Auch 35 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es noch eine Ostbeauftragte. In der Vergangenheit hat vor allem die CDU darauf gedrängt, diesen Posten abzuschaffen und beispielsweise durch einen Beauftragten für strukturschwache Regionen im ganzen Land zu ersetzen.
Ostbeauftragte will Osten bei Entscheidungen vertreten
Für die aktuelle Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser ist das keine Option. Kaiser versteht ihren Job darin, den Osten bei Reformen und politischen Entscheidungen zu vertreten und darauf zu achten, dass die Bedürfnisse und Sichtweisen der Ostdeutschen auf der Bundesebene gehört werden. Sie findet: Gerade das ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.
Ostbeauftragte sieht noch immer Probleme
Kaiser versteht den Impuls, dass Ämter nach einer gewissen Zeit hinterfragt werden, ob sie noch zeitgemäß sind. „Auch ich habe mich das natürlich gefragt mit Blick auf die Ostbeauftragte“, sagt die SPD-Politikerin exklusiv im Interview mit dem Berliner KURIER.
Wir haben in Ostdeutschland noch nicht alle Fragen gelöst. Die strukturellen Unterschiede bestehen nach wie vor.
Auch sie ist Teil einer Generation, die im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen sei. Aber die Besonderheiten ihrer ostdeutschen Identität seien ihr mit den Jahren immer stärker bewusst geworden. „Wir haben in Ostdeutschland noch nicht alle Fragen gelöst. Die strukturellen Unterschiede bestehen nach wie vor“, sagt die 39-Jährige. „Ich glaube daher, dass das Amt der Ostbeauftragten weiter wichtig ist.“
Osten weiß, was Transformation bedeutet
Gerade in einer Zeit, in der Deutschland vor einer weiteren großen Transformation stehe, brauche es eine Stimme für den Osten. „Die Erfahrungen und Perspektiven der Ostdeutschen mit in den Blick zu nehmen, ist unheimlich wertvoll“, sagt Kaiser, die in Gera in Thüringen aufgewachsen ist.

Kaiser sieht die Schwerpunkte ihrer Arbeit darin, Strukturen zu unterstützen und weiterzuentwickeln. In Bereichen wie Landwirtschaft oder bei der Kinderbetreuung habe der Osten historisch bedingt ganz andere Voraussetzungen als der Westen.
Es sollen keine neuen Brüche entstehen
„Sowas muss man immer mit einbeziehen, sonst schafft man neue, vielleicht auch ungewollte Brüche“, sagt Kaiser. Dafür, dass die ostdeutsche Perspektive eine wichtige Rolle bei der Zukunftsfähigkeit Deutschlands spiele, sei sie zuständig.
Seit Beginn der schwarz-roten Bundesregierung im Mai 2025 ist Elisabeth Kaiser Ostbeauftragte. Davor war sie Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen unter Klara Geywitz.




