Ein Platz im Pflegeheim kostet im Osten Deutschlands immer mehr Geld. In Sachsen beispielsweise ist die monatliche Eigenbeteiligung innerhalb eines Jahres um mehr als 300 Euro gestiegen. Den rund 48.600 Pflegeheimbewohnern in Sachsen steht das Wasser laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz bis zum Hals, die Kritik sei berechtigt.
Pflegeheim kostet in Sachsen fast 4000 Euro
Pflegebedürftige und ihre Angehörigen müssen in Sachsen seit dem 1. Juli deutlich mehr für einen Heimplatz bezahlen. Nach einer Auswertung des Verbands der Ersatzkassen (vdek) liegen die Kosten ohne Zuschüsse inzwischen bei durchschnittlich 3472 Euro pro Monat. Das sind über 300 Euro mehr als noch vor einem Jahr, als die Kosten noch bei 3136 Euro monatlich lagen.

Nicht nur in Sachsen, sondern in ganz Ostdeutschland steigen die Pflegekosten kontinuierlich. In Berlin zahlen Pflegebedürftige ohne Zuschüsse 3749 Euro pro Monat. Brandenburg ist mit 3476 Euro deutlich günstiger, in Thüringen zahlen Heimbewohner nur sechs Euro weniger. In Mecklenburg-Vorpommern liegen die Pflegekosten bei 3343 Euro pro Monat.
Im Vergleich der Bundesländer schneidet Sachsen-Anhalt weiterhin am besten ab. Dort zahlen Pflegebedürftige durchschnittlich 3190 Euro pro Monat und damit so wenig wie in keinem anderen Bundesland. Zum Vergleich: Deutschlandweit beträgt die Eigenbeteiligung im Pflegeheim inzwischen 3677 Euro monatlich.
Warum die Kosten für Heimplätze steigen
Die Eigenbeteiligung setzt sich aus den Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitionskosten sowie den pflegebedingten Aufwendungen zusammen. Nach Angaben des vdek sind vor allem die pflegebedingten Kosten gestiegen. Grund seien unter anderem höhere Personalkosten, aber auch Unterkunft und Verpflegung wurden teurer.

Mit der Dauer des Heimaufenthalts sinkt die Eigenbeteiligung, weil die Zuschüsse der Pflegekassen steigen. In Sachsen zahlen Pflegebedürftige im zweiten Jahr mit Zuschüssen durchschnittlich 2831 Euro, im dritten Jahr 2404 Euro und ab dem vierten Jahr 1870 Euro im Monat.
Forderungen nach Entlastung werden lauter
Auch der Verband der Ersatzkassen (vdek) sieht dringenden Handlungsbedarf. Verbandschefin Ulrike Elsner betont: „Es gab Nachholbedarf, und es ist richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden. Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt.“
Der Verband fordert, dass die Bundesländer die Kosten für Bau und Instandhaltung der Pflegeheime sowie die Kosten des Pflegepersonals vollständig übernehmen. Nach Angaben der Verbandschefin könnten Pflegeheimbewohner dadurch im Durchschnitt auf einen Schlag um 649 Euro pro Monat entlastet werden.

Die steigenden Eigenanteile bereiten auch der Deutschen Stiftung Patientenschutz Sorgen. Auch deren Vorstand Eugen Brysch fordert die sächsische Landesregierung auf, die Ausbildungs- und Investitionskosten vollständig zu übernehmen. Nach seinen Angaben könnten die stationären Pflegekosten dadurch sogar um monatlich 709 Euro sinken.
Kritik an der Pflegereform
Aufgrund der sowieso schon hohen Kosten stößt auch die geplante Pflegereform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf Kritik. Linke-Chef Luigi Pantisano warnt: „Pflegebedürftigkeit stürzt Menschen, die ihr ganzes Leben gearbeitet haben, in Altersarmut.“ Außerdem erklärte er: „Die Pflegeversicherung versagt dabei, Menschen gegen die finanzielle Belastung einer Pflegebedürftigkeit abzusichern.“ Er fordert deshalb eine Pflege-Vollversicherung, in die alle entsprechend ihres gesamten Einkommens einzahlen.


