Reality-Shows sind am Ende

TV-Ikonen ziehen über Reality-Stars her: „Wir Alten wollen doch nicht mit denen in Formaten sitzen“

Prinz Frédéric von Anhalt und Julian F.M. Stoeckel teilen gegen heutige Reality-Stars aus. Warum sie den TV-Markt am Abgrund sehen.

Author - Mariella Mandurino
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Julian F.M. Stoeckel (l.) und Prinz Frédéric von Anhalt rechnen mit ihren Reality-Kollegen ab.
Julian F.M. Stoeckel (l.) und Prinz Frédéric von Anhalt rechnen mit ihren Reality-Kollegen ab.Imago

Ihre scharfen Zungen rechnen jetzt mit dem Nachwuchs ab. Seit Jahrzehnten sind Prinz Frédéric von Anhalt (82) und Julian F.M. Stoeckel (39) im TV-Geschäft aktiv. Die „neuen“ Reality-Stars haben es den beiden Fernseh-Ikonen aber überhaupt nicht angetan.

Frédéric von Anhalt rechnet mit Reality-Stars ab

Reality-Wer? Fragt sich Prinz Frédéric von Anhalt nach jeder seiner TV-Shows. Der Ehemann der verstorbenen Schauspielerin Zsa Zsa Gabor (†99) nimmt noch im hohen Alter an so mancher Fernsehsendung teil.

Aktuell ist er bei „Kampf der RealityAllstars“ zu sehen. Herrscht denn auch privat Kontakt zu dem ein oder anderen Kontrahenten? „Doch nicht aus den Reality-Shows. Die Namen kann ich mir alle nicht merken. Das eine oder andere Gesicht merke ich mir. Ich weiß nicht, wer bei euch ein Star ist und wer nicht. Im Grunde genommen sehen sich alle als Stars“, wettert von Anhalt im Gespräch mit dem Berliner KURIER.

Der Geschäftsmann findet keinen der Reality-Sternchen wirklich „real“. Er wütet: „Das Wort kommt von richtig und sich so zu zeigen, wie man im Leben ist. Nur die Leute zeigen sich ja nicht, wie sie im Leben sind. Die versuchen zu schauspielern, weil sie glauben, irgendein Regisseur sitzt auf der anderen Seite und schaut zu und sagt: ‚Das ist er, den will ich im nächsten Film haben!‘ Ich bin total dagegen.“

Gemeinsam mit (v.l.) Narumol (60), Georgina Fleur (36) und Sandy Fähse (41) war Frédéric von Anhalt bei „Kampf der RealityAllstars“.
Gemeinsam mit (v.l.) Narumol (60), Georgina Fleur (36) und Sandy Fähse (41) war Frédéric von Anhalt bei „Kampf der RealityAllstars“.RTLZWEI, Banijay Productions Germany

In der Allstars-Staffel von „Kampf der Realitystars“ hat Frédéric von Anhalt hingeschmissen. Immer wieder kam es zu Ärger mit den anderen Kandidaten. „Deshalb kriege ich so Stress mit den Leuten. Macht doch irgendwas, wo wir den Zuschauer unterhalten, wo der Zuschauer entweder lacht, schimpft oder weint. Sowas müssen wir bringen. Aber der Rest ist ja uninteressant.“

Apropos Unterhaltung. Dazu gibt Entertainer Julian F.M. Stoeckel auch seinen Senf. Er zum KURIER: „Früher hieß es nicht Reality. Wir haben Boulevard gemacht, also Formate, die leichte Unterhaltung waren. Es war nicht Goethe und Schiller oder das Traumschiff, sondern es war Boulevard, der leicht und lustig war.“

Julian F.M. Stoeckel nahm schon an Formaten wie das Dschungelcamp oder „Couple Challenge“ teil.
Julian F.M. Stoeckel nahm schon an Formaten wie das Dschungelcamp oder „Couple Challenge“ teil.Marja/Imago

Weiter sagt der Moderator: „Es waren Sänger, Schauspieler, Entertainer, It-Girls. Jetzt kommen wir ja in so eine Zeit, in der man ja das Gefühl hat, es gibt nur noch Berufs-Reality. Also Menschen, die absolut keiner Kunst nachgehen und auch kein Talent besitzen. Ich habe eine Haltung zu Themen. Und heute hat man das Gefühl, diese ganzen Berufs-Reality-Stars haben gar keine Haltung, weil sie nur wegen ihrer bloßen Existenz da sind.“

„Wir Alten wollen doch nicht mit denen in Formaten sitzen“

Stoeckel ist sich sicher: Der Markt ist dem Untergang geweiht. „Wir, die Alten, wollen doch nicht mit denen zusammen in Formaten sitzen“, schimpft der Entertainer. Früher haben Stars Formate wie das Dschungelcamp abgelehnt und auf eine zweite Anfrage gewartet. „Heute bewerben die sich ja. Für die ist ja das größte Ziel, in den Dschungel zu fahren.“

Julian F.M. Stoeckel nahm 2014 selbst am Dschungelcamp teil. Die meisten Formate sagt der Entertainer ab, weil er keine Lust darauf habe. „Wenn ich jetzt Geldprobleme hätte, dann würde ich es mir überlegen, aber im Moment habe ich zum Glück keine“, plaudert er aus.

Vor allem auf ein Format hätte Stoeckel besonders Lust: „Die Verräter“. Stoeckel: „Wenn ich zu Kampf der Realitystars gehe, geht es da um nichts.“ Aber beim RTL-Format „Die Verräter“ könnte der Moderator sein Schauspieltalent unter Beweis stellen. „Ich will gefordert werden.“

Haben Sie dieselbe Meinung wie die beiden TV-Ikonen? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com