Kevin Behrens sorgt weiter für Schlagzeilen – auf und neben dem Platz. Der Ex-Stürmer des 1. FC Union Berlin nutzt den Gegenwind in Lugano als Antrieb, zeigt auch nach seinem jüngsten Skandal keine Spur von Demut und provoziert bewusst. Frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, trifft es sich ganz ungeniert.
Kevin Behrens (34) hat gelernt, mit Ablehnung zu leben. Vielleicht braucht er sie sogar. Beim FC Lugano trifft der frühere Union-Stürmer aktuell wie am Fließband – und gießt nach jedem Tor weiter Öl ins Feuer. Jubel als Provokation, Gesten Richtung Tribüne. Keine Entschuldigung, kein Innehalten. Stattdessen Trotz pur.
Kevin Behrens nutzt Gegenwind als Antrieb
Dabei liegt der jüngste Skandal kaum zurück. Behrens hatte Mitspieler Georgios Koutsias auf dem Platz massiv beleidigt und sogar körperlich angegangen. Der Klub bestätigte intern eine Aussprache, öffentlich folgte eine kurze Erklärung per Mitteilung: „Mein Verhalten war falsch und inakzeptabel.“ Worte, die wirken sollten – auf dem Platz aber keine Spur von Einsicht hinterließen.

Dabei war die Akte Behrens schon vor seinem Wechsel in die Schweiz gut gefüllt. In Wolfsburg sorgte der Stürmer für Aufsehen, als er sich weigerte, ein Regenbogen-Trikot zu signieren („So eine schwule Scheiße unterschreibe ich nicht“). Das Entsetzen war groß – und es verfolgte ihn bis in die neue Heimat.
Interner Streit und Rekordstrafe: Der neue Ärger um den Ex-Unioner
Nach dem jüngsten Vorfall verdonnerte Lugano ihn angeblich zu einer klubinternen Rekordstrafe. Ein Rauswurf, wie ihn einige Fans forderten, stand zumindest im Raum. Sportchef Sebastian Pelzer bremste jedoch: „Die Suspension eines Arbeitsvertrags ist nicht so einfach.“ Nach Analyse und Aussprache entschied sich der Klub für einen anderen Weg.

Auch, weil Behrens sportlich plötzlich unverzichtbar scheint. Mit dem 5:2-Sieg in Luzern setzten die Tessiner ein Ausrufezeichen im Titelrennen – wieder mit einem Doppelpack ihres umstrittensten Spielers.
Trotz Kritik: Lugano braucht seinen umstrittenen Torjäger mehr denn je
Trainer Mattia Croci-Torti stellt sich hinter seine Skandalnudel: „Behrens wollte mit seinen zwei Toren zeigen, dass er einen Fehler gemacht hat. Er wollte Vollgas geben, um der Mannschaft zu helfen.“ Mittelfeldspieler Uran Bislimi betont, intern sei „nichts kaputt gegangen“. Ob das so bleibt, muss sich zeigen.
Fest steht: Der Mann mit dem ramponierten Ruf liefert sportlich wieder ab – und erinnert damit an seine beste Zeit in Köpenick, als er unter Urs Fischer beim 1. FC Union 14 Bundesliga-Tore erzielte und es sogar zu einem Länderspiel schaffte.
Problemspieler und Leistungsträger – doch die Zweifel bleiben
Bei den Fans des 1. FC Union hatte Behrens schon vor seinen Skandalen gelitten. Kurz nach seinem Wolfsburg-Wechsel bezeichnete er die Infrastruktur beim VfL als „deutlich professioneller“. In Köpenick, wo fast jeder Ex-Spieler zum Fußballgott verklärt wird, kam das nicht gut an.



