Viele Senioren haben jahrzehntelang gearbeitet und trotzdem reicht ihre Rente nur für das Nötigste. Im Neuköllner Büro der Seniorenhilfe Lichtblick zeigt sich täglich, wie schnell Altersarmut Realität wird. Deshalb unterstützt der Verein bedürftige Senioren mit finanziellen Soforthilfen, Lebensmittelgutscheinen, Veranstaltungen und Patenschaften.
Unterstützung im Alltag
Wenn in der Seniorenhilfe Lichtblick in Berlin-Neukölln das Telefon klingelt, geht es selten um Kleinigkeiten. Die Anliegen sind konkret und oft existenziell: „Meine Waschmaschine ist kaputt gegangen“, „Ich brauche eine neue Brille“ oder „Mein Kühlschrank ist leer“. Das Team hilft, wo es kann: mal finanziell, mal mit einem offenen Ohr.

„Wir haben täglich mit bedürftigen Senioren zutun. Sie rufen uns an oder schreiben uns und wir reden mit ihnen“, erzählt Mareike Junge-Jetten (46), Leiterin des Berliner Büros dem KURIER. Bundesweit (u. a. in München und Münster) unterstützt die Seniorenhilfe Lichtblick 31.000 ältere Menschen, rund 200 davon in Berlin.
Frauen sind besonders häufig von Altersarmut betroffen. „Vor allem die, die in Teilzeit gearbeitet haben, Kinder erzogen haben oder Care-Arbeit übernommen haben und dadurch weniger verdienen konnten“, so Junge-Jetten.
Seniorenhilfe auf Augenhöhe
Der Verein unterstützt Senioren, deren Rente mit Grundsicherung im Alter oder Wohngeld aufgestockt wird, oder deren kleine Rente nur knapp über der Bemessungsgrenze für Sozialleistungen liegt. „Wir prüfen jeden Einzelfall“, erzählt Junge-Jetten.
Der Standort ist bewusst gewählt. „Ganz nah an den Menschen und direkt neben Seniorenberatung und Pflegestützpunkt.“ Viele kommen persönlich vorbei, andere melden sich telefonisch, per Mail oder Brief.
Die größte Hürde ist häufig die Scham. Viele Senioren haben bereits Grundsicherung oder Wohngeld beantragt und fühlten sich ausgelaugt von Formularen und Nachweisen.

Auch bei Lichtblick muss einmalig die finanzielle Situation offengelegt werden. Einnahmen, Ausgaben, Versicherungsverlauf. Aber der Bogen ist sehr simpel und übersichtlich gehalten.
Der Kontakt zwischen Verein und Senioren bleibt immer bewusst persönlich. „Hilfe soll auf Augenhöhe stattfinden“, betont Dreher. Automatismen gibt es nicht. „Es ist uns wichtig, im Dialog zu bleiben. Manche Senioren erzählen viel, andere bleiben anonym. Beides ist in Ordnung.“
Finanzielle und emotionale Hilfe
Die Menschen kommen mit ganz unterschiedlichen Unterstützungswünschen auf den Verein zu. Junge-Jetten: „Das kann zum Beispiel sein, dass ihre Waschmaschine kaputtgegangen ist und sie sich eine Reparatur oder Neuanschaffung finanziell nicht leisten können.“
„Andere benötigen dringend eine neue Brille, die mit hohen Kosten verbunden ist. Oder es geht um existenzielle Dinge wie Lebensmittel, etwa wenn der Kühlschrank leer ist.“ Dann werden Lebensmittelgutscheine vergeben, die bei Discountern eingelöst werden können.

Ein konkretes Beispiel: Ein älterer Mann musste seine Wäsche zweimal pro Woche mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Waschsalon schleppen. Das Geld dafür fehlte dann für Lebensmittel. Lichtblick finanzierte ihm eine Waschmaschine.
Tiere sind oft ihr einziger Kontakt im Alltag.“
Der Verein hilft auch dort, wo soziale Bindungen entstehen wie etwa bei Haustieren. Tierarztkosten sind stark gestiegen und für viele Senioren kaum noch zu stemmen.
Veranstaltungen gegen Einsamkeit
Mit Altersarmut geht häufig Einsamkeit einher, da vielen Menschen das Geld für Freizeitaktivitäten fehlt. Lichtblick-Kollegin Kirsten Dreher (52) kümmert sich oft um Veranstaltungen. Sie erzählt: „Wir organisieren ganz unterschiedliche Angebote. Im Bereich Weiterbildung führen wir beispielsweise Tablet-Kurse durch, um die Teilhabe an der Digitalisierung zu fördern.“

Theaterbesuche, Kino, Naturführungen, Dampferfahrten, Restaurantbesuche, Fernsehturm – das Angebot ist breit. Neben kulturellen Events werden auch bewegungsfördernde Angebote wie Sportaktivitäten und Achtsamkeitsübungen angeboten. Ziel ist nicht nur Beschäftigung, sondern vor allem Begegnung.
Ein Team mit klarer Mission
Das Büro in Berlin-Neukölln gibt es erst seit einem Jahr, das Büro in München wurde aber bereits vor über 20 Jahren gegründet. Obwohl bereits 200 Menschen durch den Berliner Standpunkt unterstützt werden, sei noch Kapazität nach oben.
Wir wünschen uns, dass noch viel mehr Menschen unsere Hilfe in Anspruch nehmen.“
Lichtblick arbeitet rein spendenfinanziert. Junge Jetten: „Im Moment können wir noch jedem helfen und wir hoffen natürlich, dass wir auch weiterhin ausreichend Spenden erhalten.“ Der Verein existiert seit über 20 Jahren, die Gründerin wurde 2023 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, betont Dreher. Die wirtschaftliche Lage merken sie trotzdem. „Die Menschen überlegen sich schon gut, für wen sie spenden.“
Hilfe bis tief in den Osten
Die Arbeit in der Hauptstadt bringt eigene Probleme mit sich. Lange Wege, eingeschränkte Mobilität und oft kaputte Aufzüge im Nahverkehr. Für viele Senioren wird selbst eine kurze Strecke zur Hürde. Deshalb versucht das Team, Veranstaltungen über die ganze Stadt zu verteilen. Einige kommen sogar aus Brandenburg, etwa eine Seniorin aus Eberswalde, die regelmäßig an Angeboten teilnimmt.

Ein Ziel des Vereins: den Osten abdecken. „Denn auch da gibt es viele alte Menschen, die unsere Hilfe brauchen“, so Junge-Jetten. „Wir besprechen deshalb auch alle Belange von ostdeutschen Senioren, die kein Büro in ihrer Nähe haben.“


