Promis mit DDR-Wurzeln im Dschungelcamp – das sorgt für Gesprächsstoff. Zwischen Lagerfeuer, Ekelprüfungen und alten Erinnerungen treffen zwei Welten aufeinander. Manche erzählen von ihrer Kindheit im Osten, andere nutzen die Show für ein neues Kapitel
Winfried Glatzeder: Von der DDR- zur Dschungelcamp-Legende
Er gilt als Legende des DDR-Kinos – und als Legende der Dschungelprüfungen. Winfried Glatzeder (80) zog 2014 erstmals ins Camp und sorgte prompt für Schlagzeilen, als er wegen Mitcamperin Larissa Marolt ausflippte und sie sogar schubste. Heutzutage wäre das ein Skandal, vor elf Jahren war der Aufschrei um diesen Ausraster aber recht klein.
Bevor Winfried Glatzeder im Dschungelcamp für Schlagzeilen sorgte, war er längst ein fester Bestandteil der DDR‑Filmgeschichte. Der 1945 im damaligen Zoppot geborene Schauspieler wuchs in Berlin auf und entdeckte schon früh seine Liebe zum Theater.
In der DDR wurde er durch Filme wie „Die Legende von Paul und Paula“ zu einem der bekanntesten und beliebtesten DEFA‑Stars. Viele nannten ihn später sogar den „Belmondo des Ostens“.

2024 gab es ein Dschungel-Comeback für Winfried Glatzeder: Beim „Showdown der Dschungel-Legenden“ kehrte der 79-Jährige zurück – als ältester Teilnehmer aller Zeiten. Doch lange blieb er nicht: Glatzeder musste das Camp früh verlassen, nahm die Rauswahl aber gelassen hin.
Im April 2025 feierte Glatzeder seinen 80. Geburtstag. In einem Interview bezeichnete er sich selbst als „optimistischen Pessimisten“. Er ist noch immer regelmäßig in Talkshows zu sehen, geht angeln und strebt an, 104 Jahre alt zu werden.
Doreen Dietel: Im Dschungelcamp war es wie in der DDR
Doreen Dietel (51) fiel im Dschungelcamp 2019 hauptsächlich durch ihre vielen Tränen auf. „Plumpsklo, Spinnen, Regenwürmer – das kenne ich alles noch von früher“, sagte sie rückblickend im Interview mit der AZ über ihre Zeit im Camp.
Geboren 1972 im thüringischen Zeulenroda, wuchs Doreen in der DDR auf einem Bauernhof im westsächsischen Trünzig auf – zwischen Tieren, harter Arbeit und der typisch knappen DDR-Alltagsrealität. Ihre Schulzeit verbrachte sie ganz klassisch in der POS, der polytechnischen Oberschule, wie es für DDR‑Kinder üblich war.

Doch mitten in ihrer Jugend musste sich Doreen auf ein ganz neues Leben einstellen: 1989 wurde der Ausreiseantrag ihrer Eltern genehmigt, und die Familie verließ die DDR Richtung Harz. Ein riesiger Bruch – vom abgeschotteten Osten in die Ungewissheit des Westens. Ihre Schauspielausbildung absolvierte Doreen in München.
Doreen Dietels bekannteste Rolle ist Trixi Preissinger in der bayerischen Kult‑Serie „Dahoam is Dahoam“, die sie zehn Jahre lang verkörperte und mit einem Millionenpublikum vertraut machte.
Heute betreibt Doreen Dietel ein Restaurant am Tegernsee, schauspielerisch ist sie kaum noch tätig. 2025 war sie Kandidatin bei „Promi Big Brother“, schied jedoch als erster Promi aus.
Günther Krause: Erst Politik, dann mitten im Dschungelcamp-Skandal
Politiker Günther Krause (72) spielte in der DDR eine der wichtigsten Rollen überhaupt: Er war Chef-Unterhändler bei den Verhandlungen zur deutschen Einheit. Als enger Vertrauter im Team um Wolfgang Schäuble unterschrieb er 1990 den Einigungsvertrag, der die Wiedervereinigung endgültig besiegelte. Für viele Ostdeutsche wurde sein Name damit untrennbar mit dem historischen Wendepunkt verbunden.
Von 1991 bis 1993 war Günter Krause Bundesverkehrsminister, trat nach mehreren Skandalen aber zurück. Anschließend arbeitete er abseits der Öffentlichkeit als Unternehmer.

2020 dann der Schritt, der viele überraschte: Als erster Ex‑Minister überhaupt zog Günther Krause ins Dschungelcamp ein. Doch das Abenteuer war schnell vorbei. Schon nach der ersten Folge musste Krause aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.
2023 folgte der nächste Skandal: Günther Krause gestand in einem Insolvenz-Verfahren, seinem Insolvenzverwalter mehrere Hunderttausend Euro verheimlicht zu haben, die er unter anderem durch das Dschungelcamp verdient hatte. Er wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und elf Monaten verurteilt.
Djamila Rowe: Vom traumatisierten DDR-Kind zur Dschungelkönigin
Djamila Rowe (58), 1967 in Ost‑Berlin geboren, ist vielleicht die Dschungelcamp-Kandidatin, deren DDR‑Biografie am tiefsten unter die Haut geht. Ihr Leben in der DDR war geprägt von Gewalt, Instabilität und staatlicher Kontrolle. Ihre Mutter floh früh in den Westen, und Djamila wuchs bei ihren Großeltern auf, die sie laut eigener Erzählung vernachlässigten.
Schon als Teenager kam sie in fünf verschiedene Kinderheime und landete schließlich im Jugendwerkhof Crimmitschau – einer der berüchtigtsten Umerziehungsanstalten der DDR. Dort wurde sie eingewiesen, weil ihre Mutter geflohen war und sie als „Kind eines Staatsfeindes“ galt. Die Bedingungen beschrieb sie im Interview mit „SuperIllu“ als traumatisch; mehrfach versuchte sie, sich das Leben zu nehmen.
Nach der Wende begann Djamila ein neues Leben in West‑Berlin, arbeitete als Verkäuferin im KaDeWe. Bundesweit berühmt wurde sie 2002 durch die frei erfundene Affäre mit dem Schweizer Botschafter Thomas Borer – der Skandal machte sie schlagartig zum Boulevard‑Gesicht.

Im Dschungelcamp zeigte Djamila, die eigentlich nur Ersatzkandidatin war, eine ganz andere Seite von sich: verletzlich, reflektiert, ehrlich. Ihre offene Art katapultierte sie zur Überraschungsfavoritin und schließlich zur Dschungelkönigin.
Drei Jahre nach ihrem Sieg kämpft Djamila Rowe dagegen an, bei all den vielen jungen Influencern und Reality-Stars in Vergessenheit zu geraten.
Pierre Sanoussi-Bliss: Ins Dschungelcamp, weil Rollen ausblieben
Pierre Sanoussi-Bliss (63) ist einer der bekanntesten Schauspieler, die der Osten hervorgebracht hat – und einer, der seine Wurzeln nie versteckt hat. Geboren 1962 in Ost-Berlin, wuchs er in einem Umfeld auf, in dem Kunst und Kultur nicht unbedingt Türen öffneten, schon gar nicht für eine Person of Color.
Trotzdem ging Pierre seinen Weg: Er studierte an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, einer der wichtigsten Talentschmieden der DDR.

Nach der Wende baute sich Pierre Sanoussi-Bliss eine beeindruckende Karriere auf: 18 Jahre lang spielt er in der ZDF‑Serie „Der Alte“ die Rolle des Kommissars Axel Richter.
Ehrlich erzählte Sanoussi-Bliss, dass es für ihn als älteren Schwarzen Mann keine Rollen mehr gebe. Einer der Gründe, warum er 2025 ins Dschungelcamp ging und den Sieg nur knapp verpasste.
Melanie Müller: Der tiefe Fall nach dem Dschungelcamp
Melanie Müller (37) war 2014 auf dem Höhepunkt ihrer TV-Karriere und fiel in den Jahren danach tief. Sie wuchs in Oschatz, später in Grimma in der damaligen DDR auf. Dort absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau und Barkeeperin, bevor ihr das Türchen ins Showbusiness geöffnet wurde – inklusive einem Ausflug in die Porno-Branche unter dem Pseudonym Scarlet Young.






