Die Preise kennen derzeit nur eine Richtung: steil nach oben. Der Angriffskrieg der USA und Israels auf den Iran hat die Weltwirtschaft in eine neue Krise geführt. Ob Lebensmittel, Kraftstoffe oder Rohmaterialien – alles ist in den vergangenen Wochen spürbar teurer geworden.
Drohen in Deutschland Lieferengpässe?
Das merken vor allem Verbraucher an der Kasse. Viele von ihnen fragen sich bereits wegen der seit Anfang März blockierten Straße von Hormus, ob ihre Lebensmittel noch sicher sind. Drohen in Deutschland etwa Lieferengpässe? Sind Obst, Gemüse und andere Produkte bald nicht mehr zu bekommen?
Es kann zu „temporären Verzögerungen“ kommen
Noch ist es für etwaige Hamsterkäufe zwar zu früh. Je länger der Iran-Krieg aber dauert, desto wahrscheinlicher ist das Schreckensszenario. „Direkte Knappheiten sind derzeit nicht zu erwarten, da Deutschland überwiegend aus anderen Regionen importiert“, sagt Prof. Dr. Tomaso Duso, Leiter der Abteilung Unternehmen und Märkte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), dem Berliner KURIER.
Aber: „Allerdings können höhere Logistik- und Beschaffungskosten zu temporären Verzögerungen oder Preisanstiegen bei importabhängigen Produkten führen“, erklärt Duso, der auch Vorsitzender der Monopolkommission ist.

Tropische Früchte, Obst und Gemüse sind betroffen
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Der Verband geht ebenfalls derzeit nicht von „breiteren Lieferengpässen bei Lebensmitteln“ aus, wie Pressesprecher Oliver Numrich dem KURIER sagt.
Doch auch er sieht mit zunehmender Dauer Probleme auf die deutschen Lieferketten zukommen. Schließlich beziehe „Deutschland rund ein Fünftel der Agrarrohstoffe für die Lebensmittelproduktion aus außereuropäischen Ländern“. Dazu gehören tropische Früchte, verarbeitetes Obst und Gemüse sowie Gewürze aus Ländern des Nahen Ostens und angrenzender Regionen.
Allerdings können höhere Logistik- und Beschaffungskosten zu temporären Verzögerungen oder Preisanstiegen bei importabhängigen Produkten führen.
Preise bei Lebensmitteln zuletzt stark gestiegen
„Wenn Lieferketten länger gestört sind, können einzelne Rohstoffe oder Vorprodukte teurer werden oder sich verzögern“, erklärt Numrich. „In der Regel lassen sich diese Mengen aber über andere Lieferländer ersetzen.“
Für Verbraucher bedeutet das nichts Gutes. Längere Lieferwege und andere Routen bedeuten höhere Preise, die an die Konsumenten weitergegeben werden. Ein wesentlicher Grund: steigende Öl- und Gaspreise. „Höhere Preise für Kraftstoffe und andere Energieträger könnten beispielsweise die Logistik verteuern – und damit perspektivisch auch Einfluss auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln haben“, sagt Hauptgeschäftsführer Philipp Hennerkes vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) dem KURIER.
Was sind Maßnahmen gegen steigende Preise?
Beispiele für energieintensive Produkte seien Backwaren, Milcherzeugnisse oder industriell verarbeitete Lebensmittel. „Auch einzelne Warengruppen wie Kaffee, Tee und Kakao sind wohl bereits deutlich teurer geworden“, sagt Duso. Und aus der Landwirtschaft sei zu vernehmen, „dass sich energieintensiver Dünger verteuert“ habe, ergänzt Hennerkes.
Um dem Preis-Irrsinn beim Tanken und bei Lebensmitteln entgegenzuwirken, fordert die Verbraucherzentrale Bundesverband von der Bundesregierung mehr Transparenz und eine unabhängige Preisbeobachtungsstelle. „Das würde es ermöglichen, ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu erkennen und gegenzusteuern“, sagt Ramona Popp aus dem Vorstand.

Regierung muss die regionale Landwirtschaft stärken
Und weiter: „Die Bundesregierung muss daher die Mehrwertsteuer zum Beispiel auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf null senken.“ Außerdem müsse die Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion widerstandsfähiger gemacht werden. „Dafür braucht es eine Stärkung der ökologischen und regionalen Landwirtschaft und ein krisenfestes Lieferkettenmanagement“, so die Vorschläge von Popp.
Numrich von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie sieht noch weitere Maßnahmen zur Entlastung des Geldbeutels. Er fordert eine Senkung staatlicher Bestandteile bei Energie und eine Entlastung bei Netzentgelten und Abgaben. Zudem verlangt er die Wiedereinführung einer Energiepreisbremse, die Senkung der CO₂-Kosten im Emissionshandel, eine Reduzierung der Lkw-Maut für Lebensmitteltransporte und grundsätzliche Maßnahmen zur Stabilisierung internationaler Lieferketten.
Die Bundesregierung muss daher die Mehrwertsteuer zum Beispiel auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte auf null senken.
Leichte Entspannung in der Straße von Hormus
Duso vom DIW Berlin sieht hingegen einen uneingeschränkten Wettbewerb als Lösung des Problems. „Direkte Preiseingriffe wie ein Preisdeckel wären nicht zielführend – langfristig sind offene, wettbewerbliche Märkte das wirksamste Mittel gegen überhöhte Preissteigerungen.“
Ein wenig Hoffnung auf Besserung gab es in den vergangenen Tagen. Da sei die Zahl der Schiffspassagen durch die Straße von Hormus leicht gestiegen. Am Mittwoch, 1. April, seien etwa 16 Frachter durch die weitgehend blockierte Meerenge gefahren, am Vortag seien es elf Schiffe gewesen. Das berichtet die Datenfirma Windward.
Es dürfte noch dauern, bis sich die Lage wieder entspannt
Und dennoch: Die Durchfahrten betragen noch immer nur einen Bruchteil des Verkehrs vor Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Damit dürfte es noch Wochen dauern, bis sich die Lage an den Tankstellen und in den Supermärkten wieder entspannt.






