Fast wie in „Breaking Bad“

Diese Stadt im Osten ist die Zombie-Drogen-Hochburg: Kein Abwasser ist so verseucht

In keiner anderen deutschen Stadt ist das Abwasser so stark mit Crystal Meth belastet wie in Chemnitz. Die Folgen zeigen sich längst auch in den Kliniken.

Author - Mariella Mandurino
Teilen
In Chemnitz gibt es im Abwasser deutliche Spuren der Droge Crystal Meth.
In Chemnitz gibt es im Abwasser deutliche Spuren der Droge Crystal Meth.Hendrik Schmidt

Nein, wir sind hier nicht in einer Folge von „Breaking Bad“! Diese Drogen-Hochburg gibt es wirklich. In keiner anderen deutschen Stadt ist das Abwasser so stark mit Crystal Meth belastet wie in Chemnitz. Die Auswertung der EU-Drogenagentur (EUDA) zeigt: Ausgerechnet eine Großstadt im Osten ist Deutschlands traurige Nummer eins.

Seit Jahren gibt es Spuren von Crystal Meth im Chemnitzer Abwasser

Walter White würde sich vermutlich die Augen reiben. Denn in Chemnitz landet Crystal Meth längst nicht nur bei Dealern oder Konsumenten, sondern im Abwasser. Dort messen Experten seit Jahren die Spuren verschiedener Drogen – und die Werte steigen immer weiter an.

Wie es der Name schon verrät, ist Crystal Meth kristallförmig.
Wie es der Name schon verrät, ist Crystal Meth kristallförmig.Fredrik von Erichsen

Für das Jahr 2025 ermittelte die EUDA eine durchschnittliche Crystal-Meth-Konzentration von 381 Milligramm pro 1000 Einwohner und Tag. Damit liegt Chemnitz erneut an der Spitze aller deutschen Städte. Dahinter folgen Erfurt und Dresden. Besonders alarmierend: Der Wert steigt seit Jahren kontinuierlich an.

Aber warum betrifft es ausgerechnet Chemnitz? Das Gesundheitsamt sieht einen Zusammenhang mit der Lage der Stadt. Die drei deutschen Städte mit den höchsten Crystal-Werten liegen alle vergleichsweise nah an Tschechien, Polen und der Slowakei. In Tschechien und der Slowakei ist der Konsum von Methamphetamin nach Angaben der EUDA besonders verbreitet. Und das wirkt sich anscheinend auch auf Ostdeutschland aus.

Aber nicht nur die Kläranlagen in Chemnitz haben ein ‚Drogenproblem‘. Die Zahl der Suchtkranken nimmt allgemein beträchtlich zu, sagen Mediziner. „Mehr als ein Drittel aller in unserer Klinik behandelten psychiatrischen Patienten hat eine Suchtdiagnose“, sagt Chefarzt Dr. Thomas Barth (62) von der Klinik für Psychiatrie, Verhaltensmedizin und Psychosomatik.

Der Mischkonsum macht den Ärzten zu schaffen

Dabei geht es aber nicht nur um den Konsum von Crystal Meth. Hier ist vor allem der Mischkonsum im Fokus der Ärzte. Es werden häufig gleichzeitig noch Alkohol oder Cannabis konsumiert. Für die Ärzte macht das die Behandlung deutlich schwieriger, und die Suchtstation stößt an ihre Grenzen.

Fast wie bei „Breaking Bad“: Um Crystal Meth zu produzieren, müssen verschiedene chemische Prozesse erfolgen.
Fast wie bei „Breaking Bad“: Um Crystal Meth zu produzieren, müssen verschiedene chemische Prozesse erfolgen.Polizei Brandenburg

Derzeit verfügen sie nur über 19 Betten und zu wenig Personal für die Anzahl der Betroffenen. Das kann zu Wartezeiten von bis zu sechs Wochen führen, mitunter gibt es sogar einen Aufnahmestopp.

Deshalb denkt das Klinikum inzwischen darüber nach, seine Kapazitäten auszubauen. Denn die Entwicklung bereitet den Verantwortlichen Sorgen. Während andere Städte über Schlaglöcher oder Baustellen diskutieren, landet in Chemnitz Jahr für Jahr immer mehr Crystal Meth im Abwasser. Ein trauriger Rekord, auf den wohl niemand stolz sein dürfte.