Der Osten zahlt mehr. Während in den westdeutschen Bundesländern ein pflegebedingter Eigenanteil ohne Zuschläge von durchschnittlich 1995 Euro für ein Heim entsteht, sind es in Ostdeutschland sogar 2051 Euro. Das geht aus Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zum Stichtag 31. März 2026 hervor, die dem Berliner KURIER vorliegen.
Entwicklung zeichnet sich bereits seit Jahren ab
Die Entwicklung hatte sich bereits im vergangenen Jahr abgezeichnet. 2025 lag der durchschnittliche pflegebedingte Eigenanteil ohne Zuschläge im Osten bei 1941 Euro, im Westen bei 1933 Euro.
2017 lagen die Kosten noch bei 397 Euro im Osten
Die Zahlen sind in den vergangenen Jahren rapide gestiegen. Zum Vergleich: 2017 lag der pflegebedingte Eigenanteil ohne Zuschläge im Westen noch bei durchschnittlich 674 Euro, im Osten bei 397 – ein Unterschied von 277 Euro.

Insgesamt sind die Kosten für einen Heimplatz im Westen höher. Dort liegen die Gesamtkosten bei 3662 Euro. Neben dem pflegebedingten Eigenanteil von 1995 Euro kommen noch 1113 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 554 Euro für Investitionen dazu.
Es gibt weiter Unterschiede zwischen Ost und West
In ostdeutschen Bundesländern liegen die Heimkosten insgesamt bei 3354 Euro. Zusätzlich zum pflegebedingten Eigenanteil von 2051 Euro kommen noch 891 Euro für Unterkunft und Verpflegung sowie 412 Euro für Investitionen dazu.

„Es gibt sicherlich weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West“, sagt Nadine-Michele Szepan, Abteilungsleiterin Pflege beim AOK-Bundesverband, im Gespräch mit dem Berliner KURIER. Ein Grund für die insgesamt höheren Kosten im Westen seien die Lebenshaltungskosten.
Berlin ist im Osten am teuersten
Bezieht man Berlin mit ein und blickt auf die Zahlen (ohne Leistungszuschlag) im Osten, bezahlt man in der Hauptstadt mit 3650 Euro am meisten. Der pflegebedingte Eigenanteil liegt bei 2362 Euro. Deutschlandweit am teuersten ist Baden-Württemberg mit 4005 Euro, der Eigenanteil liegt bei 2330 Euro.
Am günstigsten im Osten und deutschlandweit ist es in Sachsen-Anhalt. Dort liegt die Gesamtsumme bei 3151 Euro, der pflegebedingte Eigenanteil beträgt 1971 Euro.
Kann man sich den Heimplatz noch leisten?
Warum aber sind die Kosten in Ost und West so unterschiedlich? Und wird mit der angekündigten Pflegereform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) alles noch teurer? Werden Bedürftige sogar ausgegrenzt?

Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege, sagt dazu dem KURIER: „Die Menschen in Ostdeutschland haben häufig keine oder nur kleine Vermögen – sie haben also keine Reserven, auf die sie zurückgreifen können.“ Heißt: Für Menschen im Osten wird es immer schwerer, sich einen Heimplatz leisten zu können.
Im Osten wird gehandelt, im Westen geleugnet
Greiner sieht im Osten aber auch Vorteile. Zum einen sei die Pflege im Durchschnitt günstiger, zum anderen seien die ostdeutschen Bundesländer pragmatischer in der Pflegepolitik.
Die Menschen in Ostdeutschland haben häufig keine oder nur kleine Vermögen – sie haben also keine Reserven, auf die sie zurückgreifen können.
„Während Probleme im Westen häufig noch geleugnet werden, wird im Osten gehandelt und an Lösungen gearbeitet. Gute Pflegepolitik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit und der richtigen Prioritätensetzung: Die Versorgung der Pflegebedürftigen gehört an erste Stelle. Der Osten ist hier weiter“, sagt Greiner.
Pflegekosten sollten gedeckelt werden
Dennoch laufen die Kosten zunehmend aus dem Ruder. Gerade deshalb versucht die Bundesregierung, mit der Pflegereform gegenzusteuern. Fraglich ist nur, ob das gelingt.

Diakonie Deutschland plädiert daher für eine Deckelung des Eigenanteils, damit die Kosten für Bewohner von Pflegeheimen kalkulierbar bleiben. „Als Gesellschaft müssen wir uns fragen: Wollen wir wirklich bei unseren Eltern und Großeltern den Rotstift ansetzen? Wenn die Ministerin jetzt plant, die Zuschüsse zu den Pflegekosten weniger schnell steigen zu lassen, ist das genau der falsche Weg“, sagt Diakonie-Präsident Rüdiger Schuch.
Vielen Menschen droht das Armutsrisiko
Statt ständiger Erhöhungen brauche „es dringend eine Entlastung, damit Pflege kein Armutsrisiko“ werde, so Schuch. Bei aller Notwendigkeit von Reformen der Pflegefinanzierung sei es wichtig, dass die Versorgung der Pflegebedürftigen sichergestellt sei. „Pflege darf nicht arm machen“, mahnt Elke Ronneberger, Bundesvorständin Sozialpolitik der Diakonie Deutschland.

Nach aktuellen Angaben der AOK lagen die Gesamtkosten für einen Pflegeheimplatz bei durchschnittlich 5.134 Euro für Pflege, Unterkunft, Verpflegung und Investitionen in die Pflege-Infrastruktur. Die Pflegekasse übernimmt 2.462 Euro, die Pflegebedürftigen zahlen 2.672 Euro.




