Der Staat taucht ab

Bürger in Blankenburg kämpfen seit sieben Jahren vergeblich für neue Brücke

Kein Geld für eine neue Brücke, heißt es. Rentner müssen deswegen lange Umwege gehen. Und die Kinder klettern über eine gefährliche Abkürzung.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Mario Rubelowski kämpft für einen neuen Übergang in Blankenburg.
Mario Rubelowski kämpft für einen neuen Übergang in Blankenburg.Hildebrandt

Seit nunmehr sieben Jahren bemühen sich Anwohner einer Siedlung im Berliner Norden, in Blankenburg, um die Wiedererrichtung der Fußgängerbrücke am Rostsperlingweg. Weil die alte Brücke marode war, wurde sie 2018 ohne Ankündigung abgerissen. Ein Ersatz für die Überquerung ist nie aufgetaucht. Für die Bürger bedeutet dies täglich einen längeren Umweg. Besonders die Rentner in der Siedlung sind sauer.

Bürger sollen Umweg gehen

Von vorn: Mario Rubelowski, ein Anwohner und der lauteste und beharrlichste der Brückenkämpfer, erzählt die ganze Geschichte, während direkt neben uns der Fließgraben in der Sonne plätschert. „Vor sieben Jahren wurde hier eine Brücke über den Wassergraben abgerissen.“

Anwohner hätten sie zuvor zu Fuß oder per Rad problemlos überquert, um auf direktem Weg zum S-Bahnhof Blankenburg zu gelangen.

Doch seitdem die marode Brücke fehlt, argumentieren die politisch Verantwortlichen, für einen Ersatz sei kein Geld da, der Neubau lohne sich nicht, der Umweg von über 800 Metern sei zumutbar.

Das Infoschreiben zu einer Protestaktion zeigt die alte Brücke in Blankenburg.
Das Infoschreiben zu einer Protestaktion zeigt die alte Brücke in Blankenburg.Hildebrandt

Kleine Brücke großer Umweg

Die Brücke ist nur sechs Meter lang und zwei Meter breit. Doch ihr Fehlen bedeutet eine Einschränkung für Menschen, die nicht gut genug zu Fuß sind, um den mindestens 800 Meter langen Umweg über eine andere Querung zu nehmen.

Eine Anwohnerin gibt zu: Sie nimmt stattdessen lieber eine kurze, gefährliche Kletterpartie in Kauf, um auf direktem Weg nach Hause zu kommen. Auch Schulkinder wählen den direkten Weg über das Wasser.

Über dem Wasser gibt es einen Trampelpfad, der satt der fehlenden Brücke genutzt wird.
Über dem Wasser gibt es einen Trampelpfad, der satt der fehlenden Brücke genutzt wird.Hildebrandt

Mario Rubelowski führt weiter aus wie sich die Lokalpolitik aus dem Staub macht, weil sie den Umweg zumutbar findet: „Während der Bezirk behauptet, keine Mittel für einen Ersatzneubau (geschätzte Kosten ca. 250.000 Euro) zu haben, flossen im selben Zeitraum Pachteinnahmen von rund 1,1 Millionen Euro aus dem betroffenen Areal“, schätz Mario Rubelowski.

Es sei unerträglich, wie „hier mit Bürgerinteressen umgegangen wird“, sagt er. „Erst wird jahrelang nichts getan, und wenn man nachhakt, wird man mit Gebührenordnungen  abgeschreckt und es wird die Unwahrheit über die Aktenlage gesagt.“ Rubelowski spielt damit auf die wechselnden Zuständigkeiten an: Der Bezirk sieht sich nicht in der Pflicht und verweist auf den Senat.

Dessen früherer Vertreter Ingmar Streese wiederum spielte bei einem Termin 2020 den Ball zurück: Die Zuständigkeit der Senatsverwaltung erstrecke sich nur auf öffentlich gewidmete Straßen nach Berliner Straßengesetz und öffentliche Wege in einer Grün- und Erholungsanlage nach Grünanlagengesetz. „Seitens SenUVK besteht daher keine Grundlage für den Bau einer Brücke in einer Kleingartenanlage“ sagte Streese, der damals Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr war.

Politik am Bürger vorbei

Die Anlage ist eine Siedlung, deren Bestand bis 2045 gesichert ist. Bis zu ihrem Abriss wurde die Brücke vom Senat gewartet. Der Senat übertrug das Bauwerk in die Verantwortung des Bezirks. Doch beide hatten kein Geld, um die Brücke „prüffähig nach DIN1076“ zu machen.

Der Senat beauftragte den Abriss, Pankow stimmte zu. Die Brücke werde nicht durch öffentlichen Verkehr genutzt, konnte daher ersatzlos zurückgebaut werden, hieß es vom Bezirksamt Pankow und sieht stattdessen den Vorstand der Siedlung in der Pflicht, für die Brücke zu zahlen. „Während die Verwaltung sich in juristische Ausflüchte rettet, bleiben die Bürger auf der Strecke“, ärgert sich Mario Rubelowski.

Eine Absperrung steht heute da, wo die Brücke einst stand.
Eine Absperrung steht heute da, wo die Brücke einst stand.Hildebrandt

Dabei könnte eine Ersatzbrücke sogar noch deutlich günstiger gebaut werden: Rubelowski hat ein Angebot von einem Anbieter, der auch sonst für den Bezirk tätig ist, eingeholt. Eine wartungsarme GFK-Brücke kostet demnach 11.000 Euro. Mit Montage wäre man bei 30.000 Euro, rechnet er vor.

Doch bisher stößt er mit seinem Anliegen auf taube Ohren. Wenn man berechnen würde, wieviel Korrespondenz und Arbeit in den Amtsstuben schon an Kosten verursacht haben, eine neue Brücke wäre mit Sicherheit schon längst von dem Geld bezahlt.

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