Wenn man nach echten Kult-Gegenständen aus der DDR fragt, landet man schnell bei einem Küchenhelfer, den es in nahezu jedem Haushalt gab – und den viele auch heute noch in liebevoller Erinnerung haben: Das Rührgerät RG 28. Besser noch: In nicht wenigen Haushalten kreisen die Rührbesen noch heute im Küchenteig, denn das Gerät kriegt man einfach nicht klein! Auch bei anderen Haushaltsgeräten und Gegenständen aus der DDR ist es so: Sie halten und halten und halten, während Produkte von heute schon nach kurzer Zeit Schrott sind. Warum ist das so? Wir verraten das Geheimnis der TGL – wissen Sie noch, was es damit auf sich hat?
Haben Sie noch Geräte aus der DDR in Benutzung?
Bevor wir damit anfangen, eine kleine Frage: Welche Geräte aus der ehemaligen DDR haben Sie noch heute im Einsatz? Nutzen Sie noch Ihr Rührgerät RG 28, das Ihnen schon damals zwischen Kuchenteig und DDR-Semmeln treue Dienste geleistet hat? Oder haben Sie sogar noch eine Waschmaschine WM 66 in Benutzung?
Immerhin: Das Gerät wurde nicht nur zum Wäschewaschen benutzt, sondern auch, um Bockwürste darin aufzuwärmen und Lebensmittel einzuwecken. Welche Dinge haben Sie noch heute – und was funktioniert noch wie geschmiert? Schreiben Sie uns an wirvonhier@berlinerverlag.com!
Das RG 28 und die WM 66 sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen: In der DDR-Zeit hielten viele Produkte einfach länger als heute, wo manche Dinge scheinbar dafür gemacht sind, dass sie schon nach kurzer Zeit kaputtgehen. Aber woran liegt das? Das kleine, aber feine Zauberwörtchen heißt TGL. Wissen Sie noch, was das bedeutet?

Wir verraten es: Hinter den drei Buchstaben TGL verbargen sich die Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen der DDR. Es handelte sich um technische Vorschriften, die in der DDR von 1955 bis 1990 galten – und die für die Herstellung von Produkten bindend waren.
Sie waren vergleichbar mit den heutigen DIN-Normen, hatten dazu aber trotzdem einen gewaltigen Unterschied: Sie hatten den Charakter eines Gesetzes – und waren damit nicht nur eine Empfehlung!
Normen waren in der DDR exakt geregelt
Die Behörde hinter den Regeln war in der DDR das Deutsche Amt für Maß und Gewicht, gegründet im Jahr 1946, das seinen Sitz in Köpenick hatte. Daraus wurde im Jahr 1961 das Deutsche Amt für Meßwesen (DAM), später das Deutsche Amt für Meßwesen und Warenprüfung (DAMW) und danach das Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung (ASMW). Nach der Wende kam für die DDR-Behörde das Ende, sie wurde von der westdeutschen und nun bundesdeutschen DIN, dem Deutschen Institut für Normung, übernommen.

Mit Blick auf den heutigen Schund und Murks, der oft schon nach einer scheinbar festgelegten Zeit das Zeitliche segnet, wünschen sich viele das DDR-Amt zurück. Denn vor dem Hintergrund der Regeln mussten Dinge einfach so produziert werden, dass sie nicht kaputtgingen.
„Das heißt, der Staat schreibt vor, wie lange Geräte zu halten haben“, sagte Professor Markus Krajewski, der das Thema Langlebigkeit von Konsumgütern erforscht hat, dem MDR. „Das ist eine Vorgabe, an der sich die industriellen Produktionsstätten orientieren müssen. Sie müssen also so entwerfen und herstellen, dass sie die vorgeschriebene Lebensdauer von vielleicht zehn Jahren einhalten können.“
Qualität der DDR-Produkte war im Westen ein Problem
Allerdings war die von der DDR gelieferte Qualität schon damals ein Problem für den Westen. So wurden in Scharfenstein im Erzgebirge etwa Kühlschränke produziert, die sehr lange hielten. Zehn Jahre waren staatlich vorgeschrieben, später mussten es sogar zwölf sein - und die Ausfallquote durfte nicht höher sein als ein Prozent.

Die Kühlschränke aus der DDR waren top, wurden auch exportiert, unter anderem zum West-Versandhandel Quelle Dort habe man schnell festgestellt, dass ein Kühlschrank mit einer Lebensdauer von 15 Jahren einfach zu langlebig und für den Verkauf uninteressant ist.
Deshalb sei das Gerät bei Quelle wieder aus dem Sortiment geflogen. Man wollte eben, dass die Menschen schnell neu kaufen und nicht alte Geräte über Jahrzehnte benutzen. Und öffnete dem Murks, der heute so vielen Menschen auf die Nerven geht, Tür und Tor.


