Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Fahrkartenautomaten sind bei den Berliner Verkehrsbetrieben bald komplett Geschichte. Die BVG schafft die über 700 Geräte nach und nach in den Bussen und Bahnen und auch auf den Stationen ab. Gegenüber dem KURIER machte das Unternehmen klar: Die BVG bereitet gerade die Ausschreibung für Geräte vor, bei der Fahrgäste künftig nur noch elektronisch ein Ticket erhalten.
BVG: Die Fahrkarte aus Papier hat ausgedient
Die gute alte Fahrkarte in Papierform hat damit ausgedient. Erst recht die Automaten, von denen viele seit über 30 Jahren in Betrieb sind. Mehrere Millionen Euro gibt die BVG für die Instandhaltung und Reparatur solcher Automaten aus.
Und die Anschaffung neuer Geräte ist auch nicht gerade billig. Ein Fahrscheinautomat für eine Straßenbahn kostet bis zu 15.000 Euro.
Die Kosten könnte man sich sparen – vor allem das landeseigene Unternehmen BVG. Daher befürwortete Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) bereits vor Wochen die schrittweise Abschaffung der Fahrkartenautomaten.
BVG-Sprecherin Franziska Ellrich sagt jetzt dem KURIER: „Der Ticketkauf im ÖPNV erfolgt inzwischen überwiegend digital über Online- und App-Angebote sowie über Abonnements wie dem Deutschlandticket. Diese Entwicklung berücksichtigen wir in unserer zukünftigen Vertriebsstrategie, um unseren Fahrgästen zeitgemäße und verlässliche Angebote zu machen.“

Der Aufsichtsrat hat darum vor wenigen Tagen die Modernisierung der Vertriebstechnik beschlossen. „Die BVG bereitet derzeit die Ausschreibung einer neuen Generation von Ticketautomaten vor. Ziel ist ein zeitgemäßer, wirtschaftlicher und kundenorientierter Vertrieb. Selbstverständlich wird diese neue Vertriebsstrategie perspektivisch auch im Urbanliner vorhanden sein“, sagt die BVG-Sprecherin.
BVG will Scanner anschaffen
Bereits das Fehlen der ursprünglichen Fahrkartenautomaten in der neuen XXL-Straßenbahn der Berliner Verkehrsbetriebe machte deutlich, dass die Fahrkartenautomaten abgeschafft werden sollen. Nur hat man das öffentlich nicht so konkret gesagt.
Nun wird deutlich: Die 700 Fahrkartenautomaten, die die BVG in Fahrzeugen und auf Bahnhöfen und Haltestellen besitzt, sollen ab 2029 nach und nach abgebaut werden. So steht es in einer Mitteilung der BVG.

Die neuen Geräte, die kommen sollen, sind ein Art Scanner. Wie sie aussehen und funktionieren sollen, erklärt BVG-Vertriebsstoff Michael Beer: „Wir stellen die Vertriebstechnik der Berliner Verkehrsbetriebe grundlegend neu auf. Nach mehr als 30 Jahren wird die bestehende Technik in Fahrzeugen und Stationen schrittweise durch eine neue Generation digitaler Vertriebssysteme ersetzt.“
Und weiter: „Fahrgäste halten künftig einfach ihre Bankkarte vor ein Gerät: den Validator. Das Ticket wird in einer Cloud hinterlegt und kann bei einer Kontrolle verifiziert werden“, erklärt Beer auf dem Social-Media-Kanal Linkedin. „Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Ticketkauf für unsere Fahrgäste einfacher, digitaler und komfortabler machen. Schnell, papierlos und intuitiv.“
Keine Fahrkartenautomaten: Das sagt der Fahrgastverband
Der Berliner Fahrgastverband IGEB sieht hier doch die Neuentwicklung kritisch. „Wir verschließen uns nicht der Realität: Der Ticketkauf mit Bargeld direkt im Fahrzeug entspricht nicht mehr dem Kaufverhalten der Mehrheit. Umso besser muss jedoch die Alternative konzipiert sein“, sagt Verbandssprecher Christian Linow dem KURIER.
Komplett ohne Automaten könnte es auch in Zukunft nicht gehen, erklärt der Verband. „An wichtigen Knotenpunkten braucht es weiterhin stationäre Automaten, die Bargeld annehmen. Dies ist insbesondere für das Aufladen der neuen Guthabenkarte für diejenigen unerlässlich, die auf Bargeld angewiesen sind“, sagt Linow.



