Für viele Fernsehzuschauer gehören „Diese Drombuschs“ bis heute zu den größten Serien-Klassikern Deutschlands. Millionen verfolgten damals das Leben der Familie um Vera Drombusch. Auch Schauspielerin Marion Kracht (63) denkt noch gerne an die Dreharbeiten zurück. Doch bei aller Nostalgie wird sie deutlich: Die Fernsehlandschaft habe sich massiv verändert und nicht nur zum Besseren.
Marion Kracht schwärmt über „Diese Drombuschs“
Im Gespräch mit dem KURIER blickt Kracht auf die Zeit der Kultserie zurück. Vor allem sehnt sie sich nach dem Zusammenhalt am Set und den deutlich besseren Arbeitsbedingungen. Das Schönste an der Zeit waren „die ganze Familie, Witta natürlich und der Drehort und dass wir uns immer sehr aufeinander gefreut haben“.

Vor allem die Produktionsbedingungen von damals seien mit heutigen kaum noch vergleichbar. „Ich vermisse die Zeit, in der wir mehr Zeit zum Drehen hatten. Das Pensum war ein ganz anderes. Heutzutage muss es viel mehr Schnitte und viel mehr Einstellungen geben, und dafür bleibt deutlich weniger Zeit. Ich finde, das sieht man oft auch an der Qualität.“
Für Kracht liegt ein Teil des Problems in der heutigen Fernsehlandschaft. Während früher ARD und ZDF das Programm bestimmten, konkurrieren heute unzählige Sender, Streamingdienste und Formate um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

„Damals gab es nur ARD und ZDF, und man hat sich auf die eine Serie, die man liebte, gefreut. Heute wird man mit Programmen überschüttet, und vieles ist dadurch oft sehr austauschbar“, sagt die Schauspielerin.
Besonders kritisch sieht sie die zunehmende Orientierung an vermeintlichen Erfolgsrezepten. „Heute heißt es oft, es müsse nach Schema F funktionieren. So und so müsse etwas strukturiert sein, damit es beim Publikum ankommt. Ich glaube aber nicht, dass das immer von Vorteil ist. Das Individuelle ist das, was wirklich rüberkommt.“
Auch die immer kürzeren Drehzeiten bereiten ihr Sorgen. „Wir hatten damals 30 bis 35 Drehtage für 91 Minuten. Heute sind es 20 Tage. Das sagt eigentlich alles.“ Gleichzeitig zeigt Kracht Verständnis für die schwierige Situation vieler Produzenten. Die Kosten steigen, Budgets werden knapper.
Marion Kracht: Eine Frau mit 60 kann heute noch toll aussehen
„Für Produzenten ist es irrsinnig schwer geworden, überhaupt noch etwas Tolles zu machen.“ Besonders am Herzen liegt der Schauspielerin jedoch ein anderes Thema: das Frauenbild im deutschen Fernsehen. Kracht hat aktuell selbst Grund zur Freude. Sie spielt in Staffel 4 der Reihe „Neuer Wind im Alten Land“ mit. Trotzdem findet sie, dass Frauen jenseits der 60 noch immer viel zu selten im Mittelpunkt stehen.

„Es muss mehr tolle Frauengeschichten geben und mehr Filme mit Frauen in meinem Alter in den Hauptrollen.“ Dabei räumt die Schauspielerin mit einem Klischee auf, das ihrer Meinung nach längst überholt ist. Frauen über 60 sähen heute völlig anders aus als noch vor einigen Jahrzehnten.
„Eine Frau mit 60 muss heute nicht mehr so aussehen, wie man sich das damals vorgestellt hat. Sie kann Stil haben und trotzdem Oma sein. Das bedeutet nicht, dass man graue kurze Haare haben oder unbeweglich sein muss.“



