Kulturkampf

„Veggie‑Burger“ bleibt, „Tofu‑Rippchen“ fliegt: Brüssel einigt sich auf Namens‑Deal

Das EU-Parlament hat sich auf einen Kompromiss geeinigt, der lediglich tierische Bezeichnungen wie „Hühnchen“ oder „Speck“ betreffen soll.

Author - Sebastian Krause
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„Veggie-Burger“ dürfen auch künftig weiter unter diesem Namen angeboten werden.
„Veggie-Burger“ dürfen auch künftig weiter unter diesem Namen angeboten werden.Doreen Hassek/dpa

In letzter Minute haben sich Unterhändler von EU‑Staaten und Europaparlament auf einen Kompromiss geeinigt. Klassiker wie „Veggie‑Burger“ und „Tofu‑Wurst“ bleiben erlaubt, tierartspezifische Begriffe und „Cuts“ wie „Hühnchen“, „Rind“, „Steak“, „Speck“, „Kotelett“ oder „Rippchen“ für pflanzliche Produkte sollen dagegen künftig tabu sein.

Deal muss noch bestätigt werden

Der Deal muss noch formell von Parlament und Mitgliedstaaten bestätigt werden.

Deutschland bremst – Industrie atmet auf

Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) hatte ein striktes Namensverbot bereits als „Bürokratie“ mit „unglaublich hohen Kosten“ kritisiert: „Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht.“

Auch Handelsketten wie Aldi Süd, Lidl und Burger King warnten vor wirtschaftlichen Schäden durch Umbenennungen und weniger Orientierung im Regal.

Vegane Falafel, vegane Schnitzel, vegane Würstchen und Gemüse sind auf einem Teller in einer Küche zu sehen.
Vegane Falafel, vegane Schnitzel, vegane Würstchen und Gemüse sind auf einem Teller in einer Küche zu sehen.Silas Stein/dpa

Jubel und Kritik über die „Veggie-Entscheidung“

Der CDU‑Europaabgeordnete Peter Liese jubelte über klare Kennzeichnungen: „Wenn auf einem Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt.“

Die niederländische Volt‑Abgeordnete Anna Strolenberg sieht den Kompromiss kritisch: „Das ist schade, denn Europa sollte innovative Unternehmer unterstützen, anstatt ihnen neue Hindernisse in den Weg zu legen.“

Wenn auf einem Produkt vegetarisch oder vegan steht, dann weiß jeder halbwegs intelligente Mensch, dass es sich nicht um Fleischprodukte handelt.

Peter Liese, CDU‑Europaabgeordneter

Markt wächst, er bleibt aber klein

Der Markt wächst – aber bleibt klein im Vergleich zu Fleisch: 126.500 Tonnen Fleischalternativen wurden 2024 in Deutschland produziert. Der Wert liegt bei 647,1 Millionen Euro. Fleisch und Fleischerzeugnisse kamen im gleichen Jahr auf 44,3 Milliarden – knapp 70‑mal so viel.

Ein harter Namensschnitt hätte es in sich: Der Branchenverband BALPro kalkulierte zuletzt rund 250 Millionen Euro Schaden für Hersteller.

„Veggie-Burger“ bleiben auf der Gastro-Karte

Für die Gastro heißt das: „Veggie‑Burger“ bleibt auf der Karte – aber „Veggie‑Hühnchen“ oder „Tofu‑Rippchen“ müssen runter. Die Wort‑Polizei hat nicht alles kassiert, aber viel Fleischjargon für Pflanzenprodukte künftig gestrichen.

Jetzt liegt der Ball bei den EU‑Ministern und dem Plenum – und bei Herstellern, die ihre Etiketten rechtzeitig an den neuen Sprach‑Kodex anpassen müssen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Bitte schreiben Sie uns: leser-bk@berlinerverlag.com