Eine Brücke verbindet die Menschen in Karow und Buch – oder trennt sie voneinander. Auf der einen Seite: Hochhäuser und Plattenbauten, kleine Wohnungen und vermüllte Ecken. Auf der anderen: Einfamilienhäuser mit großem Grundstück und saubere Gehwege. Zwei Rentnerinnen zeigen dem KURIER, was das für ihren Alltag bedeutet.
Eine Brücke, zwei Welten
Eine breite Autobahnbrücke im Nordosten Berlins, der Verkehr rauscht. Wer hier auf der B10 steht, sieht zwei Seiten von Pankow auf einen Blick: In Richtung Karow reihen sich Einfamilienhäuser mit großen Gärten, gepflegte Hecken und ruhige Straßen aneinander.

Auf der anderen Seite, in Richtung Buch, prägen Plattenbauten, Hochhäuser und unebene Straßen das Bild. Die Karower Chaussee verbindet Karow und Buch, die beiden Viertel liegen nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Trotzdem ist der Unterschied im Alltag deutlich spürbar.
Der Alltag zwischen Bus und Beton
Sigrid (66) wohnt bereits seit 40 Jahren nahe der Karower Chaussee. Ihre Wohnung: drei Zimmer, etwa 70 Quadratmeter, rund 800 Euro Miete. Plattenbau. Die Rentnerin habe lange in der Verwaltung gearbeitet und käme heute mit ihrer Rente heute ganz gut klar.

„Ich habe ungefähr 2000 Euro. Also Zusatzrente und normale Rente“, erzählt sie uns. Sie fühle sich generell wohl in Buch, aber in dem Viertel liefe einiges schief. Vor allem die Infrastruktur sei schwierig. „Die Busse fallen aus oder haben ganz viel Verspätung“, sagt die 66-Jährige. Und Einkaufsmöglichkeiten seien knapp.

Aber auch sonst sieht sie Probleme: „Es ist an manchen Stellen hier sehr verkommen.“ Trotzdem bliebe sie gern in Buch – vor allem wegen der Ruhe. „Es gibt nicht so viel Verkehr und es ist schön grün“, findet sie.
Der Alltag im Grünen
Auf der anderen Seite der Brücke lebt Elsa einen anderen Alltag. Früher war die heute 85-Jährige Stenotypistin, heute genießt sie eine gute Rente. Sie lebt mit ihrem Mann auf rund 1000 Quadratmetern in einem schönen Haus mit einem großen Garten.

„Wir wohnen seit 1971 hier“, erzählt sie. Ihre Rente betrage ca. 1300 Euro, doch anders als bei Sigrid fällt die Miete weg – das Haus ist ihr großer Vorteil. Das Grundstück konnten sie und ihr Mann sich damals leisten, weil sie einige Jahre im Ausland gearbeitet haben. „Da gab es viele Zuschläge“, ergänzt sie.

Elsas Alltag ist geprägt von kurzen Wegen und viel Bewegung. Sie fahre zum Einkaufen oft nach Buch. Einkaufen, Ärzte, Klinik – alles ist mit dem Fahrrad erreichbar, aber notfalls haben sie auch ein Auto.
Vor allem aber genießt sie das Leben im Grünen: „Wir finden das Wohnen hier wirklich schön. Alles ist schön ruhig und die Nachbarn sind nett.“ Sie ergänzt stolz: „Ich arbeite aber auch noch wie verrückt im Garten.“
Gleiche Rente, unterschiedlicher Alltag
Beide Frauen leben in Pankow, beide sind im Ruhestand – doch ihr Alltag könnte unterschiedlicher kaum sein. Die Höhe der Rente allein erklärt diese Unterschiede nicht. Es sind Eigentum oder Miete, Situationen und Chancen von früher, die bis in die Rente nachwirken. Und obwohl ihr Lebensstandard ein anderer ist, genießen beide Frauen im Alter vor allem eins: die Ruhe im Grünen.


