Berlin liegt vorne

Das kommt unerwartet: Pflegekräfte verdienen oft mehr als vorgeschrieben

Ab Juli 2026 wird das Gehalt für Pflegejobs erhöht. Doch eine Auswertung zeigt: In der Praxis zahlen viele Arbeitgeber schon jetzt deutlich über Mindestlohn.

Author - Paula Hitzemann
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Ab Juli steigen die Mindestlöhne in der Pflege, aber eine Auswertung zeigt, dass die meisten Gehälter bereits jetzt deutlich höher sind.
Ab Juli steigen die Mindestlöhne in der Pflege, aber eine Auswertung zeigt, dass die meisten Gehälter bereits jetzt deutlich höher sind.Magnific

Zum 1. Juli 2026 greifen neue Mindestlöhne in der Pflege. Je nach Ausbildung gelten dann unterschiedliche Untergrenzen. Eine aktuelle Auswertung zeigt jedoch: In der Praxis liegt die Bezahlung oft schon deutlich über der Mindestgrenze.

Mehr Geld für Pflege-Jobs

Pflegefachkräfte bekommen mindestens 21,03 Euro pro Stunde, qualifizierte Pflegehilfskräfte 17,80 Euro. Für Hilfskräfte und Quereinsteiger liegt die Grenze bei 16,52 Euro. Die Zahlen stammen aus 18.115 Stellenanzeigen auf der Plattform Pflegia. Die Auswertung zeigt: Zwischen Mindestlohn und tatsächlicher Bezahlung klafft oft eine klare Lücke.

Durchschnittlich verdienen Menschen in der Pflege deutlich über dem neuen vorgeschriebenen Mindestlohn.
Durchschnittlich verdienen Menschen in der Pflege deutlich über dem neuen vorgeschriebenen Mindestlohn.KI-generiert. Daten von Pflegia.

Im Schnitt liegt das niedrigste angebotene Gehalt bereits bei 25,31 Euro pro Stunde für Pflegefachkräfte, 20 Euro für qualifizierte Pflegehilfskräfte und 19,69 Euro für Pflegehilfskräfte und Quereinsteiger. Damit verdienen Beschäftigte je nach Job zwischen 2,20 und 4,28 Euro pro Stunde mehr als künftig vorgeschrieben.

Besonders deutlich ist das Bild bei den Anteilen: 97 Prozent der Stellen für Pflegefachkräfte liegen bereits über der neuen Untergrenze – 94 Prozent bei qualifizierten Pflegehilfskräften und 91 Prozent bei Pflegehilfskräften und Quereinsteigern. Heißt: Für die meisten Jobs verändert sich durch die neuen Regeln wenig. Die Branche zahlt schon heute mehr.

Berlin vorne mit dabei

Auch regional zeigt sich ein klares Bild: Große Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt es kaum. Bei Pflegefachkräften reichen die Werte von 94 Prozent in Sachsen bis zu 100 Prozent in Bremen. Berlin liegt mit 99 Prozent fast an der Spitze. Ähnlich bei qualifizierten Pflegehilfskräften: Berlin erreicht hier sogar 100 Prozent.

Der bundesweite Vergleich zeigt: keine großen Unterschiede zwischen den Gehältern von Pflege-Jobs. Berlin liegt vorne mit dabei.
Der bundesweite Vergleich zeigt: keine großen Unterschiede zwischen den Gehältern von Pflege-Jobs. Berlin liegt vorne mit dabei.KI-generiert. Daten von Pflegia.

Bei Helfern und Quereinsteigern schaffen mehrere Länder, darunter Berlin und Brandenburg, ebenfalls die 100-Prozent-Marke. Am unteren Ende liegen Sachsen-Anhalt mit 80 Prozent sowie Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit jeweils 85 Prozent.

Für die Erhebung wurden mehr als 18.000 Stellenanzeigen mit konkreten Gehaltsangaben geprüft. Entscheidend war jeweils das niedrigste angebotene Gehalt pro Anzeige. So wird sichtbar, was Bewerbern mindestens zugesagt wird.

Warum viele Arbeitgeber mehr zahlen

Die Erklärung liefert der Arbeitsmarkt selbst. Pflegekräfte sind gefragt, Fachpersonal fehlt. Felix Westphal, Geschäftsführer von Pflegia, sagt:
Lohnuntergrenzen bleiben ein wichtiges Instrument, um eine faire Bezahlung sicherzustellen. Für viele Pflegeeinrichtungen sind sie jedoch längst nicht mehr der maßgebliche Orientierungswert.“ Und weiter: „Angesichts des Fachkräftemangels müssen Arbeitgeber oft deutlich höhere Gehälter anbieten.“

Interessant: Beim Jobwechsel spielt das Gehalt nicht immer die Hauptrolle. Laut Pflegia achten viele Beschäftigte stärker auf sichere Jobs, planbare Arbeitszeiten und gute Bedingungen im Alltag.
Das zeigt: Wer Personal gewinnen will, muss mehr bieten als nur ein gutes Gehalt.

Wie viel verdienen Sie in Ihrem Pflegejob? Sind Sie damit zufrieden? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.