Auf der Ostsee-Insel Vilm ist wieder Leben eingezogen – das passiert im Moment genau einmal im Jahr. Etwa 50 Schafe wurden diese Woche mit einer speziellen Fähre über das Wasser gebracht, sie verbringen die schöne Jahreszeit nun auf der Insel vor der südlichen Küste der Insel Rügen. Ansonsten ist die Insel bis auf wenige Ausnahmen verbotenes Gebiet. Und das, obwohl sie auf eine spannende Geschichte zurückblickt: Zu DDR-Zeiten war Vilm die geheime Urlaubsinsel der Honeckers – und für normale Menschen gesperrt!
Honeckers Urlaubsinsel liegt südlich von Rügen
Die Insel liegt südlich von der beliebten Urlaubsinsel Rügen, ist nur etwa 2,5 Kilometer lang und 0,94 Quadratkilometer groß. Ein recht kleines Eiland im Rügischen Bodden, das schon im 19. Jahrhundert touristisch genutzt wurde. Hier gab es früher etwa ein Logierhaus, in dem zu Hochzeiten 25 Zimmer zur Verfügung standen. Badestellen wurden eingerichtet, die Gäste kamen teilweise mit Ruderbooten. Viele nutzten die herrlich abgelegene Insel mit nur wenig Verbindung zur Außenwelt zum Entspannen.
Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg gab es hier reichlich Besucherverkehr. Die Stadt Putbus verwaltete die Insel Vilm, bis zu 400 Gäste kamen an Wochentagen, bis zu 1000 waren es am Wochenende. Es gab für mehrere Jahre eine Segelschule, später eine Ausflugsgaststätte. Doch dann erkannte auch der Ministerrat der DDR die Schönheit des abgelegenen Eilands für sich. Und nahm den Menschen die Insel Vilm einfach weg.

1959 wurde die Insel gesperrt – der Ministerrat der DDR nutzte sie fortan als eigenes Domizil für den Urlaub. Elf Gebäude im Stil einer Fischersiedlung wurden errichtet. Hochrangige DDR-Politiker machten hier Urlaub, auch Erich und Margot Honecker waren hier mehrere Male zu Gast. Sie sollen damals laut Berichten in Haus Nummer 2 gewohnt haben. Über einen Zeitraum von 30 Jahren war die Insel Sperrgebiet, nur die DDR-Minister durften sich hier erholen.
DDR-Politiker machten auf Vilm Urlaub
Dazu gehörten neben Otto Grotewohl und Stasi-Chef Erich Mielke auch die Honeckers. Erich Honecker war laut Berichten aber selbst nur zu Gast auf der Insel. Er war zwar der oberste Machthaber der DDR, aber hatte keinen Ministerposten. Im Gegensatz zu Margot Honecker: Die war zu DDR-Zeiten Ministerin für Volksbildung.
Erich logierte auf der Insel Vilm deshalb offiziell als Gast seiner Frau. Rund um die Uhr wurde die Insel von zwölf Polizisten der DDR-Polizei überwacht, damit der Führungsriege des Arbeiter- und Bauernstaates auch wirklich nichts passieren konnte. Die ersten Bilder gab es dann nach der Wende, als das Jugendmagazin ELF99 die Insel besuchte.

Nach der Wende wurde auf der Insel eine Naturschutzakademie aufgebaut. Die Insel ist heute des Naturschutzgebietes Insel Vilm und kann nur sehr eingeschränkt besucht werden: Es gibt hier nur organisierte Führungen für kleine Gruppen an Besuchern. Die Insel Vilm ist heute vor allem für die Tiere und Pflanzen da. Rund 1000 Pflanzenarten gibt es hier, außerdem viele Tierarten.
Die alten und hohlen Bäume, die sich auf der Insel finden, sind perfekte Brutplätze für viele Vogelarten wie den Gänsesäner und den Waldkauz. Zu finden sind auf der Ostseeinsel Vilm auch Graureiher, Kormorane, Steinmarder, Baummarder, Rehe und Füchse. Wildschweine kommen nur zeitweise vorbei – von der benachbarten Insel Rügen.

Im Sommer grasen Schafe auf der Insel Vilm
Ansonsten leben laut Berichten nur zwei Menschen auf der Insel Vilm – und zur schönen Jahreszeit Schafe. Die brachte ein Kapitän laut einem Bericht des Nordkurier erst diese Woche wieder auf die Insel. „Zweimal im Jahr fahre ich die Schafe. Einmal auf die Insel und dann wieder zurück“, sagte der Schiffsführer der Zeitung. Wie der Nordkurier berichtet, haben sowohl der Kapitän als auch die Schafe die Überfahrt ohne Probleme überstanden – sie sehen sich erst im Herbst wieder.


