Der Stromausfall in Berlin trifft tausende Mieter mitten in der Winterkälte. Im Stadtteil Lichterfelde waren plötzlich ganze Straßenzüge ohne Elektrizität. Kabel in der Nähe eines Kraftwerks standen in Flammen und dann gingen die Lichter aus. Die Bilder ähneln denen aus Köpenick im September 2025. Damals sorgte ein Brandanschlag für einen massiven Stromausfall.
Der Strom war am frühen Samstagmorgen in den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde ausgefallen. Betroffen waren laut Stromnetz Berlin 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbebetriebe. Ursache ist der Brand an der Kabelbrücke zum nahegelegenen Kraftwerk Lichterfelde. Dadurch seien mehrere Hochspannungskabel beschädigt worden.

Bewohner bleiben fünf Tage lang ohne Strom
Und für die betroffenen Berliner kommt es jetzt knüppeldick: Am Samstagnachmittag wurde mitgeteilt, dass der Stromausfall wohl bis zum kommenden Donnerstag andauern werde! So die Einschätzung von Stromnetz Berlin. Grund ist der sehr aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher mitteilte. Der Netzbetreiber hofft aber, rund 10.000 Haushalte ab Samstagabend aus anderen Netzteilen wieder zu versorgen.
„Das Ausmaß ist größer, als bei dem Stromausfall in Adlershof im September 2025“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Menschen, die bei Freunden oder Familienangehörigen außerhalb der betroffenen Gebiete unterkommen könnten, sollten dies tun, riet sie.

„Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern“, teilte Stromnetz Berlin mit. „Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026).“ Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort.

Ampeln aus, Geschäfte dicht – und es wird jetzt richtig kalt
Kein Strom heißt jetzt aber auch: Viele Heizungen funktionieren nicht, und das bei diesem Wintereinbruch in der Hauptstadt. Ebenfalls gestört ist der Mobilfunk. Läden sind geschlossen, Ampeln außer Betrieb. Da das ganze Chaos über Tage andauern wird, werden sich viele Menschen überlegen müssen, woanders unterzukommen, denn es dürfte bitterkalt in den stromlosen Wohnungen werden. Der Bezirk teilte mit: „Da der Stromausfall noch auf unbestimmte Zeit andauern wird, weichen Sie bitte auf Familie, Freunde und Bekannte aus.“
Eine erste Notunterkunft für betroffene Menschen ist eingerichtet worden. In einem Sportcenter im Hüttenweg gebe es nun einen Betreuungspunkt des Bezirks, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Auch Betten stehen dort für Menschen, deren Wohnungen zu kalt sind. Weitere Notunterkünfte sollen folgen.

Feuersprecher Adrian Wentzel sagte: „Es ist ein deutlicher Unterschied zum Sommer: Es wird um 16.00 Uhr dunkel, es wird kalt.“ Die Feuerwehr richte sich auf einen mehrstündigen Einsatz ein, „der sich auch garantiert noch bis in die Morgenstunden mindestens ziehen wird“.
Polizei fährt verstärkt Streifen
Die Polizei kündigte verstärkte Streifenfahrten in der Dunkelheit an. Man habe rund 300 Polizisten zusätzlich in dem Gebiet im Einsatz. Am Abend und in der Nacht werde man bestimmte Bereiche ausleuchten. Rat- oder hilfesuchende Menschen könnten sich auch an jeden Polizisten wenden, hieß es.
Parallelen zum Blackout in Köpenick vom September 2025
Von der Dimension her ist der Stromausfall in Lichterfelde sogar noch schlimmer als der Blackout im Berliner Südosten im September 2025. Auch dort sprach der Betreiber Stromnetz Berlin GmbH von zunächst 50.000 betroffenen Kunden. Am Ende blieb der Südosten damals über Tage lahmgelegt. Der Stromausfall dauerte rund 60 Stunden – der längste Ausfall seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Doch das wird der Blackout in Lichterfelde noch übertreffen.
Auch damals in Köpenick war die Ursache ein Brand. Bei einem Anschlag auf zwei Strommasten gingen die Verteiler in Flammen auf. Mutmaßlich steckten Linksextremisten hinter dem Attentat auf die technische Infrastruktur Berlins.

Polizei überprüft ein Bekennerschreiben
Wie in Adlershof 2025 könnten auch in Lichterfelde Brandstifter einen Anschlag verübt haben. Die Berliner Polizei ermittelt bereits in diese Richtung. Bei dem für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz der Polizei ist ein Bekennerschreiben eingegangen. Derzeit werde geprüft, ob das Schreiben authentisch sei, teilte die Polizei auf der Plattform X mit.
In beiden Fällen traf es dicht besiedelte Wohngebiete und in beiden Fällen zeigte sich, wie verwundbar das Stromnetz der Hauptstadt ist. Heizungen fielen aus, Gasherde funktionierten nicht mehr, Kühltruhen tauten ab. Auch die Kommunikation ist bei einem Stromausfall gestört. Handynetze fielen zeitweise aus, Geschäfte mussten schließen, viele Menschen saßen in kalten Wohnungen.




