Der Countdown läuft für die Schönhauser-Allee-Brücke. Schon ab Oktober 2026 beginnt in Prenzlauer Berg eines der heikelsten Infrastrukturprojekte der kommenden Jahre: Der Abriss der maroden Schönhauser-Allee-Brücke.
Stau und Ersatzverkehr auf Jahre
Das bestätigte die Senatsverkehrsverwaltung in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Abgeordneten Linda Vierecke. Der Tagesspiegel hatte zuerst berichtet.
Was jetzt schon klar ist: Berlin stehen mit den tiefgreifenden Bauarbeiten jahrelange Einschränkungen bevor, die besonders Pendlerinnen und Pendler hart treffen werden. Die Schönhauser Allee ist eine der Lebensadern der Stadt nach Norden hinaus. Unten fahren Autos, Radler und die Tram. Eine Etage drüber die U-Bahn U2 auf dem Viadukt.
„Mit dem Baubeginn ab Oktober 2026 sind erste verkehrliche Einschränkungen zu erwarten“, teilte die Verkehrsverwaltung nun mit.
Eine Brücke am Ende ihrer Kräfte
Die Brücke über die B96a ist ein echtes Stück Berliner Geschichte – 1886 gebaut, hat sie mehr als ein Jahrhundert Verkehr, Vibrationen und Witterung überstanden. Jetzt ist Schluss. Die Statik ist am Limit, eine Sanierung ist unmöglich.
Daher wird die Brücke komplett abgerissen und neu gebaut, bei mehr oder minder laufendem Betrieb. Die Gesamtkosten für das Jahrhundertvorhaben belaufen sich auf 50 Millionen Euro.
Doch bevor die ersten Bagger anrollen, muss erst die BVG ran. Ab Oktober 2026 beginnen vorbereitende Arbeiten, um das U-Bahn-Viadukt der U2 abzustützen. Ohne diese Sicherung wäre ein Abriss lebensgefährlich.
M1 lahmgelegt – Umsteigen? Fehlanzeige
Im weiteren Verlauf werden die Bauarbeiten besonders die Fahrgäste der Tramlinie M1, eine der wichtigsten Nord-Süd-Achsen zwischen Pankow und Innenstadt, betreffen. Die M1 wird während der gesamten Bauzeit unterbrochen. Ein Bus-Ersatzverkehr soll einspringen.
Auch der S-Bahn-Ring bleibt nicht verschont: Zeitweise muss der Verkehr unterbrochen werden, um Arbeiten an der Brückenkonstruktion zu ermöglichen.
Autos, Räder, Fußgänger – nur einseitig durch die Engstelle
Komplett dicht machen will der Senat die Schönhauser Allee allerdings nicht. Geplant ist, dass Auto-, Rad- und Fußverkehr zumindest einseitig über eine verbliebene Brückenseite geführt werden. Doch wer die Gegend kennt, weiß: Schon heute ist die Schönhauser Allee ein Nadelöhr. Mit halber Kapazität wird sie zum Dauerstaugebiet.

2030 soll es besser werden – 2032 erst richtig
Der Neubau soll ab 2030 weitgehend fertig sein. Dann sollen Autos und Straßenbahnen wieder normal rollen können. Doch komplett abgeschlossen ist das Mammutprojekt erst 2032. Der neue Fußgängertunnel zwischen S- und U-Bahn wird als eigenes Projekt geführt – der Umbau hier kann weitere Einschränkungen mit sich bringen.
Was bedeutet das für Berlin?
Die Schönhauser Allee ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen der Stadt. Der Ausfall der M1, Sperrungen am Ring, reduzierte Fahrspuren – all das wird den Verkehr im gesamten Nordosten spürbar belasten.
Gleichzeitig ist der Neubau eine Chance: Eine moderne, sichere Brücke, bessere Wege für Fußgänger und Radfahrer, ein zeitgemäßer Umsteigeknoten.




