Ein durchtrenntes Bremskabel, eine tote Radfahrerin, doch dieser Fall geht weit über einen vermeintlichen Verkehrsunfall hinaus. In der neuen „Polizeiruf 110“-Folge „Your Body, my Choice“ am Sonntag (ARD, 20.20 Uhr) wird Ermittlerin Doreen Brasch nicht nur mit einem Mord konfrontiert, sondern auch mit der Debatte ums Abtreibungsrecht.
War der Tod einer Arzthelferin ein Rache-Mord?
Eine Radlerin wird an einer Kreuzung in Magdeburg von einem Auto erfasst. Die junge Frau ist sofort tot. Doch schnell stellt sich heraus: Der Unfall war keiner. Jemand durchtrennte am Fahrrad die Bremskabel. Sie arbeitete in einer Praxis, die Schwangerschaftsabbrüche vornimmt und sich dem Zorn von radikalen Abtreibungsgegnern ausgesetzt sieht.
Für „Polizeiruf 110“-Kommissarin Doreen Brasch stellt sich die naheliegende Frage: Hat einer von ihnen den Mord begangen? Während Brasch das Leben des Mordopfers, die 25-jährige Arzthelferin Marwa (Melissa Gross), untersucht, begegnet ihr im Verlauf der Ermittlungen auch eine junge Polin. Sie reist nach Deutschland, um ihre ungewollte Schwangerschaft legal abzubrechen.

Ermittlerin Brasch gerät immer tiefer zwischen verhärtete Fronten, Hass, Fanatismus, Rache – und immer wieder der Paragraf 218. Die Suche nach dem Mörder gerät dabei zeitweise fast in den Hintergrund.
Das Erste zeigt den neuen Magdeburger „Polizeiruf 110“ aus der beliebten ehemaligen DDR-Krimireihe mit dem Titel „Your Body, my Choice“ („Dein Körper, meine Wahl“) nicht umsonst am 8. März, dem Weltfrauentag. „Unser Ziel war es, eine spannende und berührende Geschichte zu erzählen, die die Auswirkungen der gesellschaftlichen Debatte über Abtreibung auf betroffene Frauen zeigt“, erklärt Regisseurin Franziska Schlotterer („Totgeschwiegen“). Der Film sei „definitiv als Statement zum Weltfrauentag zu verstehen“.
Auch für Hauptdarstellerin Claudia Michelsen ist das Thema Abtreibung hochaktuell: „Ich finde, wir könnten das gar nicht oft genug aufmachen. Das muss man sich mal klar machen, dass es immer noch den Paragraphen 218 gibt, der besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich rechtswidrig und unter bestimmten Bedingungen straffrei ist – das ist schon absurd“, sagt die in der DDR aufgewachsene Schauspielerin im Interview mit dem MDR.

Claudia Michelsen: „Jede Frau hat das Recht selbst zu entscheiden“
Claudia Michelsen verweist auf ihren Satz im „Polizeiruf“: „Wir waren ja schon mal weiter, früher.“ Sie sagt: „Also vor der Wende waren wir tatsächlich schon mal weiter“ und stellt im Interview klar: „Ich finde, jede Frau hat das Recht, das so zu entscheiden, wie sie selbst es überhaupt kann; die Verantwortung, ein Kind in diese Welt zu setzen, sollte ja ein bewusster Vorgang sein.“
Ein Fakt, mit dem sie sich auch als Ermittlerin Brasch auseinandersetzen muss. Im Laufe des Falls wird die „Polizeiruf“-Kommissarin mit einer schmerzhaften Erinnerung konfrontiert: ihrem eigenen Sohn. Ein Thema, das sie lange verdrängt hat.




