Ein Stück TV-Geschichte

DDR-Kult „Verkehrskompass“: So tragisch endete das Leben von Verkehrssünder Meier

Der „Verkehrskompass“ war Kult in der DDR. Doch hinter Verkehrssünder Meier steckt eine tragische Geschichte um Schauspieler Günter Schubert.

Author - Florian Thalmann
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Günter Schubert spielte die Rolle des Verkehrssünder Meier in der Fernsehsendung Verkehrskompass.
Günter Schubert spielte die Rolle des Verkehrssünder Meier in der Fernsehsendung Verkehrskompass.Youtube

Wenn über das Fernsehen der DDR geredet wird, geht es oft um Formate, an die sich heute noch gut und gern erinnert wird: „Ein Kessel Buntes“, „Willi Schwabes Rumpelkammer“ und „Der Staatsanwalt hat das Wort“. Doch es gab auch viele kleinere Sendungen, die nicht so eine riesige Rolle im Gespräch spielten, die aber dennoch zum Alltag gehörten. Ein Beispiel ist der „Verkehrskompass“. Erinnern Sie sich an dieses Stück Fernsehgeschichte – und vor allem an Verkehrssünder Meier, der in den Filmchen als Durchschnitts-Verkehrssünder der DDR herhalten musste? Wir erinnern an das Format, an Verkehrssünder Meier – und an seinen traurigen Tod.

Der „Verkehrskompass“ lief in der DDR von 1969 bis 1990

Wissen Sie noch, was der „Verkehrskompass“ war? Nein? Wir helfen Ihnen etwas auf die Sprünge: Es handelte sich dabei um eine Serie zur Verkehrserziehung, produziert von der DEFA, in Auftrag gegeben von der Hauptabteilung Verkehrspolizei des Innenministeriums der DDR.

Die erste Folge wurde am 17. Februar 1969 ausgestrahlt – und damit dürfte die Filmreihe zu den am längsten präsenten Fernsehsendungen der DDR gehören. Denn die einzelnen Folgen, die im Laufe der Jahrzehnte hergestellt wurden, wurden bis zur Wende im Jahr 1990 ausgestrahlt. Eine echte Erfolgsgeschichte, die für das DDR-Ministerium aber nicht nur Unterhaltung war!

Mit der Filmreihe wollte man den DDR-Bürgern nämlich hilfreiche Ratschläge für das richtige Verhalten im Straßenverkehr geben. Friedrich Rochow, der als einer von mehreren Regisseuren für die Reihe zuständig war, schrieb auf seiner Website, dass das Projekt eigentlich nur zwei bis drei Jahre dauern sollte – dann sollte laut Manfred Gußmann, der die Idee für die Serie hatte, die gesamte Straßenverkehrsordnung verfilmt sein. „Dass es dann 22 Jahre mit runden 1040 Sendungen werden würden, hätten wir uns alle in unseren kühnsten Träumen nicht vorstellen können“, schrieb Rochow.

Die Fernsehzuschauer kannten Günter Schubert nicht nur aus dem „Verkehrskompass“, sondern auch aus Serien wie dem Tatort. Hier: Peter Reusse, Günter Schubert und Eberhard Feik.
Die Fernsehzuschauer kannten Günter Schubert nicht nur aus dem „Verkehrskompass“, sondern auch aus Serien wie dem Tatort. Hier: Peter Reusse, Günter Schubert und Eberhard Feik.teutopress/imago

Es wurden bei der Produktion laut Rochow Elemente des Werbefilms eingesetzt – von der Zeitlupe über Grafik-Tricks bis hin zum Einsatz sogenannter „Kaskadeure“, das war die DDR-Bezeichnung der Stuntmänner, die auch heute bei Filmen zum Einsatz kommen.

„Jeden Donnerstagabend um 21 Uhr musste ein neuer Verkehrskompass auf den Sender. Das erzeugte einen enormen Zeitdruck für das gesamte Kollektiv“, schrieb Rochow. „Wir alle erkannten bald das Gesetz der Serie, dass nicht jeder dieser kleinen Filme ein Highlight sein konnte. Aber unsere handwerklichen Erfahrungen wuchsen.“ Vom Publikum habe es „gute Noten“ und freundliches Lob gegeben.

DasLogo der TV-Sendung „Verkehrskompass“: Damit starteten die einzelnen Episoden der TV-Sendung aus der DDR.
DasLogo der TV-Sendung „Verkehrskompass“: Damit starteten die einzelnen Episoden der TV-Sendung aus der DDR.Youtube

So kam Verkehrssünder Meier in den „Verkehrskompass“

Doch mit der Zeit kehrte naturgemäß etwas Monotonie ein. Deshalb entwickelte Rochow ein neues Format: „Gestatten, Meier“. Hier wurde der durchschnittliche Kraftfahrer der DDR vorgestellt – Verkehrssünder Meier. Er sollte kein rücksichtsloser Rowdy sein, aber „behaftet mit allen charakterlichen und temperamentsbedingten Nachlässigkeiten, die im Straßenverkehr zu Unfallgefahren führen können“, schrieb Rochow. Für die Rolle wurde Schauspieler Günter Schubert ausgewählt, der die Rolle in 80 Ausgaben des „Verkehrskompass“ übernahm.

Einprägsam bis heute: In jeder Folge kommt der Verkehrssünder Meier gerade so mit einem blauen Auge davon – und beschließt das Filmchen mit der Erkenntnis: „Das will ich nun gewiss nicht wieder tun!“

Günter Schubert spielte im Laufe seiner Karriere zahlreiche Rollen in Film und TV. Im berühmten „Verkehrskompass“ war er als Verkehrssünder Meier zu sehen.
Günter Schubert spielte im Laufe seiner Karriere zahlreiche Rollen in Film und TV. Im berühmten „Verkehrskompass“ war er als Verkehrssünder Meier zu sehen.United Archives/imago

Schubert wurde damit zu einer der prägenden Figuren in der Verkehrserziehung der DDR – doch natürlich war das nicht der einzige Meilenstein in der Karriere des Schauspielers. Schubert gehörte nach seinem erfolgreich bestandenen Examen an der Staatlichen Schauspielschule Berlin unter anderem zum Ensemble des Fernsehens der DDR. Der Durchbruch gelang ihm in der Serie „Zur See“, in der er den Matrosen Thomas Müller spielte.

Danach wirkte er unter anderem bei „Treffpunkt Flughafen“ und „Bereitschaft Dr. Federau“ mit, spielte in diversen DEFA-Produktionen mit (u.a. „Das Schulgespenst“ und „Aber Doktor“) und stand immer wieder auf der Theaterbühne.

Günter Schubert wurde mit dem „Verkehrskompass“ populär

Sehr populär wurde Schubert aber eben auch durch den „Verkehrskompass“ und seine Auftritte als Verkehrssünder Meier, die die Zuschauer auch zum Schmunzeln brachten. Umso tragischer war sein Tod: Günter Schubert starb im Alter von nur 69 Jahren – kurz nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert wurde. Laut einem Bericht der SUPERillu war sein ganzer Körper von der heimtückischen Krankheit befallen – doch seine Familie erfuhr davon erst nach seinem Tod.

Am 28. November 2007 kam der Schauspieler mit starken Rücken- und Ohrenschmerzen in eine Klinik – seine Frau dachte zunächst, er habe einen Schlaganfall erlitten. Erst wurde er in einer HNO-Klinik behandelt, doch die Ärzte fanden nichts.

Nach Klinik-Wechsel und Ganzkörper-CT sollte Schubert am 2. Januar 2008 operiert werden. „Man wollte Rückenmark entnehmen, Biopsien und eine Lungenspiegelung durchführen“, sagte seine Tochter dem Magazin. „Aber er hat es nicht mehr geschafft. Und nach dem, was wir jetzt wissen, war es gut so. Der Tod hat ihm ein langes Leiden erspart. Auch wenn alles so weh tut.“

Nach der Wende verschwand der „Verkehrskompass“

Doch trotz seines viel zu frühen Todes hat Günter Schubert immer einen Platz im Herzen seiner Fans. Ob nun im Märchen „Sechse kommen durch die Welt“, als Matrose in „Zur See“ oder eben als Verkehrssünder Meier im „Verkehrskompass“. Die Sendung zur Verkehrserziehung würde übrigens mehrfach ausgezeichnet, erhielt Verdienstmedaillen des Ministerium des Innern der DDR und bekam auf dem Internationalen Festival für verkehrserzieherische Filme in Zagreb den „Großen Preis“.

Das rettete die Sendung allerdings nicht vor dem Untergang: Nach der Wende verschwand die Sendung wie so viele erfolgreiche und beliebte Produktionen aus der DDR von der Mattscheibe.

Erinnern Sie sich noch an den Verkehrskompass? Und welche Fernsehsendungen aus der DDR vermissten Sie heute noch? Schicken Sie uns Ihre Meinung per Mail an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!