Gerichtsurteil

Kröten vs. Krieger: Möbel-Milliardär muss in Pankow Krötenschutz dulden

Ein Urteil des Oberlandesgerichts verpflichtet Krieger  dazu, Pflege des Kröten-Habitats am Pankower Tor zuzulassen.

Author - Stefanie Hildebrandt
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Möbel-Höffner-Gründer Kurt Krieger will am Pankower Tor bauen. Doch Kreuzkröten genießen hier besonderen Schutz.
Möbel-Höffner-Gründer Kurt Krieger will am Pankower Tor bauen. Doch Kreuzkröten genießen hier besonderen Schutz.Markus Wächter/Berliner Kurier

Das Berliner Oberverwaltungsgericht hat entschieden, dass die Krieger Handel SE naturschutzfachliche Pflegemaßnahmen auf ihrem Gelände am Pankower Tor ohne weiteren Verzug zu dulden hat. Damit gab das Gericht dem Naturschutzbund (NABU) Berlin in letzter Instanz Recht. In dubio pro Kröte, heißt es. 

Naturschutzbehörde will Krötenland pflegen

Hintergrund des Verfahrens ist eine Duldungsverfügung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) Pankow vom Februar 2026. Die Behörde hatte angekündigt, erforderliche Pflegearbeiten auf dem Gelände selbst und auf eigene Kosten umzusetzen, da das Habitat seit 2020 zunehmend verbusche und einzelne Laichgewässer austrockneten.

Die Zahl der streng geschützten Kreuzkröten ging in diesem Zeitraum deutlich zurück. Krieger hatte zuletzt weder Pflegemaßnahmen noch offizielle Bestandserfassungen auf dem Areal zugelassen.

Kurt Krieger sicherte sich den Ringlokschuppen auf dem Areal vom Bauprojekt Pankower für sechs Millionen Euro.
Kurt Krieger sicherte sich den Ringlokschuppen auf dem Areal vom Bauprojekt Pankower für sechs Millionen Euro.Imago / Ritter

Muss Eigentümer den Kröten nur nicht schaden oder sie aktiv schützen?

Gegen die Duldungsverfügung klagte das Unternehmen – zunächst mit Erfolg. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte am 5. März 2026 in erster Instanz argumentiert, das Naturschutzrecht verbiete Krieger zwar, den Tieren aktiv zu schaden, verpflichte den Eigentümer aber nicht, behördlich angeordnete Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums zu dulden.

Daraufhin reichte der NABU selbst Beschwerde ein und setzte sich nun vor dem Oberverwaltungsgericht durch.

Hängepartie Pankower Tor – seit über 15 Jahren Stillstand

Auf dem Areal des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow plant Höffner-Gründer Kurt Krieger bis zu 2000 Wohnungen sowie Büro- und Gewerbeflächen samt Möbelmarkt.

Dass auf der Fläche Berlins letzte Kreuzkrötenpopulation lebt, ist seit 2011 bekannt. Die Art steht auf der Roten Liste und gilt in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz als „stark gefährdet“ mit einem Erhaltungszustand „ungünstig bis schlecht“.

„Der ursprüngliche Beschluss hätte praktisch bedeutet, dass Eigentümer dem Niedergang besonders geschützter Arten auf ihren Flächen nicht nur hätten zuschauen, sondern auch jede aktive Maßnahme dagegen hätten verhindern können“, sagt Melanie von  Orlow, die Geschäftsführerin des NABU Berlin. Die Untere Naturschutzbehörde sei in Pankow nun in der Pflicht, den Lebensraum der Kröten zu pflegen.

Investor Kurt Krieger hält eine nachgebildete Kreuzkröte in der Hand. Die Tiere machen ihm in Pankow das Bauen schwer.
Investor Kurt Krieger hält eine nachgebildete Kreuzkröte in der Hand. Die Tiere machen ihm in Pankow das Bauen schwer.Markus Wächter/Berliner Kurier

Kurt Krieger arbeitet indes seit über 15 Jahren auf den Baubeginn am Pankower Tor hin. Immer wieder musste er Rückschläge einstecken, neue Pläne schmieden, Kompromisse machen. Doch Aufgeben ist keine Option.

Während Berlin unter Wohnungsmangel ächzt, blockiert ausgerechnet die letzte Krötenkolonie der Stadt den dringend benötigten Wohnungsbau. Der Witz an der Sache: Nicht immer war die Pankower Bahnbrache Krötenland: Die Ursprungstiere wurden wahrscheinlich in den 1990ern mit einem Kieslaster aus dem Umland eingeschleppt. 

Doch bis die Umsiedlung der Kröten nicht erfolgt ist, kann nicht gebaut werden. Immerhin: Im März 2025 wurde ein städtebaulicher Vertrag fixiert.

Darin stehen die Eckpunkte des Projekts: Wohnungen für bis zu 4000 Menschen, große Grünflächen, Kitas, eine Schule und eine Straßenbahnverbindung. Bis Ende 2026 soll der Bebauungsplan verabschiedet sein. Bis dahin wird es den Kröten auf dem Gelände noch einmal so richtig gemütlich gemacht.

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