Blumen kaufen, wo sonst Haftalltag herrscht – das ist in Berlin auch in diesem Frühjahr möglich. Zwei Justizvollzugsanstalten öffnen ihre Tore beziehungsweise Vorplätze für einen besonderen Pflanzenverkauf. Pflanzen, Dekorationen und praktische Gartenartikel stammen aus eigener Anzucht oder Werkstattarbeit der Inhaftierten. Für Besucher ist es eine seltene Gelegenheit, hochwertige Ware zu kleinen Preisen zu kaufen und zugleich einen Einblick in die Arbeit hinter Gefängnismauern zu erhalten.
Günstige Preise von Erdbeeren bis Dahlien
Den Auftakt macht am Donnerstag, 7. Mai, die Jugendstrafanstalt Berlin. Vor der Pforte am Friedrich‑Olbricht‑Damm in Charlottenburg‑Nord läuft von 9.45 bis 12.45 Uhr ein Straßenverkauf. Angeboten werden Blumen und Nutzpflanzen für Balkon und Garten, die in der anstaltseigenen Gärtnerei herangezogen wurden.
Die Pflanzen entstehen dort unter fachlicher Anleitung. Verkauft werden sie von Mitarbeitenden der Jugendstrafanstalt, die vor Ort auch beraten. Ziel der Einrichtung ist es nach eigenen Angaben, junge Gefangene durch Ausbildung und Qualifizierung auf ein straffreies Leben nach der Haft vorzubereiten. Der Verkauf vor der Anstalt hat längst Tradition und findet seit mehr als 30 Jahren statt.

Das Angebot kann sich sehen lassen: Balkon‑ und Gartenpflanzen, Kräuter sowie Gemüsepflanzen stehen bereit. Erdbeerpflanzen kosten 70 Cent, Geranien zwei Euro, Balkontomaten 2,50 Euro. Dahlien sind bereits ab 1,70 Euro erhältlich und dürften schnell vergriffen sein.
Pflanzenverkauf vor JVA Tegel lockt Neugierige an
Wenige Tage später, am Samstag, 9. Mai, folgt der nächste Termin. Von 10 bis 15 Uhr findet im Shop der Justizvollzugsanstalt Tegel in der Seidelstraße ein Frühlingsbasar statt. Der Verkaufsbereich liegt außerhalb der Anstaltsmauer auf dem Gelände der JVA Tegel und ist frei zugänglich.

Neben Beet‑ und Balkonpflanzen aus eigener Anzucht gibt es hier deutlich mehr als Grün fürs Zuhause. Besucher finden auch Blumengestecke, Feuerschalen, Kerzenhalter, Vogelhäuser sowie kleinere Möbelstücke wie Hocker, Stühle und Fußbänke. An den Ständen werden Produkte aus der JVA Tegel und der JVA für Frauen Berlin verkauft. Die Preise reichen laut Angaben von zwei Euro für kleine Dekoartikel bis zu 200 Euro für einen Grill.
Nehmen Inhaftierte am Verkauf teil?
Wer beim Einkauf Hunger bekommt, kann direkt vor Ort bleiben. Angeboten werden unter anderem Erbseneintopf aus der Gulaschkanone, Bockwurst und Wiener Würstchen. Dazu gibt es alkoholfreie Getränke, Kekse, frisches Brot und Kuchen. Besonders gefragt ist der Tegeler „Wochenendkuchen“, der in der Lehrbäckerei der JVA Tegel gebacken wird.

Zusätzlich wirft der Frühlingsbasar auch einen Blick hinter die Kulissen des Justizvollzugs. Auf dem Platz vor Tor I in der Seidelstraße 39 informiert der Berliner Justizvollzug über Berufe sowie über Einstiegs‑ und Karrieremöglichkeiten. Auch Vereine und Unternehmen stellen sich dort vor.
Inhaftierte der JVA Tegel nehmen selbst nicht am Verkauf teil. Anders ist es bei inhaftierten Frauen aus einer Einrichtung des offenen Vollzuges: Sie sind vor Ort und verkaufen ihre selbst hergestellten Produkte. So verbindet der ungewöhnliche Markt Einkauf, Information – und einen seltenen Perspektivwechsel mitten in Berlin.


