Rentenplanung

Senior bereut fatale Entscheidung – Renten-Fehler holt ihn im Alter ein

Achtung: Frühzeitige Entnahmen aus der Rente verringern zukünftige monatliche Auszahlungen erheblich.

Author - Sharone Treskow
Teilen
Ein Brite hat sich zu früh an seiner Rente bedient und mit einer Einmalzahlung seine Altersvorsorge geschwächt. (Symbolbild)
Ein Brite hat sich zu früh an seiner Rente bedient und mit einer Einmalzahlung seine Altersvorsorge geschwächt. (Symbolbild)Dmitrii Marchenko/Imago

Chris Hull, ein 73-jähriger Brite aus Norwich, blickt heute mit gemischten Gefühlen auf eine Entscheidung zurück, die er vor über einem Jahrzehnt getroffen hat. Mit 60 nahm er eine steuerfreie Einmalzahlung aus seiner Betriebsrente – damals schien das verlockend, heute bereut er es.

Wie eine Einmalzahlung alles verändert hat

Monatlich erhält Hull heute 1423 Pfund, rund 1644 Euro, bestehend aus staatlicher und betrieblicher Rente. Wie die britische Zeitung The i Paper berichtet, hält Hull mit Blick auf seine Finanzlage die vorzeitige Auszahlung von damals inzwischen für einen Fehler.

Der Hintergrund: Hull hatte die Betriebsrente bereits in Anspruch genommen, obwohl er noch in Teilzeit arbeitete. „Infolgedessen erhalte ich nicht so viel aus meinen Renten, wie ich bekommen hätte, wenn ich das Geld dort belassen und es später bezogen hätte“, erklärt er. Seine Entscheidung, in den 2000er-Jahren die Arbeitsstunden zu reduzieren und früher Rente zu beziehen, war bewusst – doch heute spüre er die finanziellen Folgen „deutlicher als erwartet“.

Der Brite hält die Auszahlung von damals inzwischen für einen Fehler. (Symbolbild)
Der Brite hält die Auszahlung von damals inzwischen für einen Fehler. (Symbolbild)Dmitrii Marchenko/Imago

Beruflich blickt Hull auf eine lange Laufbahn zurück: Viele Jahre arbeitete er im Adoptionsbereich, später in der Nachadoptionsarbeit. Zwischendurch war er selbstständig und zahlte in eine private Rente ein. Heute stammen rund 950 Pfund – also etwa 1097 Euro im Monat – aus der staatlichen Rente. Der Rest verteilt sich auf zwei kleinere Betriebsrenten.

Ruhestand ohne Schulden – Hull lebt bewusst sparsam

Trotz seiner Reue über den frühzeitigen Kapitalabzug beschreibt der 73-Jährige sein aktuelles Leben als stabil und zufriedenstellend. „Ich bin mit den Rentenzahlungen, die ich erhalte, zufrieden und ausgeglichen, und ich denke, das liegt an meinen Lebenswerten“, sagt der Brite. Anstatt sich über die finanziellen Einschnitte zu grämen, konzentriert er sich auf seinen Alltag, der von bewusster Einfachheit geprägt ist.

Hull lebt schuldenfrei in seinem eigenen Haus, ein entscheidender Vorteil in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten. Ein Auto besitzt er nicht, stattdessen setzt er aufs Fahrrad. Auch bei Energie achtet er auf einen sparsamen Verbrauch. Für größere Ausgaben könnte er auf seine Ersparnisse von rund 25.000 Pfund (etwa 28.887 Euro) zurückgreifen, die er als finanzielles Polster bereithält.

Warum sich frühe Rentenauszahlungen rächen können

Wer zu früh Geld aus seiner Rente abzieht, wie der Mann aus England, schmälert dauerhaft sein späteres Einkommen. Das gilt auch in Deutschland. Denn das entnommene Kapital kann nicht weiterwachsen – weder durch Zinsen noch durch Wertsteigerungen. Je früher der Griff in die Rentenkasse erfolgt, desto stärker wirkt sich dieser fehlende Zinseszinseffekt über die Jahre aus.

Seinen Rententopf sollte man lieber nicht frühzeitig anrühren.
Seinen Rententopf sollte man lieber nicht frühzeitig anrühren.Iuliia Zavalishina/Imago

Hinzu kommt, dass die monatliche Rente lebenslang niedriger ausfällt, weil sie aus einem deutlich kleineren Kapitaltopf berechnet wird. In einem realistischen Beispiel bedeutet eine Entnahme von 25.000 Pfund (rund 28.900 Euro) mit 60, dass diese Summe bis zum regulären Rentenstart nicht mehr auf fast 33.000 Pfund (etwa 38.100 Euro) anwachsen kann. Gleichzeitig sinkt die monatliche Auszahlung für den Rest des Lebens – häufig um mehrere Dutzend Pfund pro Monat.

Über die Jahre können so schnell mehr als 20.000 Pfund (rund 23.000 Euro) verloren gehen, allein durch entgangene Rendite und dauerhaft geringere Rentenzahlungen. Der Fall des Briten zeigt eindrücklich, dass eine frühzeitige Auszahlung zwar kurzfristig attraktiv wirkt, langfristig aber hohe finanzielle Einbußen mit sich bringen kann.

Haben Sie eine ähnliche Erfahrung gemacht? Schicken Sie uns einen Leserbrief per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com.