Einige Tage sind vergangen seit der spektakulärsten Tierrettung, die die Ostseeküste je gesehen hat. Der Buckelwal, den ganz Deutschland Timmy getauft hatte, soll irgendwo in der Nordsee schwimmen. Soll. Denn ganz sicher weiß das niemand.
„Der Wal lebt“ – aber die Daten bekommt der Minister nicht
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus verteidigt die Rettungsaktion weiterhin ausdrücklich. Gegenüber dem NDR sagte er: „Ich kann Ihnen heute sagen: Der Wal lebt.“ Als Beleg verweist er auf einen am Tier befestigten Tracker, den Spezialisten aus den USA angebracht hätten. Die übermittelten Signale deuteten darauf hin, dass sich der Wal noch bewege. Zudem gebe es Hinweise, dass sich das Tier in Gebieten aufgehalten habe, in denen Möwen Nahrung suchten – ein mögliches Zeichen dafür, dass der Wal gefressen habe.
Das Problem: Das Umweltministerium hat bislang keinen Zugriff auf die Trackerdaten. „Warum, das müssen sie die Initiative fragen“, so Backhaus. Wer behaupte, das Tier sei tot, müsse das belegen.
Gleichzeitig räumte der Minister Fehler im Ablauf der Rettungsaktion ein. Rückblickend hätte die private Initiative früher stärker auf Transparenz verpflichtet werden müssen. Auch sei die eingesetzte Barge lediglich für küstennahe Gewässer zugelassen gewesen, nicht für den Atlantik.

Karin Walter-Mommert, die die private Rettungsinitiative finanziell mitunterstützt hat, wies den Vorwurf mangelnder Transparenz in dem Bericht zurück. Seit der Freilassung seien 25 Signale des Trackers registriert worden, die wiederholte Tauchgänge und Bewegungen des Wals zeigten.
Eine genaue Ortung sei derzeit jedoch noch nicht möglich. Der Sender übermittle bislang keine Geodaten, sondern nur Informationen über Bewegungen und Tauchverhalten. Aus Sicherheitsgründen wolle die Initiative nicht offenlegen, welches Gerät verwendet werde.
Jeden Tag sterben Wale – nur sieht es keiner
Schleswig-Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grünen) nutzt den Fall für eine grundsätzliche Warnung. „In den Meeren findet jeden Tag ein großes Drama statt“, sagte er. Viele Wale und andere Meeressäuger würden täglich still und leise sterben, auch vor den deutschen Küsten. Der Fall „Timmy“ habe ein Scheinwerferlicht auf den Zustand der Meere gerichtet.
Goldschmidt fordert ein bundesweites Maßnahmenpaket für Nord- und Ostsee, strengere Schutzgebiete und härtere Regeln für die Stellnetzfischerei.


