Eine invasive Ameisenart breitet sich offenbar immer weiter aus – und sorgt inzwischen für wachsenden Ärger. „Lasius neglectus“ ist in Jena mittlerweile so weit verbreitet, dass Anwohner und Gewerbetreibende mit ernsthaften Folgen zu kämpfen haben. Nach Einschätzung eines Schädlingsbekämpfers ist es in der Innenstadt besonders schlimm.
Es könnte sich bereits eine Superkolonie gebildet haben
Wie der MDR berichtet, könnte sich dort längst eine sogenannte Superkolonie gebildet haben. Gemeint ist damit ein gewaltiges Netzwerk aus Millionen Arbeiterinnen und hunderttausenden Königinnen. Die „Vergessene Wegameise“ stammt eigentlich aus Vorderasien.
Schädlinge könnten über Pflanzimporte in die Stadt gekommen sein
Nach Einschätzung des Jenaer Schädlingsbekämpfers Thomas Loose könnte sie schon vor mehr als 20 Jahren über Pflanzenimporte in die Stadt gekommen sein – möglicherweise auch über den Botanischen Garten. Begünstigt wird ihre Ausbreitung offenbar durch das vergleichsweise warme Klima der Saalestadt.
Die macht alle anderen platt oder fast alle anderen.
Die Tiere sind nur wenige Millimeter groß und für Laien kaum eindeutig zu bestimmen. Auffällig ist dafür ihre massive Verbreitung. Nach Angaben von Loose reicht das bekannte Befallsgebiet inzwischen vom Philosophenweg bis zur Saalbahnhofstraße und vom Fürstengraben bis zur St.-Jakob-Straße. Zusammen mit angrenzenden Bereichen wie Johannisfriedhof, Wagnergasse und Johannisstraße ergibt sich eine Fläche von rund 30 Hektar – also etwa 60 Fußballfelder.
So gefährlich sind die Ameisen für den Menschen
Das Gefährliche an der Art: Die einzelnen Nester bekämpfen sich nicht gegenseitig. Stattdessen arbeiten die Tiere in großen Verbünden zusammen. „Die macht alle anderen platt oder fast alle anderen“, sagte Loose dem MDR über die Konkurrenz zu heimischen Ameisenarten. Vor allem gewöhnliche Wegameisen würden verdrängt.
Für Menschen sind die Ameisen meist vor allem eins: lästig. Sie dringen in Wohnungen ein, laufen durch Zimmer und suchen nach Nahrung. Richtig problematisch kann das aber in sensiblen Bereichen wie Restaurants, Großküchen oder medizinischen Einrichtungen werden. Dort kann der Befall hygienische Probleme verursachen. Auch Schäden an elektrischen Anlagen sind möglich, wenn sich die Tiere in Schaltkästen einnisten.
Ergebnisse könnten noch Monate auf sich warten lassen
Inzwischen beschäftigt das Thema auch den Jenaer Stadtrat. Der Grünen-Stadtrat Wolfgang Volkmer spricht von einer zunehmenden Ausbreitung und wachsendem Leidensdruck bei Betroffenen. Teilweise berichteten Anwohner, dass Ameisen über Betten und Kopfkissen liefen. Einige Menschen seien deshalb sogar ausgezogen.

Auf Drängen der Grünen soll nun ein Gutachten erstellt werden. Ein Fachmann soll das Ausmaß des Befalls untersuchen und Empfehlungen für Eigentümer, Mieter und die Stadtverwaltung erarbeiten. Bis Ergebnisse vorliegen, dürften allerdings noch Monate vergehen. Volkmer befürchtet deshalb, dass auch in diesem Jahr kaum konkrete Maßnahmen umgesetzt werden können.
Kolonien zu groß für eine vollständige Beseitigung
Eine vollständige Beseitigung der Ameisen hält Schädlingsbekämpfer Loose ohnehin für unrealistisch. Dafür seien die Kolonien inzwischen zu groß. „Tilgung ist nicht möglich. Aussichtslos“, sagte er im Gespräch mit dem MDR.
Möglich sei lediglich, die Tiere punktuell mit Ködern zurückzudrängen. Vor einer großflächigen chemischen Bekämpfung warnt er zugleich – nicht nur wegen hoher Kosten, sondern auch wegen möglicher Folgen für die Umwelt und andere Arten.


