Berlin will größer denken – zumindest auf der Straße. Schon ab 2030 sollen sogenannte Doppelgelenkbusse mit stolzen 24 Metern Länge durch die Stadt rollen, vor allem in Spandau und im Süden. Der Haken: Noch ist kein einziges dieser Fahrzeuge bestellt. Und das Projekt kommt kaum voran.
Superlange Busse sollen Berlins Verkehrsprobleme lösen
Bereits seit Jahren wird über die Einführung der überlangen Busse diskutiert. Im Entwurf für den neuen Nahverkehrsplan heißt es nüchtern: „Doppelgelenkbusse sollen im Regelbetrieb eingesetzt werden.“ Zum Vergleich: Ein normaler Gelenkbus misst 18 Meter, ein klassischer BVG‑Eindecker 12 Meter, ein Doppeldecker 13,80 Meter. Die geplanten Superbusse wären damit fast doppelt so lang wie viele Fahrzeuge, die heute unterwegs sind.

Doch Berlin hat Erfahrung mit übergroßen Verkehrsträumen. Die 50‑Meter‑Straßenbahn wartet bis heute auf ihre Zulassung – und auch beim Bus droht erneut Stillstand.
Betriebshof-Ausbau verzögert sich bis 2029
Die technischen und baulichen Hürden sind hoch. Haltestellen müssten verlängert, Werkstätten neu errichtet werden. Jetzt wird klar: Selbst die Grundlage fehlt noch. Die bereits 2022 angekündigte Erweiterung des BVG‑Betriebshofes in Spandau soll erst 2029 fertiggestellt werden. Das geht aus der Antwort der Verkehrsverwaltung auf eine Anfrage des AfD‑Abgeordneten Rolf Wiedenhaupt hervor.

„Der zuletzt vorgestellte Projektzeitplan sieht für den Werkstattanbau eine Fertigstellung im Jahr 2029 vor“, heißt es in einem Schreiben von Staatssekretär Arne Herz (CDU). Ob und wann die BVG die Busse überhaupt bestellen wird, bleibt offen. Die Kosten seien „nicht eindeutig dem Einsatz von Doppelgelenkbussen zuzuordnen“. 2022 war noch von rund 13 Millionen Euro die Rede. Damals hatte die BVG in Spandau geliehene Elektro‑Doppelgelenkbusse bei einem Tag der offenen Tür präsentiert und auf der Heerstraße getestet.
Skepsis im Parlament – Linien weiter nur Theorie
Im Abgeordnetenhaus wächst der Zweifel. Wiedenhaupt warnt: „Der Einsatz von Doppelgelenkbussen droht ein ähnliches Fiasko zu werden wie die Anschaffung des Urbanliners bei der Straßenbahn.“ Die Idee immer größerer Fahrzeuge scheitere häufig an der Realität auf Berlins Straßen.
Dabei gibt es konkrete Pläne. Im Entwurf des Nahverkehrsplans 2026–2028 werden 24‑Meter‑Busse als Option für stark belastete Linien genannt: M32, M36 und M37/137 in Spandau, M48/M85 sowie M76 im Südwesten, dazu M41 und M44 im Süden. Das Ziel: eine Umsetzung vor 2030. Voraussetzung wäre allerdings eine zeitnahe Bestellung der Fahrzeuge. Dazu schweigt die BVG. „Zu Inhalten und Details des Plans äußern wir uns in dieser Phase nicht“, erklärt ein Sprecher.

Die Verkehrsverwaltung bestätigt lediglich Prüfungen entlang „hochausgelasteter Korridore“. Genau dort, wo eigentlich Straßenbahn oder U‑Bahn sinnvoll wären. Doch eine Straßenbahn lehnen Senat und Bezirk in Spandau ab, die U‑Bahn‑Verlängerung gilt als zu teuer.
Fast jede Haltestelle müsste umgebaut werden
Offiziell heißt es, notwendige Umbauten würden „gegebenenfalls“ erfolgen. Ein BVG‑Experte hält diese Darstellung für beschönigend. Tatsächlich müsse fast jede Haltestelle verlängert werden. Besonders problematisch seien enge Straßenzüge wie die Potsdamer Straße oder die Sonnenallee. Kostenschätzungen existieren bislang nicht.
Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen mahnt: 24‑Meter‑Busse seien nur sinnvoll, wenn sie auf beschleunigten, störungsfreien Trassen fahren können. In Berlin sind Busspuren jedoch oft blockiert – darüber klagt die BVG seit Jahren.
Trotzdem preist die Verkehrsverwaltung die Vorteile an. Mit den Superbussen lasse sich bei gleicher Taktung die Kapazität um 30 bis 40 Prozent steigern, gegenüber Doppeldeckern um rund 25 Prozent. Zudem gebe es ein zweites Multifunktionsabteil für Rollstühle und Kinderwagen. Doch ohne passende Haltestellen bleibt auch dieser Vorteil Theorie.
Die Liste der Probleme ist lang
Hinzu kommt ein rechtliches Problem: Die Straßenverkehrs‑Zulassungs‑Ordnung erlaubt in Deutschland eigentlich nur Busse bis 18,75 Meter. Für längere Fahrzeuge braucht es Ausnahmen – und die nur, wenn die Infrastruktur stimmt.



