Der „Tatort“-Star Jan Josef Liefers (61) ist bekannt für klare Worte, und damit spart er auch dieses Mal nicht. Der TV-Rechtsmediziner zieht eine kritische Bilanz zur Lage in Deutschland. Seine Aussagen haben es in sich.
Deutschland verliert seine Unbefangenheit – Liefers weiß, warum
Wer dieser Tage für die WM die Deutschlandfahne raushängt, muss sich fast schon erklären. Was früher selbstverständlich war, ist heute politisch aufgeladen. Liefers hat dafür eine polarisierende Erklärung.
„Ich glaube nicht, dass die Deutschen ein Problem haben mit ihrer Fahne. Ich glaube, dass die, die ein Problem mit deutschen Symbolen haben, stärker und lauter geworden sind“, sagt er im Bild-Interview. Und weiter: „Es ist ihnen gelungen, diese Idee, das sei alles nationalistischer Quatsch und eklig auf eine Art – dass sie massiver Raum gewonnen haben.“

Er beobachte seit Jahren, wie eine zunehmend fordernde Debattenkultur die Stimmung im Land kippe. Bewegungen wie Black Lives Matter oder Fridays for Future hätten seiner Meinung nach mit Lautstärke und erhobenem Zeigefinger das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten.
„Dieses Krawallige, Laute und Fordernde war nicht so eine gute Idee. Und das hat viele Leute aufgebracht“, sagt Liefers. Auch die Geschwindigkeit, mit der neue gesellschaftliche Normen durchgesetzt werden sollten, habe viele überfordert – vom Gendern bis zu immer neuen Debatten über Geschlechteridentitäten: „Keiner meiner schwulen Freunde kann das. Und alle sind ein bisschen überfordert.“
Liefers über die AfD: „Es kratzt an der Menschenwürde“
Hält Liefers die AfD für gefährlich? Der TV-Star sagt ganz klar: „Was meinen Lebensentwurf angeht oder meine Vorstellung von gutem Leben: Ja.“ Seine Begründung ist präzise: „Weil es an der Menschenwürde kratzt, weil es am Recht auch schräger Vögel, komischer Typen und Typinnen kratzt. Weil es eine Reinheitsidee darin gibt, von der ich noch nicht weiß, wie groß die wird.“
Gleichzeitig warnt der Schauspieler davor, die Demokratie für zerbrechlicher zu halten, als sie ist: „Ist sie ein fragiles, altes Mütterchen, dem man überall unter die Arme greifen muss, die kaum noch alleine stehen kann, auf den Stock gestützt? Und fällt sie in sich zusammen, wenn jemand den Stock versucht wegzukicken? Oder ist die Demokratie ein dynamischer Mensch im besten Alter, mit physischer Kraft und mit Überzeugungskraft?“

Staatliche Meldeportale für vermeintlich antidemokratische Aussagen machen ihn wütend: „Ministerien richten Meldeportale ein, wo du sagst: Da hat einer was Antidemokratisches gesagt, den melde ich mal. Wo sind wir gelandet? Das ist nicht in Ordnung.“ Für sich selbst hat Liefers längst eine klare Rolle gefunden: „Als Künstler sehe ich mich sowieso immer in einer Opposition. Ich sehe mich nie im Konsens und nie in Gefolgschaft.“
Die „Tatort“-Partei: Der Witz, der keiner ist
Liefers hat eindeutig starke Meinungen. Auf die Frage, ob er schon einmal eine Karriere in der Politik in Erwägung gezogen hat, sagt er: „Ich habe schon überlegt, wann ich eine Tatort-Partei gründen soll.“
Wohl ein Scherz. Was er damit meint: „Fußballspiele und ‚Tatort‘ – das sind die letzten Sachen, wo sich Leute vorm Fernseher versammeln, aus allen Parteien, aus allen Wählerkreisen, aus allen sozialen Schichten.“
Was er sich abschließend für Deutschland wünschen würde: „Es geht mir immer um dieselbe Sache: diese Räume offen zu lassen. Es ist doch nicht damit getan, wenn alle vor Angst die Schnauze halten.“


