Das kann man bei der BVG nun gar nicht verstehen. Endlich rollt die neue XXL-Straßenbahn auf der Linie M4 durch die Stadt, Vorstand und Senat jubeln – und die Berliner meckern. Nachdem der Fahrgastverband IGEB im KURIER anprangerte, dass die Super-Tram Urbanliner (ein Zug kostet 5 Millionen Euro) keinen Fahrkartenautomaten besitzt und somit Passagiere unfreiwillig zu Schwarzfahrern machen könnte, hagelt es jetzt seitens der Hauptstädter richtig Kritik.
„Frechheit, wie BVG uns zu Schwarzfahrern machen will“
Viele Berliner schrieben dem Berliner KURIER ihren Unmut zu dem Thema. Der mehrheitliche Tenor: „Wir lassen uns von der BVG nicht zu Schwarzfahrern machen!“ Das will auch Marcel Thalheim nicht, der auf der BVG-Linie M4 stets unterwegs ist, auf der nun auch die XXL-Straßenbahn fährt.
„Ich hole mir jeden Tag eine Fahrkarte in der Straßenbahn und muss jeden Tag von der Buschallee bis zum Alexanderplatz. Wenn ich dann den neuen Urbanliner erwische, in dem ich mir keine Fahrkarte kaufen kann – dann wären 60 Euro Strafe fällig, falls ich kontrolliert werden sollte“, erklärt der Leser. „Ich finde es eine Frechheit, wie die BVG uns mit Absicht schwarzfahren lassen will!“
Nun erklärt die BVG, der Ticketkauf im ÖPNV laufe inzwischen überwiegend digital über Online- und App-Angebote. Dabei vergessen die Berliner Verkehrsbetriebe aber: Nicht jeder Fahrgast hat ein Smartphone oder will es zum Kauf von Fahrkarten benutzen.
Wenn nun diese mit dem Urbanliner auf der M4 (zwischen den Stationen Hackescher Markt und Falkenberg/Zingster Straße) mitfahren wollen oder müssen, riskieren sie, in die Schwarzfahrerfalle zu tappen, weil es in der Bahn keine Fahrkarten zu kaufen gibt. Das befürchtet der Fahrgastverband IGEB.
Rentner kritisieren: BVG vergisst ältere Menschen
Es betrifft auch Berliner wie Evelyn Priller. „Ich bin Rentnerin und habe auf meinem Handy kein Geld zum Bezahlen. Weiß nicht, wie ich das mit dem Ticket auf dem Smartphone machen soll. Es ist eine Frechheit, die älteren Menschen einfach zu vergessen.“

Auch andere Passagiergruppen sind auf einen Fahrkartenautomaten in der Straßenbahn angewiesen, schreibt KURIER-Leser Hartmut Schäffner.
„Ich halte es für ganz natürlich, dass man in einem Verkehrsmittel wie der Straßenbahn Fahrscheine kaufen kann – besonders für Touristen und Ortsfremde, aber auch z. B. für den Fall des gar nicht so seltenen Vergessens einer Abo-Karte. Das ist mir auch schon passiert!“
Woher dann eine Fahrkarte nehmen? Zumal man an den Haltestellen der M4 auch nicht überall Fahrkarten kaufen kann, da es auch an Ticketautomaten mangelt. Darum hat die BVG Haltestellen entlang der M4 mit Info-Zetteln versehen, auf denen Fahrgäste als Alternative aufgefordert werden, ihre Tickets etwa an Kiosken zu erwerben.

„Von einem Kind, einem Rentner oder einem Touristen kann man nicht verlangen, sich die Fahrkarte an irgendeinem Kiosk vorher zu kaufen oder ein Smartphone dafür zu nutzen“, schreibt Jenny Feige.
Auch sie benutzt das Smartphone nicht zum Erwerb von BVG-Tickets. „Ich bin 36 und kaufe mir immer noch die Fahrkarten am Automaten. Hierfür nutze ich keine App“, so Jenny Feige. „Ich fahre nur extrem selten mit den Öffentlichen und entscheide auch oft spontan je nach Zeit, Fahrplan und Wetter, ob ich laufe, Rad fahre oder mit der Straßenbahn fahre.“
Setzt BVG nicht mehr auf die Fahrkartenautomaten?
Aber die BVG will künftig gar nicht mehr so auf die Fahrkartenautomaten setzen. Im gesamten Straßenbahnnetz würden an den 500 bestehenden Automaten im Durchschnitt pro Tag und Straßenbahn nur noch sieben Tickets verkauft, heißt es bei den Berliner Verkehrsbetrieben. Daher wurden in der neuen XXL-Straßenbahn erst keine Automaten eingebaut.



