Luxemburg-Stadt hat es schon wieder geschafft. Während Berliner über Wohnungsmangel stöhnen, Münchner über hohe Mieten jammern und Londoner jeden Tag Stunden im Pendelverkehr verlieren, verteidigt die Hauptstadt des Großherzogtums ihren Titel als lebenswerteste Stadt der Welt.
Eine deutsche Stadt in den Top 5
Zu diesem Ergebnis kommt die Deutsche Bank in ihrem aktuellen Bericht „Mapping the World’s Prices“. Unter 69 untersuchten Städten landet Luxemburg erneut auf Platz eins – vor Kopenhagen auf Platz 2 und Amsterdam an dritter Stelle. Wien und München teilen sich Rang vier.
Warum lebt es sich ausgerechnet in Luxemburg gut? Nun, die Stadt macht offenbar vieles richtig. Die Menschen leben sicher, die medizinische Versorgung gehört zu den besten weltweit, die Luft ist sauber und der Weg zur Arbeit vergleichsweise kurz. Dinge also, die im Alltag oft mehr zählen als jede Hochglanzbroschüre der Tourismuswerbung.
Die Luxemburger verdienen gut
Wer in Luxemburg lebt, muss zwar tief in die Tasche greifen, verdient aber meist auch deutlich mehr als anderswo. Mit einem durchschnittlichen Nettogehalt von 5196 US-Dollar monatlich gehören die Einwohner zu den Top-Verdienern der Welt. Nach Abzug der laufenden Kosten bleibt vielen noch Geld für die schönen Dinge des Lebens.
Und dann ist da noch ein Luxus, von dem Fahrgäste in Berlin nur träumen können: Busse, Bahnen und Straßenbahnen sind kostenlos. Einfach einsteigen, losfahren, fertig.
Der Haken heißt Wohnungsmarkt
Ganz ohne Schattenseiten kommt allerdings auch der Spitzenreiter nicht aus. Wer neu nach Luxemburg zieht und keine eigene Immobilie besitzt, bekommt schnell Bekanntschaft mit einer unangenehmen Realität: Europas teuerste Mieten.
Seit Jahren klettern die Preise nach oben. Für viele Zugezogene wird die Wohnungssuche deshalb zur Geduldsprobe. Auch Dienstleistungen sind teuer. Eine Taxifahrt über fünf Kilometer kostet nur in Zürich und Genf noch mehr.

Trotzdem reicht es für Platz eins. Denn viele andere Großstädte kämpfen mit Problemen, die den Alltag spürbar belasten. London landet lediglich auf Rang 47, Los Angeles auf Platz 49. Lange Pendelzeiten, hohe Belastung durch Verkehr und Luftverschmutzung kosten dort wertvolle Punkte.
München mischt plötzlich ganz oben mit
Besonders bemerkenswert ist der Aufstieg Münchens. Die bayerische Landeshauptstadt macht gleich acht Plätze gut und landet gemeinsam mit Wien auf Rang vier.
Die Gründe liegen auf der Hand: hohe Sicherheitsstandards, eine starke medizinische Versorgung und vergleichsweise hohe Einkommen. Im Schnitt bleiben Münchnern netto 3644 Euro pro Monat. Im Sicherheitsranking belegt die Stadt Platz fünf, bei der Gesundheitsversorgung Rang neun.
Auch andere deutsche Städte schneiden ordentlich ab. Frankfurt erreicht Platz sechs, Berlin landet auf Rang 28.
Während Europa immer teurer wird, passiert in Tokio etwas Erstaunliches
Und dann gibt es noch Tokio. Die japanische Metropole taucht zwar nicht an der Spitze des Lebensqualitäts-Rankings auf, sorgt aber aus einem anderen Grund für Aufmerksamkeit.
Jahrelang galt die Stadt als Synonym für astronomische Preise. Wer an Tokio dachte, dachte an teure Hotels, hohe Mieten und kostspieligen Alltag. Heute sieht die Welt anders aus.
Seit 2012 hat der Yen gegenüber dem US-Dollar rund 51 Prozent seines Wertes verloren. Gleichzeitig stiegen die Preise in Japan laut World Media Corporation nur um etwa 20 Prozent. Die Folge: Für Ausländer ist Tokio plötzlich erstaunlich günstig geworden.

Eine Dreizimmerwohnung kostet dort im Schnitt nur noch etwa ein Viertel dessen, was in New York fällig wird. Selbst ein Restaurantbesuch zu zweit ist inzwischen günstiger als in Warschau oder Prag. Und wer ein neues iPhone kaufen möchte, findet in Japan derzeit oft die niedrigsten Preise weltweit.
Das zeigt, wie unterschiedlich sich Städte entwickeln können. Luxemburg punktet mit Sicherheit, Einkommen und Lebensqualität. Tokio dagegen erlebt eine bemerkenswerte Verwandlung vom einstigen Hochpreis-Schreck zur globalen Schnäppchen-Metropole.
Oder anders gesagt: In Luxemburg lebt es sich vielleicht am besten. In Tokio könnte das Geld aktuell aber weiter reichen.



