An wen denken Sie, wenn Sie an Clowns aus der DDR denken? Während die einen bissig in Richtung Politbüro schielen, gibt es für viele nur einen einzig wahren Spaßmacher: Clown Ferdinand! Der TV-Star mit den roten Haaren und dem geschminkten Gesicht ist eine Legende der DDR, die noch heute schmerzlich vermisst wird. Er war nicht nur im Fernsehen ein Star, sondern stand auch auf der Bühne im Berliner Friedrichstadt-Palast. Doch obwohl Clown Ferdinand so berühmt war, gibt es Dinge, die viele seiner Fans nicht wissen. Wussten Sie etwa, dass Schauspieler Jiří Vršťala, der im Kostüm steckte, auch eine dunkle Seite hatte – und warum der Westen Clown Ferdinand klaute?
Legende der DDR: Viele wollen Clown Ferdinand zurück
Noch heute erinnern sich viele mit Freude an Clown Ferdinand und seine Auftritte im Fernsehen der DDR. „Clown Ferdinand sollte mal wieder im Fernsehen gezeigt werden“, schreibt etwa eine Nutzerin unter einem Video des Clowns auf YouTube.
„Ich würde ihn so gern noch einmal anschauen – er war der beliebteste Clown zu DDR-Zeiten.“ Ein anderer Nutzer schreibt: „Ist lange her, aber immer noch besser als das sogenannte Kinderfernsehen von heute.“ Und einer kritisiert, dass solche schönen Sendungen heute in den Archiven des MDR vergammeln.
Clown Ferdinand ist und bleibt eben auch Jahrzehnte nach der Wende eine echte DDR-Legende – und eine der schönsten Erfindungen des Kinderfernsehens. Denn was viele nicht wissen: Obwohl unter roten Haaren und Schminke der tschechische Schauspieler Jiří Vršťala steckte, ist der Clown eine Erfindung für die DDR gewesen.
Schon 1956 wurde die Figur des Clowns für das DDR-Fernsehen geschaffen, die Umsetzung war eine Kooperation von Tschechien und DDR. Erst wurde eine fünfteilige Serie produziert, dann entstand mit „Clown Ferdinand geht durch die Stadt“ ein erster Spielfilm und später viele weitere Filme, in denen der Clown die Hauptrolle spielte.

In etlichen Produktionen stand Clown Ferdinand zu DDR-Zeiten vor der Kamera – in streifen wie „Clown Ferdinand fährt ans Meer“, „Clown Ferdinand räumt auf“ und „Clown Ferdinand und der Koffer“ erinnern sich viele Zuschauer von damals noch heute genau.
1973 und 1974 erschien im Fernsehen der DDR dann noch einmal eine 13-teilige Reihe mit neuen Geschichten um Clown Ferdinand. Und: Auch im Friedrichstadt-Palast stand der Spaßmacher auf der Bühne, bestritt hier mehrere Revuen, unter anderem an der Seite von „Zauberpeter“ Dr. Peter Kersten.
Clown Ferdinand machte Jiří Vršťala berühmt
Die Figur des Clown Ferdinand machte Jiří Vršťala berühmt. Schon kurze Zeit nach Beginn seiner Laufbahn als Clown siedelte der Schauspieler in die DDR über, zog nach Ost-Berlin. Der Grund: Bei Dreharbeiten für den Film „Schatten über Notre Dame“ hatte er Schauspiel-Star Angelica Domröse kennengelernt. Sie verliebten sich, heirateten 1966. „Jiří war ein wunderbarer Mensch. Ich war 24, er 45, als wir uns kennenlernten, und ich hatte in seiner Nähe das Gefühl von Wärme“, sagte sie in einem Interview mit der Zeitschrift SUPERillu.
Allerdings erschütterte ein anderes Geheimnis die Liebe der beiden: Jiří Vršťala griff zum Alkohol. Das habe ihn so verändert, dass das gemeinsame Leben unerträglich wurde, schilderte Domröse. „Alles, was zwischen zwei Menschen schön, einmalig war, wird täglich kleiner und scheint irgendwann nicht mehr wahr“, sagte sie dem Blatt. Sie habe ihm nicht helfen können. „Ich habe damals nicht einmal verstanden, dass das eine Krankheit ist.“
DDR-Star Clown Ferdinand lebte zuletzt in Pankow
Die Beziehung zerbrach, Angelica Domröse trennte sich. „Ich musste mich entscheiden, für die eigene Arbeit - oder dazu, Jiris Krankenschwester zu werden.“ 1975 trennten sich die DDR-Stars. Ein paar Jahre später, im Jahr 1983, hängte Jiří Vršťala das Clownkostüm an den Nagel und beendete seine schauspielerische Karriere.
Laut einem Bericht soll er die letzten Jahre seines Ruhestands in Pankow gelebt haben. Die „Berliner Zeitung“ (erscheint, wie der KURIER, im Berliner Verlag) schrieb, er habe zuletzt Jeans getragen und seine schmale Rente hauptsächlich in Briefmarken und Telefongebühren gesteckt. Im Jahr 1999 starb er an Krebs.

In den Herzen vieler Menschen, die mit Clown Ferdinand aufwuchsen, bleibt der Schauspieler eine echte DDR-Legende. Die Produktionen, in denen der Clown auftrat, waren übrigens so populär, dass sie sogar vom Westen übernommen wurden.
Der Grund: Die BRD interessierte sich für Produktionen aus der DDR, weil sie selbst kein so schönes Kinderfernsehen hatte. Das geht aus einer Analyse der Bundeszentrale für Politische Bildung hervor. „Dort wurden gerade Unterhaltungsfilme für Kinder gesucht, die zwar mit pädagogischem Anspruch, aber ohne moralischen Zeigefinger auskamen.“ Das fand man damals bei Clown Ferdinand.
Warum der Westen scharf auf Clown Ferdinand war
In Westdeutschland seien solche Sendungen zu dieser Zeit jedoch nicht hergestellt worden, „weshalb man ausländische Produktionen einkaufte und die Zusammenarbeit mit der tschechoslowakischen Filmproduktion vorantrieb“, heißt es weiter. Der Film „Clown Ferdinand und die Rakete“ von 1964 hatte auch im Westen riesigen Erfolg – und sorgte dafür, dass der Spaßmacher aus der DDR auch im Westen stattfinden konnte.


