Zu Lebzeiten hat ihn ganz Deutschland geliebt. Götz George, der als Tatort-Kommissar Horst Schimanski einst die Herzen der Menschen im Sturm eroberte. Zehn Jahre nach seinem Tod ist von dieser großen Liebe nichts mehr zu spüren. Keine Straße, kein Platz trägt Georges Namen in Berlin. Nicht eine Ehrung ist zu „Schimmis“ Todestag vorgesehen. Drehbuchautor, Schauspieler und George-Freund Krystian Martinek (78) ärgert sich im KURIER-Gespräch mächtig darüber.
Autor Krystian Martinek schrieb Serie mit Götz George
„Zehn Jahre ist es schon her, als Götz George starb.“ Martinek sagt es betont und sehr nachdenklich zum Anfang des Gesprächs mit dem KURIER. Manchmal ist es für ihn, als wäre es erst gestern gewesen, als er zusammen mit Götz George die ZDF-Serie „Schulz und Schulz“ drehte.
Martinek ist einer der Drehbuchautoren der Reihe „Schulz und Schulz“, die von 1989 bis 1993 im ZDF lief – mit Götz George in einer Doppelrolle. Die Serie erzählt die Geschichte von zwei Zwillingsbrüdern, die direkt nach ihrer Geburt getrennt wurden.
Einer wächst in der DDR auf, während der andere in der Bundesrepublik lebt. Kurz vor dem Mauerfall begegnen sie sich zufällig wieder. Daraufhin tauschen sie ihre Rollen und erleben viele schwierige, aber auch lustige Situationen.
„Als ich an der Serie schrieb, wusste keiner, dass Götz George diese Rolle übernehmen würde“, sagt Martinek. Der Star war damals mächtig als Schimmi für den ARD-Tatort im Einsatz.
„Umso überraschter waren wir, als Götz George das Drehbuch las und sofort zusagte“, sagt Martinek. „Er wollte unbedingt die Herausforderung dieser Doppelrolle annehmen und sie ist ihm am Ende auch gelungen. Dass Götz George die Hauptrolle übernahm, war schon der Ritterschlag für die Serie.“

Dazu kam natürlich die Einmaligkeit der Story, die auf satirische Weise die Probleme mit dem Zusammenwachsen von Ost und West zu einem Deutschland zeigte. „Das gefiel Götz George so gut, dass er sich sogar beim Drehbuchschreiben mit einbrachte, als es um das Ausfeilen der Charaktere der Zwillingsbrüder ging.“
Götz George: „Das Raubein gab er nur im Fernsehen“
Es war ein kollegiales Einmischen, kein Gegeneinander. „Ich habe Götz George als sehr netten, sympathischen Menschen in Erinnerung. Es hat Spaß gemacht, mit ihm zusammenzuarbeiten“, sagt Martinek. „Das Raubein gab er im Fernsehen oder auf der Kinoleinwand.“
Und die Menschen in Deutschland liebten ihren Schimmi. Auch in der Zwillingsrolle hatte George in der Serie „Schulz und Schulz“ Millionen von Zuschauern auf seiner Seite. Für Martinek ist George ein Ausnahmeschauspieler. „Ich finde es sehr schade, dass man an seinem 10. Todestag nicht an ihn erinnert.“

Keine Straße, keinen Platz wird es für Götz George geben. Und er findet auch nicht im Fernsehen statt. Vor allem bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht, die eigentlich Götz George viel zu verdanken haben. Allein die ständig hohen Einschaltquoten mit den Schimmi-Krimis, die der „Tatort“-Reihe der ARD zum Kultstatus verhalfen.

Die ARD bemüht sich wenigstens noch mit Schimanski-Krimis im Hauptprogramm und in den Dritten. Es werden auch der Zweiteiler „Alpenglühen“ und Filme wie „Besondere Schwere der Schuld“ gezeigt, um Götz George zu ehren. Allerdings machen nicht alle ARD-Anstalten mit, wie der RBB, der nicht einmal eine Doku über den Berliner Schauspieler im Programm hat.
10. Todestag: RBB und ZDF zeigen keine Filme mit Götz George
Das ZDF zeigt ebenfalls keine einzige Produktion mit Götz George im normalen Programm. Die öffentlich-rechtliche Anstalt, die oft gerne ihre Eigenproduktionen wiederholt, holt noch nicht einmal die Erfolgsserie „Schulz und Schulz“ aus ihrem Archiv.
„Ich hatte oft schon beim ZDF nachgefragt, warum man diese Serie nicht wieder ins Programm nimmt“, sagt Martinek. „Mir geht es dabei nicht ums Geld. Ich habe dem Sender sogar angeboten, auf sämtliche Rechte zu verzichten, damit sie diese Serie wieder zeigen. Schließlich gibt es genug ältere Zuschauer, die auch ihre Stars und Serien im Fernsehen sehen wollen.“
„Alle haben sich mit Götz George gerühmt“
Warum sich die öffentlichen Anstalten so stur verhalten und auf solche Zuschauerwünsche nicht reagieren? Martinek vermutet: „Bei den Sendern sitzen viele junge Redakteure, die diese Stars nicht kennen. Darum findet dann noch nicht einmal eine Erfolgsserie wie ,Schulz und Schulz‘ mit Götz George nicht beim ZDF statt.“




