Der KI-Skandal beim ZDF zieht immer weitere Kreise. Jetzt sorgt er auch intern für massiven Zoff um einen Maulwurf beim öffentlich-rechtlichen Sender.
KI-Skandal erschütterte ZDF bis ins Mark
Mitte Februar hatte das „heute journal“ über Festnahmen durch die US-Einwanderungsbehörde ICE berichtet. Das Problem: Die dramatischen Szenen, die im Beitrag zu sehen waren, hatte es so nie gegeben. Die Aufnahmen waren mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt, zu erkennen am Wort „Sora“. So heißt das Video-KI-Tool der Firma OpenAI. Die Bilder landeten dennoch in der Sendung. Und damit im Programm eines der wichtigsten deutschen Nachrichtenformate, das vor allem von der Glaubwürdigkeit der Information lebt.
Als der Fehler aufflog, geriet zunächst auch die Kommunikation des Senders ins Schlingern. Zuerst sprach das ZDF lediglich von einem „technischen“ Versagen. Erst später räumte der Sender ein, dass tatsächlich KI-generierte Bilder im Beitrag verwendet worden waren.

Der Vorfall schlug intern hohe Wellen. Bei einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung diskutierten Hunderte Mitarbeiter über die Panne und die Folgen für die Glaubwürdigkeit des Senders. Doch ausgerechnet aus diesem vertraulichen Treffen tauchten kurz darauf Videoaufnahmen im Netz auf, veröffentlicht vom Portal Nius.
ZDF spricht von „Krieg“ gegen den Sender
Offenbar hatte ein Teilnehmer der Versammlung heimlich mitgefilmt und das Material weitergegeben. Die Reaktion innerhalb des TV-Senders fiel heftig aus. Wie der Spiegel berichtet, stellten sich im ZDF-Intranet mehrere Hundert Beschäftigte gegen den unbekannten Kollegen.
Besonders deutlich wurde Hubert Krech, Mitglied des Personalrats. In einem Kommentar wandte er sich direkt an den anonymen Hinweisgeber und griff ihn scharf an. „Du hältst Dich für einen Helden, weil Du es dem ZDF und den Chefs mal ‚so richtig gezeigt hast‘? Hast Du das wirklich?“, schrieb Krech dem anonymen Hinweisgeber, der „Leute mit Infos gefüttert“ habe, „die nur ein Ziel haben: ARD und ZDF zu schaden“.

Weiter warf er der Quelle vor, damit Kollegen „ins Gesicht gespuckt“ und Interna „Portalen preisgegeben, die einen Krieg gegen uns führen“ zu haben. Laut Spiegel sammelte der Beitrag im Intranet fast 600 Likes. Das ist ein Rekordwert für die interne Plattform des Senders.
Auch ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten reagierte inzwischen auf die Affäre. Nach Informationen aus dem Senderumfeld räumte sie ein, dass der Umgang mit KI im redaktionellen Alltag künftig deutlich strenger geregelt werden müsse. Der Vorfall habe gezeigt, wie sensibel der Einsatz neuer Technologien im Journalismus sei und wie schnell Vertrauen verspielt werden könne.


