Schlagersänger

DDR-Star Frank Schöbel schießt gegen Vorurteile aus dem Westen

Frank Schöbel provoziert mit einem kraftvollen Plädoyer für positive Erinnerungen an die DDR. Damit spricht er vielen Menschen in Ostdeutschland aus der Seele.

Author - Sebastian Krause
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Frank Schöbel hat mit Äußerungen über den Westen für Aufsehen gesorgt und erhält damit viel Lob und Zustimmung.
Frank Schöbel hat mit Äußerungen über den Westen für Aufsehen gesorgt und erhält damit viel Lob und Zustimmung.imago/Matthias Wehnert

Die Worte haben es in sich: „Seit dem Mauerfall muss ich – müssen wir – mit diesen dummen Vorurteilen leben. Wir haben auch gelebt und lassen uns unsere positiven Erinnerungen von keinem nehmen.“

Schöbel holt gegen den Westen und die Medien aus

Mit seinen Worten in der Berliner Zeitung hat DDR-Schlagerstar Frank Schöbel zum Rundumschlag gegen Medien und den Westen ausgeholt – und zugleich vielen Menschen aus dem Osten aus der Seele gesprochen. Seine Sätze wirkten wie eine Abrechnung – gegen Vorurteile, gegen Verdrängen, gegen Vergessen. Frank Schöbel sagte das, was viele denken.

Viel Zustimmung für die Worte von Frank Schöbel

Die Reaktionen auf seine Sätze fallen entsprechend aus. Von Erleichterung bis Dankbarkeit und Ermutigung zur Nachahmung ist alles dabei. „Ja, ich stimme Frank Schöbel voll zu. Der Osten sollte nicht nur durch die ‚Westbrille‘ gesehen werden. Nur ehemalige DDR-Bürger wissen es genau, sicher auch mit subjektiven Erinnerungen, wie es damals war“, schreibt eine Leserin an den Berliner KURIER.

Ich bin entsetzt, wie manche Wichtigtuer sich ein Urteil über etwas erlaubt, wovon er keine Ahnung hat.

KURIER-Leserin

„Es gibt vielmehr positive Erinnerungen wie Zusammenhalt, Solidarität, soziale Sicherheit, Arbeit für alle, Bescheidenheit und Wertschätzung“, zählt die Leserin positive Beispiele an der DDR auf. Davon scheint heute aber nicht mehr viel übrig geblieben zu sein. Ihr Urteil: „Ich bin entsetzt, wie manche Wichtigtuer sich ein Urteil über etwas erlaubt, wovon er keine Ahnung hat.“

Vorwurf von Ostalgie ist falsch

Ähnlich sieht es eine andere KURIER-Leserin. „Besonders sein Satz ‚Wir lassen uns unsere positiven Erinnerungen nicht nehmen‘ trifft die Realität vieler Menschen sehr genau“, schreibt sie. Sie hält es auch für falsch, die Revue „Mokka‑Hits und Milchbar‑Träume“ unter Ostalgie-Verdacht zu stellen. Zugleich wirft sie die Frage auf, wer denn damals in den Revuen, Konzerten und Shows saß.

Frank Schöbel sang den Hit „Get down“ in der DDR.
Frank Schöbel sang den Hit „Get down“ in der DDR.picture alliance / dpa/Hendrik Schmidt

Ihre Antwort: „Es waren die Menschen, die in der DDR lebten – Familien, Jugendliche, Arbeiter, Künstler. Ganz normale Bürger, die Musik hören, tanzen und Kultur erleben wollten“, schreibt sie. Das sei die Realität, keine Verklärung. „Ich selbst habe damals auf Frank Schöbels Musik getanzt – das gehört zu meinem Leben.“

Viele Musiker und Künstler litten in der DDR

Gleichzeitig dürfe man nicht vergessen, so die KURIER-Leserin, dass die Musiker unter der DDR-Kulturpolitik und der Stasi gelitten hätten. Beispiele dafür seien Wolf Biermann, Tamara Danz, Nina Hagen oder Dirk Zöllner. „Und gerade deshalb ist es falsch, wenn heute jede Darstellung von DDR‑Alltag sofort unter Ostalgie‑Verdacht gestellt wird. Man kann die politischen Fehler klar benennen – aber man darf den Menschen nicht verbieten, sich an die schönen Momente ihres Lebens zu erinnern“, so die Leserin mit einem klaren Appell.

Ein anderer Leser blickt mit sehr persönlichen Erfahrungen auf das Thema. Wie er in seinem Leserbrief schildert, sei er vor Jahren Elternsprecher auf einem Pankower Gymnasium gewesen. Dann sei es zu einem Gespräch mit einer Lehrerin gekommen, in dem sie „von ihrer Ausbildung im Osten und den guten Erfahrungen“ schwärmt.

Direktor eines Gymnasiums unterbricht Gespräch

Das Wissen von damals würde die Lehrerin noch heute anwenden, erzählt der Leser. Dann endet der Austausch abrupt: „Unser Gespräch wurde vom Direktor des Gymnasiums mit der Bemerkung unterbrochen: Es gibt nichts Gutes im Bösen“, teilt der Leser mit.

Trotz seiner deutlichen Worte will Schöbel im Interview mit der Berliner Zeitung seine Sätze nicht als politische Kampfansage verstanden wissen. Eher als Erinnerungen an gelebten Alltag. „Das waren und sind unsere positiven Erinnerungen. Aber manche im Westen erheben sich über uns und keifen wie ein altes Waschweib, scheinbar, weil sie eifersüchtig auf unsere Vergangenheit sind? Wer immer nur das Schlechte aufzählt, erreicht genau das Gegenteil“, sagt er. „Genauso ist es“, pflichtet ihm ein Leser bei.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com