Die Häuser mit den bunten Fassaden reihen sich ordentlich aneinander, dahinter liegen versteckte Innenhöfe, die dem Kiez ein beinahe abgeschirmtes, fast schon verschlafenes Gefühl geben. Zwischen ruhigen Straßen, schönen Altbauten und viel Grün ringsum wirkt dieser Teil von Berlin‑Pankow unspektakulär. Und doch: Hinter einer dieser Türen lebte ein Serienmörder. Unentdeckt in diesem scheinbar friedlichen Kiez wurde ein Mann zerstückelt – und gegessen.
Sie leben mitten unter Nachbarn, sind unauffällig, fast unsichtbar, gehen einkaufen, führen scheinbar ein normales Leben. Niemand hätte geahnt, dass sich hinter ihrer Wohnungstür das Grauen verbirgt. Der KURIER wirft einen Blick auf drei dieser Täter und zeigt, wo das Böse zu Hause war.
Der Kannibale von Pankow
Ein Berliner Lehrer lockt einen 43-jährigen Monteur unter dem Vorwand eines Sex-Treffens in seine Wohnung. Er schneidet seinem noch lebenden Opfer die Kehle durch, lässt es ausbluten und zerstückelt die Leiche. Danach entfernt er die Hoden und den Penis, um beides zu verspeisen. Er praktiziert Rollenspiele mit sedierten Sexpartnern, treibt sich in einschlägigen Klubs herum und hat Schlacht- und Kannibalismusfantasien.

Als Ermittler im November 2020 Knochen eines vermissten Mannes in einem Waldstück in Berlin‑Buch entdecken, werden sie über eine Dating‑Plattform auf Stefan R. aufmerksam. In seiner Wohnung in Pankow finden sie Blutspuren, Knochen und Gerätschaften wie Sägen sowie eine Kühltruhe. Im Keller des Hauses befinden sich zudem eine Sackkarre, eine Knochensäge und 25 Kilo des Reinigungsmittels Natriumhydroxid, das „zum Auflösen menschlichen Gewebes geeignet“ sei, so ein Ermittler.
Der Angeklagte bestreitet die Tat im Prozess, grinst aber zwischendurch immer wieder. Das Gericht spricht Stefan R. des Mordes und der Störung der Totenruhe schuldig.
Der Kopf im Hinterhof
Rund um das Wohnhaus ist es für Kreuzberger Verhältnisse ruhig: vor allem Wohnhäuser, wenig Laufpublikum, kaum Szene-Gastronomie. Ein unauffälliger, fast idyllischer Kiez nahe dem Potsdamer Platz. Nachbarn sehen ihn täglich, grüßen ihn im Treppenhaus. Er wirkt wie jeder andere. Erst im Nachhinein erschienen kleine Auffälligkeiten verdächtig.

Dann: Ein Kopf im Hinterhof, ein Mann, der brüllend auf der Terrasse steht und ein Messer wetzt, und sechs kleine Kinder, die nebenan sind. Orhan S. tötet seine Ehefrau Semanur S. mit zahlreichen Messerstichen, schneidet ihr eine Brust ab und enthauptet sie. Den Kopf wirft er von der Dachterrasse der Wohnung in den Hof.
Als Erklärung für seine Tat sagt er später, dass Gott ihm die Tat befohlen hatte. „Ich wollte den Teufel schlachten. Ich wollte sie zerstückeln, sodass nichts mehr zusammenpasst.“ Er sei Jesus und seine Frau sei der Teufel gewesen. Seine Tat bereue er nicht.

Die Trauer um Semanur S. ist groß und löst eine bundesweite Debatte aus. Vor allem innerhalb feministischer Bewegungen und migrantischer Communitys, aber auch in der breiten Öffentlichkeit, entfacht eine Grundsatzdiskussion darüber, wie patriarchalen Strukturen und Gewaltfällen entgegengewirkt werden kann.

Auch die Rufe nach besseren Hilfsangeboten für bedrohte Frauen werden laut. Und eine Frage stellen sich die Trauernden immer wieder: Wie hätte man das verhindern können?
Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof
Es ist die Zeit des Umbruchs, der Wiederaufbau nach dem 1. Weltkrieg, der Beginn der Goldenen 20er. Auf der Suche nach Arbeit und einer hoffnungsfrohen Zukunft kommen jeden Tag neue Menschen nach Berlin. Viele von ihnen erreichen als Erstes den Schlesischen Bahnhof, heute Ostbahnhof.

Junge Frauen aus der Provinz hoffen auf eine Anstellung als Dienstmädchen in einem vornehmen Haushalt. Doch für genau diese hoffnungsvollen Landpomeranzen interessiert sich auch der Hausierer Carl Großmann. Er spricht sie an, lockt sie in seine Wohnung, quält und zerstückelt sie. Dann entsorgt er sie in der Spree. Zwischen der Schillingbrücke und dem Engelbecken waren seit Monaten beinahe täglich Teile weiblicher Körper gefunden worden.

Großmann wird schließlich auf frischer Tat in seiner Wohnung ertappt, nachdem nachts Schreie aus seiner Wohnung zu hören waren. Schätzungen zufolge ist er für das Verschwinden von bis zu 100 Mädchen verantwortlich, er gibt jedoch nur drei Morde zu. Seine Polizeiakte beschreibt ihn als perversen Lustmörder.
Der Prozess endet vor dem geplanten Urteilsspruch, da sich Großmann am 5. Juli 1922 in seiner Zelle im Gefängnis Moabit erhängt. Er gilt bis heute als der Serienmörder mit den vermutlich meisten Opfern in Deutschland, der für seine Taten nicht verurteilt wurde.



