Stromausfall in der Hauptstadt

Nur noch peinlich! Auch Merz sagt beim Blackout in Berlin nicht die Wahrheit

Der Bundeskanzler steht nach dem Berliner Stromausfall im Kreuzfeuer der Kritik, da offizielle Angaben im Widerspruch zu früheren Erklärungen stehen.

Author - Sebastian Krause
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Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hat es mit der Wahrheit beim großen Blackout in Berlin nicht so genau genommen.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz hat es mit der Wahrheit beim großen Blackout in Berlin nicht so genau genommen.Malte Ossowski/Sven Simon/imago

Wieder einer, der es mit der Wahrheit nicht ganz so genau genommen hat: Bundeskanzler Friedrich Merz hat am ersten Tag des großen Stromausfalls in Berlin doch nicht mit dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (beide CDU) telefoniert. Eine Sprecherin der Bundesregierung korrigierte jetzt frühere Angaben.

Es hat „kein unmittelbares Gespräch“ stattgefunden

„Der Bundeskanzler war in die Kommunikation mit dem Regierenden Bürgermeister Wegner am 3. Januar 2026 zwar eingebunden, jedoch hat kein unmittelbares Gespräch oder Telefonat stattgefunden“, erklärte sie auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Anderslautende Auskünfte beruhten auf einem „Missverständnis in der Kommunikation“.

Unterlagen zeichnen nun ein anderes Bild

Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ über diesen neuen Sachstand berichtet – unter Berufung auf Unterlagen in einer presserechtlichen Auseinandersetzung mit dem Kanzleramt. Am 17. März hatte ein Sprecher der Bundesregierung auf dpa-Anfrage mitgeteilt, dass es am 3. Januar mehrere Gespräche Wegners mit Merz und Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) gegeben habe.

Der Bundeskanzler war in die Kommunikation mit dem Regierenden Bürgermeister Wegner am 3. Januar 2026 zwar eingebunden, jedoch hat kein unmittelbares Gespräch oder Telefonat stattgefunden.

Sprecherin der Bundesregierung

Dabei sei es um die mögliche Unterstützung des Landes Berlin durch Bundesbehörden zur Bewältigung der Folgen des Stromausfalls gegangen. Nun erklärte die Sprecherin dazu: „Ein Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramtes hat am 3. Januar stattgefunden. Zu anderen Mitgliedern der Bundesregierung jenseits des Bundeskanzleramtes liegen keine Informationen vor.“

Wegner soll ab 8 Uhr telefoniert haben

Wegner hatte im Januar erklärt, er habe an jenem Tag kurz nach 8 Uhr begonnen, Telefonate mit etlichen beteiligten Stellen zu führen, darunter mit der Bundesregierung, konkret dem Kanzleramt und dem Bundesinnenminister. Am 3. Januar hatten mutmaßliche Linksextremisten einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke verübt. Folge war der bislang längste Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte.

Nach einem Anschlag auf die Stromversorgung im Januar waren Teile von Berlin mehrere Tage lang ohne Strom und Licht.
Nach einem Anschlag auf die Stromversorgung im Januar waren Teile von Berlin mehrere Tage lang ohne Strom und Licht.Emmanuele Contini/imago

Im Südwesten der Stadt waren 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe teils tagelang ohne Strom und damit oft auch ohne Heizung. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder für alle hergestellt worden. Wegner war bereits während des tagelangen Blackouts in die Kritik geraten, weil er ein etwa einstündiges Tennismatch am ersten Tag gegen Mittag zunächst verschwiegen hatte.

Fall um Kai Wegner bis heute nicht ganz geklärt

Bis heute ist nicht lückenlos klar, was Wegner am Tag des Brandanschlags genau machte, mit welchen Stellen er wann auf welche Weise Kontakt hatte. Teils gab es dazu widersprüchliche Aussagen.

Einige Details jenes Samstags, den Wegner laut Senatskanzlei mit Ausnahme des Tennismatches zu Hause in seinem Büro verbrachte, wurden durch Medienrecherchen im Nachhinein nach und nach bekannt. Wegner bat später um Entschuldigung für Fehler in seiner Kommunikation. Allerdings spekulieren Medien bis heute über seinen genauen Tagesablauf damals – auch weil es dazu nie eine offizielle Auflistung gab.

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