Frühling in Berlin und plötzlich zieht es alle wieder raus auf Balkon, Terrasse oder in den Kleingarten. Mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen greifen Berliner Hobbygärtner zu Erde, Töpfen und Samenpäckchen. Dabei können Pflanzenfreunde das Schöne mit dem Nützlichen verbinden. Denn nicht jede Pflanze oder Blume ist gleich wichtig für das Überleben von Insekten, die es gerade in der Stadt immer schwerer haben, gute Nahrungsquellen zu finden. Welche Pflanzen und Blumen den Tieren besonders gut helfen, weiß Expertin Beate Reuber, Parkbotschafterin der Gärten der Welt in Berlin-Marzahn.
Der schöne Schein hilft Insekten oft nicht
Die Gartenexpertin weiß, worauf es ankommt, wenn Bienen, Hummeln und Schmetterlinge möglichst früh Nahrung finden sollen. Mit einfachen Tricks kann jeder Balkon- und Gartenbesitzer Insekten nach dem eisigen Winter jetzt besonders viel Nektar und Pollen bieten.

„Viele greifen im Frühling zu Pflanzen, die zwar schön aussehen, aber für Insekten völlig nutzlos sind“, sagt Reuber. Besonders gefüllte Blüten seien problematisch: Sie sehen üppig aus, bieten aber weder Nektar noch Pollen. Auch die wunderschön gelb leuchtenden Forsythien fallen leider in diese Kategorie.
Sehr gute Bienenpflanzen dagegen seien „beispielsweise Wildkrokusse, Winterlinge, frühe Narzissen, Schneeglöckchen, Wildtulpen und Märzenbecher“, rät Reuber im Berliner KURIER. Allerdings müssen diese Zwiebeln schon im Herbst in die Erde.

Wer erst jetzt loslegen will, muss aber auch nicht verzweifeln. Beate Reuber empfiehlt Stauden wie Stängellose Schlüsselblume, Bärlauch, Buschwindröschen, Küchenschelle, Lungenkraut oder Hornveilchen. Auch Sträucher wie die Kornelkirsche, Sal-Weide, Winterjasmin, Blutpflaume, Schlehe und Weißdorn sind echte Insektenmagnete.
Im April geht es weiter mit Kaiserkrone, späten Wildtulpen und Narzissen. Wer einjährige Frühblüher bevorzugt, greift zu Vergissmeinnicht, Bellis, Veilchen oder Goldlack. Und für die etwas späteren Wochen eignen sich Glockenblumen, Klatschmohn, Akelei, Gänsekresse und Blaukissen. Empfehlenswert sind auch Obstgehölze wie Kirsche, Apfel oder Pflaume.
Wichtig sei vor allem eines, betont Reuber: „ungefüllte Blüten“. Außerdem braucht es Sonne bis Halbschatten und eine gute Mischung aus Frühblühern, Stauden und Gehölzen, damit die Insekten von März bis Oktober durchgehend Nahrung finden“, rät die Expertin. Je mehr unterschiedliche Blühzeiten, desto besser.

Und was ist mit den vielen Mini-Balkonen in der Stadt? Auch dort lässt sich einiges tun, damit es an der Insekten-Tankstelle kräftig summt und brummt. Reuber rät zu einer Kombination aus Zwiebeln und Einjährigen.
Und auch zu praktischen Klassikern, die oft unterschätzt werden: Küchenkräuter! Thymian, Salbei, Oregano, Lavendel, Rosmarin, Minze, Zitronenmelisse, Ysop, Borretsch, Dill, Koriander oder Schnittlauch gedeihen bestens in Kästen und Kübeln. Lässt man sie teilweise blühen, werden sie zur perfekten Bienenweide und sie liefern gleichzeitig frische Zutaten für die Küche.



