später gegebene“, sagt er. „Es ist für mich nicht mehr nachzuvollziehen, warum das nicht gepfiffen wird.“ Und weiter: „Der geht voll in den Mann rein. Für mich ist das unbegreiflich, dass das kein Elfmeter ist.“

Wut statt Ausreden: Union hadert, aber sieht eigene Fehler

Fakt ist: Union machte Fehler in Hamburg. Zu viele. Baumgart sprach selbst von einer „verdienten Niederlage“.

Doch die Szene in der 19. Minute bleibt hängen. Vielleicht hätte das Spiel eine andere Richtung genommen. Vielleicht nicht.

Was bleibt, ist Wut. Und ein VAR-System, das in der Bundesliga mehr und mehr Fragen aufwirft.