Die Warnung kam vom Bundeskanzler persönlich: Friedrich Merz (CDU) stellte jüngst klar, dass die gesetzliche Rente allein künftig nur noch eine „Basisabsicherung“ sein kann. Aber wie viel Rente braucht der Deutsche im Durchschnitt als eine solche Basis mindestens und wie groß ist die Rentenlücke? Während die Rentenkommission der Bundesregierung hinter verschlossenen Türen an einem Zukunftsmodell tüftelt, liefert ein neues Gutachten neuen Zündstoff in der Debatte.
Wie viel Geld brauchen Rentner mindestens?
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) untersucht, wie viel Rente die Menschen im Alter tatsächlich mindestens brauchen und wie viel sie sich wünschen. Dafür wurden 4205 Erwerbstätige zwischen 40 und 67 Jahren befragt, wie der GDV mittteilte. Und die Ergebnisse haben es in sich.
„Im Durchschnitt wünschen sich die Deutschen ein Alterseinkommen, das 78 Prozent ihres derzeitigen Nettoeinkommens entspricht. Den Mindestbedarf, um über die Runden zu kommen, sehen sie im Durchschnitt bei 58 Prozent“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV, dieser Redaktion.

Rentenniveau von 48 Prozent viel zu niedrig
Bemerkenswert: Die Forscher fragten nicht nach abstrakten Zahlen, sondern simulierten echte Entscheidungssituationen zwischen Konsum heute gegen Sicherheit morgen. Als Grundlage wurde das Durchschnittsbrutto aller Versicherten im Jahr 2025 genommen, ein jährlicher Betrag von 50.493 Euro.
Zwischen Wunsch-Niveau von 78 Prozent und Mindestbedarf von 58 Prozent klafft eine deutliche Lücke. Und die wird noch größer, wenn man von dem von der Regierung anvisierten Rentenniveau von 48 Prozent ausgeht.
Ein Rentenniveau von 48 Prozent bleibe „weit hinter den gesellschaftlichen Wünschen zurück“, resümieren deshalb die Experten vom DIW. Heißt übersetzt: Die aktuellen Pläne der Bundesregierung laufen auf Renten hinaus, die vielen Menschen ohnehin schlicht zu niedrig sind.
Für den GDV ist die Sache eindeutig: „Die gesetzliche Rente reicht nicht.“ Sie könne „den gewünschten Lebensstandard im Alter für viele nicht abdecken“. Der Verband fordert deshalb eine kräftige Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge, also jener Vorsorgeform, der die Deutschen ohnehin am meisten vertrauen.
Mitte des Jahres will die Renten-Kommission ihre Reformvorschläge vorlegen. Laut Koalitionsvertrag soll auch das Gesamtversorgungsniveau neu definiert werden.


