Kommentar

Freche Werbekampagne: Kann die BVG DAS wirklich behaupten?

Unsere Autorin ärgert sich über dieses freche Werbeplakat.

Author - Sharone Treskow
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Die aktuelle BVG-Werbekampagne ist ganz schön frech. Kann sich das Unternehmen ausgerechnet diesen Scherz leisten?
Die aktuelle BVG-Werbekampagne ist ganz schön frech. Kann sich das Unternehmen ausgerechnet diesen Scherz leisten?Zander / Berliner Kurier

Das BVG-Marketing ist an sich sehr gut. Das Unternehmen hat eine eigene Marketing- und Kommunikationsabteilung, arbeitet aber auch mit externen Berliner Agenturen wie den Werbeexperten von Jung von Matt oder Scholz & Friends zusammen. Und das merkt man auch: Das Image der BVG hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Man ist selbstironischer und lustiger geworden – das kommt in der Regel gut an. Doch wie frech kann die BVG werden, wo ist die Grenze?

Dieses BVG-Plakat geht zu weit

Für mich hat die BVG hiermit die Grenze erreicht: „Wir schaffen, was dein/e Ex nicht konnte: Wir ändern uns“, steht auf einem Plakat der aktuellsten Kampagne. Im Hintergrund lächelt eine BVG-Mitarbeiterin freundlich. Man inszeniert sich hier als geläuterter Ex-Partner: früher schwierig, heute einsichtig, bald bestimmt ganz anders. Eine schöne Idee.

Aber als Berlinerin, die jeden Tag mit der BVG unterwegs ist, frage ich mich dann doch: „Habt ihr euch wirklich geändert?“ Meine ehrliche Antwort: „Nein!“ Ich finde nicht, dass man das guten Gewissens behaupten kann.

Volle Bushaltestellen, weil der Bus mal wieder eine Riesenverspätung hat? Standard in Berlin.
Volle Bushaltestellen, weil der Bus mal wieder eine Riesenverspätung hat? Standard in Berlin.Stefan Zeitz Photography/Imago

Vor allem die Busse der BVG kommen nach wie vor ständig zu spät. In meinem Bezirk Steglitz bin ich täglich auf X83 und Co. angewiesen – werde jedoch mehrmals die Woche enttäuscht. Wie bestellt und nicht abgeholt stehe ich an Bushaltestellen und frage mich: Was ist es diesmal? „Nur“ zehn Minuten Verspätung, oder fällt mein Bus wieder ganz aus?

Die BVG hat sich nicht verändert

Mir ist bewusst, dass viele Verspätungen mit dem Berliner Stadtverkehr zusammenhängen. Aber das ist ein bekanntes Problem, und nach fast 100 Jahren Unternehmensbestehen sollte man doch über genug Erfahrung verfügen, um die Ankunftszeiten der Busse besser vorherzusagen und zu planen.

Und man sollte auch genügend Busfahrerinnen und Busfahrer einstellen können, um Krankheitsfälle schnell auszugleichen – und nicht auf dem Rücken der Fahrgäste auszutragen, die dann auf verspätete und vollgestopfte Busse warten müssen. Zu einem stolzen Preis von inzwischen 4 Euro pro Einzelfahrausweis oder 63 Euro im Monat (Deutschlandticket) kann man sich da schon mal veräppelt vorkommen.

Die BVG ist wie ein toxischer Ex

Natürlich: Werbung darf frech sein, Werbung darf übertreiben, Werbung soll Aufmerksamkeit erzeugen. Und das schafft die BVG hier ohne Zweifel. Das Problem ist nur, dass die Fallhöhe mit jedem ironischen Spruch steigt.

Immer wieder fallen U-Bahnen aus oder verspäten sich. Mit der Folge, dass BVG-Fahrgäste sich in überfüllte Züge quetschen müssen.
Immer wieder fallen U-Bahnen aus oder verspäten sich. Mit der Folge, dass BVG-Fahrgäste sich in überfüllte Züge quetschen müssen.Sabine Gudath/Imago

Wer öffentlich behauptet, er habe sich geändert, wird eben auch an seinem Verhalten gemessen. In Beziehungen wie im Nahverkehr gilt: Nicht die Ankündigung zählt, sondern die tatsächliche Verlässlichkeit im Alltag. Und genau da wird es heikel.

Die BVG ist noch immer dieser Ex, der eine starke Nachricht schreibt – und einen dann doch buchstäblich wieder sitzen lässt.

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