Schauspielerin Gerit Kling schreibt im Berliner KURIER ihre neue Kolumne „Gerits Welt“ und gibt sehr persönliche Einblicke in ihre DDR- und die heutige Zeit. Im Interview verrät sie: Es geht um Liebe, Neuanfänge und den Mann an ihrer Seite. Wie sie ihren Ehemann Wolfram kennenlernte, warum es nicht sofort funkte und wieso es am Ende doch der ganz große Blitz war.
„Gerits Welt“ ab jetzt im Berliner KURIER
Gleichzeitig spricht Gerit Kling offen über das Älterwerden in der Schauspielbranche, fragwürdige Besetzungen und darüber, warum Frauen über 50 längst nicht zum alten Eisen gehören. Ein Gespräch über ein Leben, das immer wieder neu beginnt. Ihre Kolumne „Gerits Welt“ gibt es jeden zweiten Donnerstag im Berliner KURIER zu lesen.
Frau Kling, Sie sind seit 14 Jahren mit Ihrem Ehemann Wolfram zusammen. Wie haben Sie sich kennengelernt?
Ich habe Wolfi kennengelernt, weil er mir einen Dienst erwiesen hat. Er kannte mich gar nicht. Ich hatte mir ein kleines Boot gekauft und war gerade frisch getrennt, nach zwölf Jahren Ehe. Und dieses Boot musste angemeldet werden und zu Wasser gelassen werden. Zu der Zeit war ich am Drehen und konnte das selbst nicht machen. Ein Freund sagte mir: „Das können wir vielleicht hier machen, bei Wolfram Becker. Der hat ein Wassergrundstück.“ Ich bin hergekommen, um mich bei ihm zu bedanken und nie wieder weggegangen.
Hat die Chemie gleich von Anfang an gestimmt?
Sie hat relativ schnell gestimmt, aber ich habe damals nicht vermutet, dass er mein Mann wird. Ich mochte ihn, er war lustig, aber ich war gerade frisch getrennt. Ich hatte eigentlich die Schnauze voll und wollte erst mal ein bisschen Abstand von allem. Doch dann hat er mich überzeugt. Mit seinem Charme, seiner Liebenswürdigkeit, seiner wahnsinnigen Unkompliziertheit und einfach mit seinem tollen Humor. Irgendwann hatte wirklich der Blitz eingeschlagen.

Wie hat das Leben als Familie funktioniert? Sie haben beide Kinder mit in die Beziehung gebracht.
Wolfi war, glaube ich, sehr verliebt. Es hat so zwei, drei Monate gedauert und dann war relativ schnell klar, dass wir ein Paar sind. Das fühlte sich sehr gut an, auch heute noch, nach 14 Jahren. Erst haben wir das ganze Haus umgebaut und es zu unserem Haus gemacht. Wir haben unsere Kinder zusammengebracht. Die erste Zeit haben die beiden Jungs noch bei uns gewohnt. Wolfis Tochter war schon ausgezogen. Wir wurden zu einer Patchwork-Family und es fühlte sich alles so richtig an. Vergangenes Jahr haben wir sogar alle Konten zusammengefügt und gesagt, es gibt nur unser Geld. Das bringt so viel Nähe.
Hätten Sie sich vorstellen können, mit Wolfi ein Kind zu bekommen?
Ich war 49 Jahre alt, als wir uns trafen. Da dachte ich, es ist jetzt schon ein bisschen spät. Wir hatten kurz darüber nachgedacht, aber dadurch, dass wir drei wundervolle Kinder zusammen haben und die wir auch von Herzen lieben, ist es eigentlich egal, ob die Kinder von dir selbst sind oder ob sie einfach deine Kinder in der Patchwork-Family sind.
Gerit Kling kritisiert: „Frauen werden ab einem gewissen Alter ausradiert“
Unsere drei Kinder beanspruchen uns auch immer noch, obwohl sie jetzt schon erwachsen sind. Wir freuen uns auf die Enkelkinder. Wir haben jetzt die Schwiegerkinder noch dazubekommen, wir sind eigentlich erfüllt. Es hat nicht gefehlt, dass wir keine eigenen bekommen haben. Hätten wir uns früher getroffen im Leben, hätten wir wahrscheinlich einen ganzen Stall bekommen.

Für Frauen über 50 sagt man, es sei in der Schauspielbranche schwer. Wie bewerten Sie das?
Ich finde, das ist eine Unverschämtheit. Ich werde da auch noch in meiner Kolumne „Gerits Welt“ draufkommen. Ich erlebe das Aussortiertwerden am eigenen Leib, das Nicht-mehr-Stattfinden in der Branche, weniger gute Rollen angeboten zu bekommen. Ich habe lange Zeit darunter gelitten. Aber, und da muss ich wieder sagen, hilft mir auch meine DDR-Vergangenheit. Da heißt es: Wieder schütteln, Krone richten, weiter geht’s, neu erfinden. Und nichts anderes tue ich.
Ich finde das so schade. Frauen werden ab einem gewissen Alter ausradiert und dann heißt es: „Nee, wir wollen lieber eine Jüngere.“ Bullshit, weil gerade bei Frauen in einem gewissen Alter Power und Energie da ist. Wir haben doch die Lebenserfahrung, die wir jetzt den Jüngeren mit auf den Weg geben können. Warum nimmt man uns diese Rollen weg?
Welche Rollen werden Ihnen angeboten? Könnten Sie sich auch vorstellen, eine Oma zu spielen?
Im Moment weiß der Markt nicht so richtig, wohin mit mir. Ich spiele die 120. Arzt-Rolle, bin die Anwältin oder Richterin. Es sind eigentlich immer ähnliche Rollen, weil mich auch niemand als die Oma-Rolle besetzen will. Ich könnte mit 61 durchaus gut die Oma spielen von erwachsenen Kindern. Aber im Fernsehen ist es noch nicht angekommen, dass die Oma heutzutage nicht mehr graue Haare, einen Dutt und Brille hat und angepummelt in ihrem Schaukelstuhl mit hässlichen Klamotten sitzt.
Die Oma von heute kann auch schick sein
In den Köpfen muss sich ändern, dass die Oma von heute schick ist. Dass sie fancy Klamotten trägt, vielleicht gefärbte Haare hat. Dass sie lässig aussieht, coole Klamotten anhat und einfach nicht mehr die typische Oma ist. Aber es heißt: „Ne, wir können dich nicht besetzen, du siehst nicht aus wie eine Oma.“ Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Schauspielkolleginnen meines Alters gar nicht mehr da sind. Also ich möchte auch andere Rollen spielen.




