Neue Regel

Spritpreis-Abzocke um Punkt 12 Uhr: So haben Autofahrer die Umstellung erlebt

Seit Mittwoch dürfen nur noch um 12 Uhr die Preise an der Tankstelle erhöht werden. Das halten Autofahrer von dieser Idee.

Author - Sebastian Krause
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Wer an dieser Tankstelle in der Prenzlauer Allee nach 12 Uhr tanken war, muss deutlich mehr bezahlen als vorher.
Wer an dieser Tankstelle in der Prenzlauer Allee nach 12 Uhr tanken war, muss deutlich mehr bezahlen als vorher.Sebastian Krause

Er hat die günstigeren Preise an der Tankstelle um nur wenige Minuten verpasst. Am Mittwoch um kurz nach 12 Uhr fährt Theodor Reyels mit seinem Wagen an eine Total-Tankstelle in der Prenzlauer Allee. Dann steigt er aus, greift zum Zapfhahn, tankt sein Auto mit Diesel voll.

Seit Mittwoch dürfen die Preise nur noch einmal geändert werden

Wäre er ein paar Minuten früher gewesen, hätte er einige Euros gespart. Denn seit Mittwoch um 12 Uhr gilt erstmals ein neues Maßnahmenpaket der Bundesregierung, um die steigenden Preise für Benzin und Diesel als Folge des Iran-Kriegs einzudämmen.

Diesel steigt nach 12 Uhr auf 2,33 Euro pro Liter

Fortan dürfen die Mineralölkonzerne nur noch einmalig um 12 Uhr die Preise erhöhen, senken dürfen sie diese aber so oft sie wollen. Heißt: Gegen 12 Uhr sind die Preise an den Tankstellen am höchsten.

Das spüren Autofahrer deutlich. „Vor einem halben Jahr war es noch bei 1,06 Euro, klar ist es jetzt ein krasser Anstieg“, sagt Reyels mit Blick auf die aktuellen Dieselpreise. Für einen Liter zahlt er 2,33 Euro, vor der Umstellung waren es 2,29 Euro.

An sich tanke ich sonst immer gern abends. Aber jetzt wahrscheinlich werde ich das umstellen auf vor 12 Uhr.

Theodor Reyels, Kunde einer Tankstelle in der Prenzlauer Allee

Zweifel, ob die Regel zu einer Senkung der Preise führt

Dass der 20-Jährige kurz nach der Erhöhung tanken fährt, sei ein dummer Zufall gewesen. Er habe von den Plänen der Bundesregierung zwar mitbekommen, sich aber wenig damit beschäftigt. Das wird sich ändern. „An sich tanke ich sonst immer gern abends“, sagt der junge Mann aus Prenzlauer Berg. „Aber jetzt wahrscheinlich werde ich das umstellen auf vor 12 Uhr.“

Doch wie groß ist die Hoffnung, dass die Preise mit der Maßnahme dauerhaft sinken werden? Reyels glaubt schon, dass die Pläne funktionieren können. Er sieht aber noch Nachholbedarf. „Wenn jede Tankstelle für sich unterschiedlich entscheiden darf, sollte man eine Regulierung festlegen, wie viel es sein darf. Die Entscheidung müsste dann politisch getroffen werden“, sagt Reyels.

So sehen die Preise an der Tankstelle aus, nachdem sie um 12 Uhr umgestellt wurden.
So sehen die Preise an der Tankstelle aus, nachdem sie um 12 Uhr umgestellt wurden.Sebastian Krause

Spritpreise werden im Laufe des Tages wohl kaum sinken

Anders sieht die Meinung eines Mannes aus, der kurz vor der Umstellung noch tanken war. „Ich glaube nicht, dass dadurch eine Preissenkung erfolgt“, sagt der 78-Jährige, der seinen Namen nicht nennen möchte. „Aber ich bin froh, dass das Affentheater vorbei ist.“ Die vielen Preissprünge davor an den Zapfsäulen seien für ihn „Unfug“ gewesen.

Er glaubt zudem, dass die Preise im Laufe des Tages kaum sinken werden. Die vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass die Mineralölkonzerne jeden Profit mitnehmen würden. „Die werden doch dahinkommen, dass es sich von abends bis vormittags gar nicht mehr so sehr verändert“, sagt er. Sein Fazit daher: „Die versuchen, zu kriegen, was sie können.“

Konkurrenzkampf könnte zu Preissenkungen führen

Seine einzige Hoffnung darauf, dass die Preise sinken, ist der Konkurrenzkampf unter den Tankstellen in dicht frequentierten Gegenden. Als Beispiel nennt er die Prenzlauer Allee und die Prenzlauer Promenade, wo es binnen weniger Kilometer mehrere Tankstellen hintereinander gibt. „Wenn einer runtergeht, ziehen die anderen nach“, so die Einschätzung des Mannes.

Für Nikolas spielen die Preise hingegen kaum noch eine Rolle. Früher sei er viel mit dem Auto unterwegs gewesen und habe sehr auf die Preise geachtet. Heute stehe der Wagen fast nur noch in der Tiefgarage.

Autofahrer muss am Ende trotzdem zahlen

„Klar kann man jetzt über alles anfangen zu debattieren, was die Preise und Preisgestaltung angeht. Aber am Ende müssen wir es trotzdem zahlen“, sagt der 36-Jährige aus Berlin, der auf dem Weg in seine Heimat ist.

„Normalerweise habe ich schon auf Wochentage geachtet“, so der Berliner, der tendenziell immer abends getankt habe. Das werde sich auch in Zukunft nicht ändern.

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