Rührgerät und Waschmaschine

Das Geheimnis der TGL: Warum hielt in der DDR alles so lange?

Viele DDR-Geräte laufen bis heute problemlos. Dahinter steckte die TGL – strenge Vorschriften, die für echte Langlebigkeit sorgten.

Author - Florian Thalmann
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Er rührt und rührt und rührt: Der Handmixer RG 28 ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie langlebig Produkte aus der DDR sein konnten.
Er rührt und rührt und rührt: Der Handmixer RG 28 ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie langlebig Produkte aus der DDR sein konnten.Illustration: Berliner KURIER, DDR Museum Berlin

Wenn man nach echten Kult-Gegenständen aus der DDR fragt, landet man schnell bei einem Küchenhelfer, den es in nahezu jedem Haushalt gab – und den viele auch heute noch in liebevoller Erinnerung haben: Das Rührgerät RG 28. Besser noch: In nicht wenigen Haushalten kreisen die Rührbesen noch heute im Küchenteig, denn das Gerät kriegt man einfach nicht klein! Auch bei anderen Haushaltsgeräten und Gegenständen aus der DDR ist es so: Sie halten und halten und halten, während Produkte von heute schon nach kurzer Zeit Schrott sind. Warum ist das so? Wir verraten das Geheimnis der TGL – wissen Sie noch, was es damit auf sich hat?

Haben Sie noch Geräte aus der DDR in Benutzung?

Bevor wir damit anfangen, eine kleine Frage: Welche Geräte aus der ehemaligen DDR haben Sie noch heute im Einsatz? Nutzen Sie noch Ihr Rührgerät RG 28, das Ihnen schon damals zwischen Kuchenteig und DDR-Semmeln treue Dienste geleistet hat? Oder haben Sie sogar noch eine Waschmaschine WM 66 in Benutzung? 

Immerhin: Das Gerät wurde nicht nur zum Wäschewaschen benutzt, sondern auch, um Bockwürste darin aufzuwärmen und Lebensmittel einzuwecken. Welche Dinge haben Sie noch heute – und was funktioniert noch wie geschmiert? Schreiben Sie uns an wirvonhier@berlinerverlag.com!

Das RG 28 und die WM 66 sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen: In der DDR-Zeit hielten viele Produkte einfach länger als heute, wo manche Dinge scheinbar dafür gemacht sind, dass sie schon nach kurzer Zeit kaputtgehen. Aber woran liegt das? Das kleine, aber feine Zauberwörtchen heißt TGL. Wissen Sie noch, was das bedeutet?

In der Waschmaschine WM 66 wurden zu DDR-Zeiten nicht nur Kleidungsstücke gewaschen, sondern auch Bockwürste aufgewärmt und Einweckgläser eingekocht.
In der Waschmaschine WM 66 wurden zu DDR-Zeiten nicht nur Kleidungsstücke gewaschen, sondern auch Bockwürste aufgewärmt und Einweckgläser eingekocht.DDR Museum Berlin

Wir verraten es: Hinter den drei Buchstaben TGL verbargen sich die Technischen Normen, Gütevorschriften und Lieferbedingungen der DDR. Es handelte sich um technische Vorschriften, die in der DDR von 1955 bis 1990 galten – und die für die Herstellung von Produkten bindend waren.

Sie waren vergleichbar mit den heutigen DIN-Normen, hatten dazu aber trotzdem einen gewaltigen Unterschied: Sie hatten den Charakter eines Gesetzes – und waren damit nicht nur eine Empfehlung!

Normen waren in der DDR exakt geregelt

Die Behörde hinter den Regeln war in der DDR das Deutsche Amt für Maß und Gewicht, gegründet im Jahr 1946, das seinen Sitz in Köpenick hatte. Daraus wurde im Jahr 1961 das Deutsche Amt für Meßwesen (DAM), später das Deutsche Amt für Meßwesen und Warenprüfung (DAMW) und danach das Amt für Standardisierung, Meßwesen und Warenprüfung (ASMW). Nach der Wende kam für die DDR-Behörde das Ende, sie wurde von der westdeutschen und nun bundesdeutschen DIN, dem Deutschen Institut für Normung, übernommen.

Auch solche Radios der Marke Stern sind heute in der einen oder anderen Gartenlaube noch in Betireb. Wenn Sie noch eins habe, melden Sie sich bei uns!
Auch solche Radios der Marke Stern sind heute in der einen oder anderen Gartenlaube noch in Betireb. Wenn Sie noch eins habe, melden Sie sich bei uns!DDR Museum Berlin

Mit Blick auf den heutigen Schund und Murks, der oft schon nach einer scheinbar festgelegten Zeit das Zeitliche segnet, wünschen sich viele das DDR-Amt zurück. Denn vor dem Hintergrund der Regeln mussten Dinge einfach so produziert werden, dass sie nicht kaputtgingen.

„Das heißt, der Staat schreibt vor, wie lange Geräte zu halten haben“, sagte Professor Markus Krajewski, der das Thema Langlebigkeit von Konsumgütern erforscht hat, dem MDR. „Das ist eine Vorgabe, an der sich die industriellen Produktionsstätten orientieren müssen. Sie müssen also so entwerfen und herstellen, dass sie die vorgeschriebene Lebensdauer von vielleicht zehn Jahren einhalten können.“

Qualität der DDR-Produkte war im Westen ein Problem

Allerdings war die von der DDR gelieferte Qualität schon damals ein Problem für den Westen. So wurden in Scharfenstein im Erzgebirge etwa Kühlschränke produziert, die sehr lange hielten. Zehn Jahre waren staatlich vorgeschrieben, später mussten es sogar zwölf sein - und die Ausfallquote durfte nicht höher sein als ein Prozent.

In Scharfenstein im Erzgebirge wurden unter anderem Kühlschränke des Typs Kristall hergestellt. Für den Westen waren sie viel zu langlebig.
In Scharfenstein im Erzgebirge wurden unter anderem Kühlschränke des Typs Kristall hergestellt. Für den Westen waren sie viel zu langlebig.DDR Museum Berlin

Die Kühlschränke aus der DDR waren top, wurden auch exportiert, unter anderem zum West-Versandhandel Quelle Dort habe man schnell festgestellt, dass ein Kühlschrank mit einer Lebensdauer von 15 Jahren einfach zu langlebig und für den Verkauf uninteressant ist.

Deshalb sei das Gerät bei Quelle wieder aus dem Sortiment geflogen. Man wollte eben, dass die Menschen schnell neu kaufen und nicht alte Geräte über Jahrzehnte benutzen. Und öffnete dem Murks, der heute so vielen Menschen auf die Nerven geht, Tür und Tor.

Doch es gibt sie noch – die Geräte, die die Jahrzehnte überdauert haben – und die auch heute noch ohne Probleme laufen. Haben Sie noch ein Rührgerät, ein altes Radio, einen Plattenspieler, ein Bügeleisen oder andere Dinge aus der DDR-Zeit im Einsatz? Schicken Sie uns eine Nachricht, am besten mit Foto, an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns sehr auf Ihre Zuschriften!