Sie ist eine Film-Legende der DDR – und die Trauer ist riesig groß: Am Freitag wurde bekannt, dass Schauspielerin Angelica Domröse im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Sie spielte die Paula im Kult-Film „Die Legende von Paul und Paula“, wurde damit zu einer der bekanntesten Schauspielerinnen der DDR. Für zahlreiche Filme und Fernsehproduktionen stand sie vor der Kamera. Doch Angelica Domröse musste auch gegen Dämonen kämpfen – und nach einer besonders dunklen Phase den Weg zurück ins Leben finden. Ein Weg, mit dem sie auch vielen anderen Menschen Mut machte.
Angelica Domröse wurde im Alter von 17 Jahren entdeckt
Angelica Domröse wurde in Berlin geboren, wuchs hier auch bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater auf. Schon im Alter von 17 Jahren wurde sie von einem Regisseur bei einem Casting entdeckt. Der Weg führte sie an die Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam, danach stand sie unter anderem im Berliner Ensemble auf der Bühne. Danach ging es an die Volksbühne – und parallel vor die Kamera: Angelica Domröse arbeitete für das DDR-Fernsehen und die DEFA.
Der große Durchbruch kam mit dem Streifen „Die Legende von Paul und Paula“. An der Seite von DDR-Star Winfried Glatzeder spielte sie hier die alleinstehende junge Mutter Paula. 1973 kam der Streifen in die Kinos – und wurde ein sensationeller Erfolg. Domröse wurde über Nacht zu einer der gefragtesten Schauspielerinnen der DDR. Etwa drei Millionen Zuschauer machten „Die Legende von Paul und Paula“ zu einem der erfolgreichsten Filme der DDR. Am 11. Oktober 1975 lief der Film zum ersten Mal im Fernsehen der DDR, am 7. November dann auch in der BRD – um 20.15 Uhr in der ARD.

Doch Angelica Domröse musste der DDR kurz nach dem riesigen Erfolg den Rücken kehren. Nachdem sie das Protestschreiben gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterzeichnet hatte, machte man ihr das Arbeiten zunehmend schwerer. 1980 siedelte sie mit ihrem Ehemann, dem Schauspieler Hilmar Thate, in die BRD über.
Spannend: 1982 durfte auch Film-Partner Winfried Glatzeder in die BRD ausreisen, nachdem er mehrere Anträge gestellt hatte. Die Folge: „Die Legende von Paul und Paula“ wurde in der DDR nicht mehr gezeigt. Mit Glatzeder und Domröse sollten zwei Republikflüchtlinge aus dem öffentlichen Bewusstsein verbannt werden.
DDR-Star Angelica Domröse machte schwere Zeiten durch
Angelica Domröse setzte ihre Karriere fort. Doch neben allem Erfolg kamen auch schwere Zeiten auf die zu. Ende der 80er-Jahre bis Mitte der 90er-Jahre verfiel sie dem Alkohol. „Ich spielte eine komplizierte Rolle nach der anderen. Ich habe getrunken, um einschlafen zu können, trank, wenn ich fröhlich war, auch wenn ich traurig war“, sagte sie Jahre später in einem Interview mit der SUPERillu. „Dann kam die Angst, dass ich ohne Alkohol keine Phantasien mehr habe. Ich habe darin Kraft gesucht. Plötzlich ging es gar nicht mehr ohne.“

Sie habe irgendwann angefangen, heimlich zu trinken. „Das war so demütigend“, sagte Angelica Domröse. „Ich habe immer gern ein Glas Sekt getrunken, dachte, ich kann aufhören, wenn ich will. Dann habe ich ein paar Wochen oder Monate darauf verzichtet.“ Ohne den Alkohol hätte sie manche Leichtigkeit in ihren Rollen nie gefunden. Ihr Mann Hilmar habe ihr geholfen, wenn auch auf bittere Art. „Seine Hilfe wirkt wie Grausamkeit. Er hat mich bloßgestellt. Wenn jemand für mich anrief, sagte er: ,Die können Sie nicht sprechen, die ist besoffen.‘“
Angelica Domröse besiegte den Teufel Alkohol
Zwei Entziehungskuren habe sie gemacht, doch immer wieder kamen Rückfälle. Der Kampf gegen den Dämon Alkohol war schwer, denn Angelica Domröse musste erst verstehen, dass auch kleine Verstöße gegen die Regeln schwere Folgen haben können. „Erst bei der dritten habe ich kapiert, dass auch das kleinste Glas Sekt tabu ist.“
Dann schaffte sie es. Furchtbar: Bevor sie mit Schauspieler Hilmar Thate in einer Beziehung lebte, war sie mit dem tschechischen Schauspieler Jiri Vrstala liiert. Er war als „Clown Ferdinand“ ein Star des Kinderfernsehens der DDR. Doch auch er war Alkoholiker, die Beziehung der beiden zerbrach daran.

Im November 2009 die nächste schreckliche Meldung von Angelica Domröse. „Das neue Blatt“ meldete, sie habe sich in eine Klinik einweisen lassen, dort werde auch ihre Tablettensucht behandelt. „Angelica hat von Kindheit an Schlafprobleme. Vielleicht, weil sie im Krieg gezeugt wurde“, mutmaßte ihr Mann Hilmar Thate. „Vielleicht empfindet sie daher diese Unruhe und konnte nie ohne Pillen schlafen.“ Im Film war sie nach dem Zusammenbruch noch im Streifen „Bis zum Horizont, dann links!“ von 2012 zu sehen.
Angelica Domröse bleibt eine Legende der DDR
Doch vergessen wurde Angelica Domröse nicht: 2010 wurde sie mit einem Stern auf dem „Boulevard der Stars“ in Berlin geehrt, 2008 mit dem Preis der DEFA-Stiftung für die Verdienste rund um den deutschen Film. 2003 hatte sie bereits die „Goldene Henne“ für ihr Lebenswerk erhalten. Angelica Domröse ist und bleibt eine Legende, die Trauer über ihren Tod ist groß. Erst Anfang April hatte sie ihren 85. Geburtstag gefeiert – zurückgezogen und fernab der Öffentlichkeit.


