Claudia Löffler hat eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Brücken in Ostdeutschland sind weniger sanierungsbedürftig als in vielen westdeutschen Regionen. Die schlechte: Auch in Ostdeutschland wird der Sanierungsbedarf bei älteren Brücken immer größer.
Brücken sind für den heutigen Verkehr nicht geplant
Die Pressesprecherin des ADAC Berlin-Brandenburg macht dafür vor allem den zunehmenden Verkehr verantwortlich. „Heute sind nicht mehr nur mehr Fahrzeuge unterwegs, auch der Güterverkehr hat stark zugenommen und trägt vielerorts zu einer zusätzlichen Belastung bei“, sagt sie dem Berliner KURIER.
Erhalt von Brücken wird seit Jahren vernachlässigt
Nach dem Mauerfall sei im Osten die Verkehrsinfrastruktur zwar modernisiert und ausgebaut worden. In den vergangenen Jahren habe es aber eine Infrastrukturpolitik gegeben, „bei der Erhalt und Modernisierung über viele Jahre nicht ausreichend priorisiert wurden“, kritisiert Löffler. „Wir erleben derzeit keine plötzliche Krise.“

Dass der Zerfall von Brücken nicht nur im Westen, sondern auch im Osten zunimmt, zeigt sich vielerorts. In Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise befinden sich die meisten Brücken zwar in einem guten beziehungsweise befriedigenden Zustand.
Zahlreiche Arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern
Aber: Aktuell gibt es fünf Brücken, die bei Kontrollen die Noten 3,5 bis 4 erhalten haben. „Diese Teilbauwerke sind alle an Landesstraßen und befinden sich bereits im Bau oder in Planung“, sagt Michael Friedrich vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern dem KURIER.
Wir erleben derzeit keine plötzliche Krise.
Das Land wird in diesem Jahr zahlreiche Projekte zur Instandhaltung an Bundes- und Landesstraßen umsetzen. Zu den größeren Vorhaben zählen unter anderem der Ersatzneubau der Brücke über die Bahngleise in Waren (Müritz) an der B192, der Beginn der Arbeiten an der B104 in der Ortsdurchfahrt Neubrandenburg mit dem Ersatzneubau der Oberbachbrücke sowie der Beginn des Ersatzneubaus der Brücke in Langhagen an der L11.
Mecklenburg-Vorpommern hat relativ junge Brücken
Außerdem soll mit dem Neubau der Peenestrombrücke in Wolgast begonnen werden. „Dieses Vorhaben ist von besonderer Bedeutung für die künftige Entlastung der Stadt Wolgast und die Anbindung der Insel Usedom“, erklärt Friedrich. Zudem gibt es noch weitere kleinere und mittlere Projekte. Für dieses Jahr plant das Land mit Kosten von mehr als 18 Millionen Euro für Brücken auf Bundes- und Landesstraßen.
Verglichen mit anderen Bundesländern ist das ein relativ geringer Betrag. Grund dafür ist, dass der Brückenbestand in Mecklenburg-Vorpommern relativ jung ist. Ältere Bestände gibt es kaum. „Hier sind maximal die noch vorhandenen Spannbetonbrücken mit Hennigsdorfer Spannstahl zu nennen. Aber auch hier haben wir nur noch fünf monolithische Bauwerke unter Verkehr“, sagt Pressesprecher Friedrich.
Top-Quoten bei den Brücken in Sachsen
Noch besser sieht es in Sachsen aus. Dort seien „knapp über 90 Prozent der sächsischen Bundes- und Staatsstraßenbrücken in einem sehr guten bis ausreichenden Zustand“, heißt es aus dem Sächsischen Staatsministerium für Infrastruktur und Landesentwicklung.

Gebaut wird trotzdem – und das fast im gesamten Land. Allein für dieses Jahr sind größere Bauvorhaben in den Landkreisen Nordsachsen, Leipzig, Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen, Görlitz, Mittelsachsen, Erzgebirgskreis, Zwickau und Vogtlandkreis geplant. Damit fallen nur der Landkreis Mittelsachsen und die kreisfreien Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz raus.
Strategie von 2017 zahlt sich in Sachsen aus
Nach Ministeriumsangaben wurden in den vergangenen fünf Jahren für den Erhalt von vor allem Brücken im Bereich der Bundesstraßen durchschnittlich 10,4 Millionen Euro pro Jahr und im Bereich der Staatsstraßen durchschnittlich 14,3 Millionen Euro pro Jahr investiert.
Die meiste Zeit wird aktuell für die Berücksichtigung der Umweltbelange und des in der Regel daraus erforderlichen Planfeststellungsverfahrens benötigt.
Grundlage dafür ist die sogenannte Ausbau- und Erhaltungsstrategie Staatsstraßen 2030 (AES 2030), die der Freistaat im Dezember 2017 gegründet hatte, um seine Brücken zu erhalten.
Prozesse dauern noch immer viel zu lange
Trotz Erfolgen zeigt sich auch in Sachsen, dass viele Dinge noch verbessert werden müssen, um dauerhaft gute Infrastruktur zu haben. Besonders Bürokratie ist vielen Machern weiter ein Dorn im Auge. „Eine wesentliche Beschleunigung für die Umsetzung von Bauvorhaben wird in der Verkürzung von Genehmigungsverfahren, insbesondere durch den Verzicht auf zeitaufwendige Planfeststellungsverfahren für Unterhaltungsmaßnahmen, gesehen“, so das Infrastrukturministerium.
Außerdem könne die Digitalisierung Planungs- und Bauprozesse beschleunigen. Standardlösungen könnten einfache und wiederkehrende Projekte vereinfachen. „Die meiste Zeit wird aktuell für die Berücksichtigung der Umweltbelange und des in der Regel daraus erforderlichen Planfeststellungsverfahrens benötigt“, erklärt Friedrich aus der Rostocker Behörde.
Finanzierung von Bauprojekten sehr wichtig
Für Claudia Löffler vom ADAC Berlin-Brandenburg seien auch eine verlässliche Finanzierung sowie ausreichende personelle und fachliche Kapazitäten entscheidend, um besser und schneller bauen zu können.
„Gerade bei Infrastrukturprojekten führen komplexe Verfahren und die Beteiligung vieler Akteure häufig zu langen Abstimmungs- und Entscheidungsprozessen. Deshalb sollten Prozesse vereinfacht und Entscheidungen beschleunigt werden“, sagt sie.
Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie es geht
Wichtig sei zudem, „dass notwendige Sanierungen und Ersatzneubauten schneller in die Umsetzung kommen“. Nur so lassen sich Sanierungsstaus abbauen und Infrastruktur langfristig halten. So wie in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen.






