Für 60.000 Euro ersteigert

DDR-Insel Ostervilm total kaputt: Käufer brauchte erstmal einen Schnaps!

Für 60.000 Euro wechselte die ehemalige DDR-Militärinsel den Besitzer. Nach der ersten Besichtigung brauchte der Käufer einen Schnaps.

Author - Florian Thalmann
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Sieht charmant aus, ist aber ziemlich kaputt: Die ehemalige Militärinsel Ostervilm aus der DDR.
Sieht charmant aus, ist aber ziemlich kaputt: Die ehemalige Militärinsel Ostervilm aus der DDR.Philip Dulian/dpa

Immer wieder werden in ganz Deutschland besonders schräge Immobilien verkauft, doch diese Auktion schlug alles: Anfang Juni wechselte die ehemalige Militärinsel Ostervilm, eine Station der DDR-Marine, den Besitzer. Für 60.000 Euro ging sie an einen Mann aus Österreich, wurde verkauft als „Objekt mit Entwicklungspotenzial“. Doch nun erklärt Käufer Oliver Pesendorfer, wie kaputt das Areal wirklich ist. Ist die DDR-Insel in Wirklichkeit reif für den Schrott?

Schäden an der DDR-Insel größer als gedacht

„Ich war schon mal kurz auf der Insel und habe geschaut“, sagt der neue Besitzer der Insel aus der DDR in einem Interview mit dem NDR. Nach seinem ersten Blick habe er allerdings einen Schnaps gebraucht, verrät er. „Weil es doch mehr Schäden gibt als angenommen.“ 60.000 Euro hat er für das Stück DDR-Militärgeschichte gezahlt – ohne die Insel vorab jemals besichtigt zu haben. Ein Lost Place mitten im Meer, aus dem er nun etwas Besonderes machen möchte.

Eigentlich sollte aus Ostervilm eine Eventlocation werden, doch weil es davon auf der Insel Rügen schon ausreichend gebe, habe er davon Abstand genommen. Erst einmal müssen sowieso etliche Schäden an dem Eiland behoben werden.

Die Böden sind kaputt, das Gebäude auf der Insel beschädigt. Die Witterung und der Vandalismus haben ihre Spuren hinterlassen. Noch dazu ist alles von einer dicken Schicht Vogelkot bedeckt, der Beton hat Risse, der Stahl der Aufbauten hat Rost angesetzt.

Die ehemalige Militärstation Ostervilm im Greifswalder Bodden. Die Plattform diente der DDR-Volksmarine zum Entmagnetisieren von Schiffen, damit sie nicht von Seeminen mit Magnetzündern erkannt werden.
Die ehemalige Militärstation Ostervilm im Greifswalder Bodden. Die Plattform diente der DDR-Volksmarine zum Entmagnetisieren von Schiffen, damit sie nicht von Seeminen mit Magnetzündern erkannt werden.Philip Dulian/dpa

Um all das finanziell zu stemmen, will Pesendorfer jetzt eine Inselgenossenschaft gründen. Anteile sollen verkauft werden – wer möchte, kann für 999 Euro Mitbesitzer der Insel werden, die dann für Kunst und Kultur geöffnet werden soll. Eine Million Euro sollen so zusammenkommen. Ob das gelingt?

Für Pesendorfer sind die Schäden an der DDR-Insel übrigens kein Grund zum Aufgeben. Er verrät, dass er das Objekt auch gekauft hätte, wenn er von den Schäden gewusst hätte. Er sehe das Potenzial – und dass einiges zu sanieren ist, sei auch ohne Besichtigung klar gewesen.

DDR-Insel steht auf 600 Holzpfählen im Wasser

Was wird also aus der ehemaligen DDR-Militärinsel? Früher wurde das kleine Eiland genutzt, um Schiffe der Marine zu entmagnetisieren, damit sie für die Waffen der Feinde unsichtbar wurden. 1954 wurde die kleine Insel errichtet. Auf rund 600 Holzpfählen steht sie im zehn Meter tiefen Wasser.

Bei den Gebäuden handelt es sich unter anderem um ein Wohnhaus mit einem kleinen Waschraum und ein Maschinenhaus. Drei Matrosen waren hier zu DDR-Zeiten im Einsatz, sie wurden per Boot mit Lebensmitteln und Trinkwasser versorgt.

Den Namen Ostervilm hat die Insel übrigens erst seit 2001. Damals kauften ein Architekt und ein Maschinenbauingenieur die Insel und wollten dort Kunstausstellungen durchführen. Später hieß es sogar, dort könnte ein Bordell eröffnen. Was nun langfristig aus dem Stückchen DDR-Geschichte zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm wird, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.