Es ist eine Entscheidung, die viele Krimi-Fans fassungslos macht. Der MDR setzt den „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg und den „Tatort“ aus Dresden für drei Jahre aus. DDR-Schauspielerin Claudia Michelsen geht deshalb auf die Barrikaden. Die TV-Kommissarin sieht darin nicht nur das Ende zweier erfolgreicher Formate, sondern auch ein fatales Signal für Ostdeutschland. Ihre klare Frage: „Was passiert hier mit dem Osten?“
Claudia Michelsen: „Was passiert hier mit dem Osten?“
Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung findet Michelsen deutliche Worte. „Eigentlich möchte ich schon lange nicht mehr über den Osten oder den Westen reden. Aber wir kommen mit dieser fatalen Entscheidung des MDR tatsächlich wieder in die Situation zu sagen: Was passiert hier mit dem Osten?“

Besonders kritisch sieht die Schauspielerin die ohnehin geringe Präsenz ostdeutscher Geschichten im ARD-Programm. „Wir haben 19 ,Tatorte‘, davon sind 17 im Westen, mit den beiden aus Österreich und der Schweiz – also zwei im Osten, wenn man Berlin dazuzählen möchte. ,Polizeirufe‘ haben wir vier, einen in Bayern, der zweite spielt in Rostock, wird aber vom NDR in Hamburg produziert, bleiben noch Frankfurt (Oder) und Magdeburg. So ist also der Osten am Sonntagabend in der ARD vertreten, das ist die bittere Realität.“
Für Michelsen erfüllt der Magdeburger „Polizeiruf“ eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Die Zuschauer würden sich in den Geschichten wiederfinden und ernst genommen fühlen. „Wir spüren das bei jedem Dreh. Sachsen und Sachsen-Anhalt finden statt.“
Genau deshalb hält sie die angekündigte Pause für einen schweren Fehler. „Und wenn man diese Identifikationsfläche nimmt durch eine Pause, die als Pause nicht funktionieren wird und deshalb auch nicht zu akzeptieren ist, führt das zu einem noch massiveren Minimieren des Ostens, der eh schon minimiert ist im Programm.“
„Polizeiruf“ schafft Verbindung zwischen Ost und West
Die Schauspielerin betont außerdem die Bedeutung solcher Formate für das regionale Selbstverständnis. Sie seien essenziell für das „regionale Selbstbewusstsein“ und würden „eine Verbindung zwischen Ost und West schaffen“.
Dass der MDR sparen müsse, stellt der DDR-Star nicht grundsätzlich infrage. Allerdings warnt sie vor den Folgen für die Filmbranche in Ostdeutschland. „Dieses schnelle Sparen an der Fiktion ist gefährlich“, sagt sie. Zudem würden dadurch „Unmengen von Arbeitsplätzen“ wegfallen sowie Gelder, die bislang regelmäßig in Sachsen und Sachsen-Anhalt ausgegeben würden.



