Antibiotika-resistente Bakterien sind längst kein reines Klinikproblem mehr. Eine aktuelle Studie zeigt nun: Auch vielen Badeseen und Naturgewässern in Berlin und Nordostdeutschland machen sie zu schaffen. Was Schwimmbegeisterte jetzt wissen müssen.
Resistente Keime gelangen in Berliner und ostdeutsche Seen
Forscher des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (Leibniz-IGB) haben Resistenzgene in Seen mehrerer Bundesländer nachgewiesen – darunter auch in der Hauptstadt.
Untersucht wurden Wasser- und Sedimentproben aus insgesamt sechs Seen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Zusätzlich nahmen die Forscher den Zu- und Abfluss einer großen Berliner Wasseraufbereitungsanlage unter die Lupe. Im Fokus standen sogenannte Antibiotika-Resistenzgene, also genetische Merkmale in Bakterien, die diese unempfindlich gegen gängige Medikamente machen.

Die Ergebnisse fallen deutlich aus: Im Zulauf der Kläranlage fanden sich laut Studie Resistenzgene aus allen 18 untersuchten Klassen. Selbst nach der Aufbereitung waren noch 16 Klassen im Abwasser nachweisbar. Lediglich zwei Resistenztypen konnte die Anlage vollständig zurückhalten.
Kläranlage hält resistenten Bakterien kaum stand
Damit gelangen viele der problematischen Keime weiter in die Umwelt. Auch der stark frequentierte Müggelsee blieb nicht verschont: Im Oberflächenwasser entdeckten die Forscher dort neun verschiedene Resistenzgen-Klassen. Warum der See stärker belastet ist als andere städtische Gewässer, erklärt Hans-Peter Grossart vom Leibniz-IGB mit der intensiven Nutzung. Fischerei, Schiffsverkehr und Badebetrieb würden den Eintrag resistenter Keime deutlich erhöhen.

Besonders brisant: Saubere Wasseroberflächen geben nicht immer Entwarnung. Die Studie zeigt, dass selbst Seen ohne auffällige Belastung im Wasser resistente Keime tief im Sediment speichern können. Auch im Weißen See in Berlin wurden solche Rückstände nachgewiesen.

Alex Greenwood, Leiter der Abteilung für Wildtierkrankheiten am Leibniz-IZW und Seniorautor der Studie, sagt: „Wassernahe Bodenschichten halten Belastungen mit antibiotikaresistenten Bakterien in der Umwelt vor, auch wenn das Oberflächenwasser keine nachweisbare Belastung mehr aufweist.“ Vor allem Resistenzgene gegen Aminoglykosid-Antibiotika seien im Sediment deutlich höher konzentriert als im darüberliegenden Wasser.
Brandenburger und mecklenburgische Seen sind ebenfalls betroffen
Nicht nur Großstadtgewässer stehen im Fokus der Forscher. Auch ein Feldteich im westlichen Brandenburg wies sechs verschiedene Resistenzgen-Klassen auf. Damit liegt er unter dem Müggelsee, aber über den Werten abgelegener Naturseen wie Stechlinsee, Haussee und Dagowsee in Mecklenburg-Vorpommern.
Auffällig: Die nachgewiesenen Resistenzklassen ähneln stark jenen aus städtischen Gewässern. Dazu gehören Resistenzen gegen Aminoglykoside, Phenicole und Tetracycline – Antibiotika, die sowohl in der Humanmedizin als auch in der Nutztierhaltung eingesetzt werden. Über Abwässer gelangen sie schließlich in Flüsse, Seen und Teiche.
Worauf müssen Badegäste jetzt achten?
Eine akute Badegefahr besteht nicht. Die nachgewiesenen Antibiotika‑Resistenzgene bedeuten nicht automatisch, dass Krankheitserreger in gefährlicher Menge im Wasser schwimmen. Die Berliner Badegewässer werden weiterhin regelmäßig hygienisch überwacht. Solange kein Badeverbot ausgesprochen ist, gelten die Seen offiziell als sicher zum Schwimmen.
Für gesunde Badegäste besteht nach Einschätzung der Forscher kein unmittelbares Gesundheitsrisiko. Problematisch können resistente Keime aber für Menschen mit offenen Wunden, geschwächtem Immunsystem oder bestehenden Infektionen werden. Hier gilt besondere Vorsicht.

Brisant ist vor allem der Fund im Sediment. Wer im flachen Wasser wühlt, im Schlamm spielt oder sich dort länger aufhält, kann eher mit widerstandsfähigen Keimen in Kontakt kommen. Besondere Vorsicht gilt also für Eltern von kleinen Kindern. Diese sollten nach dem Spielen im Schlamm von Badeseen dringend abgeduscht werden – und davon abgehalten werden, das Wasser zu trinken.


